Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
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Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv

58 Fälle in eineinhalb Jahren

Kaufrausch wie an Weihnachten

  • vonHeinz Habermehl
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Einkaufen ohne zu bezahlen – ein Traum. Allerdings ein Traum, der Ärger einbringen kann. Eine Homburgerin hat Waren im Internet bestellt und diese nicht bezahlt. Jetzt stand sie vor Gericht.

Den „heißen Tipp“, wie man an Waren kommen kann, ohne diese zu bezahlten, hatte die 32 Jahre alte Bad Homburgerin von einer Freundin erhalten. Es sei nämlich ganz einfach, ohne Geld an Waren zu gelangen – man brauche nur übers Internet bestellen, erzählte die Hartz-IV-Bezieherin, die sich gestern vor dem Schöffengericht Frankfurt verantworten musste. Ihr wurde gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Die Mutter von zwei Kindern im Alter von neun und zwölf Jahren hatte zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2016 in 58 Fällen Waren bestellt, ohne diese zu bezahlen.

Vor Gericht wurde die 32-Jährige nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die allerdings zur dreijährigen Bewährung ausgesetzt wurde. Mit dem Urteil folge die Richterin dem Antrag der Staatsanwaltschaft. In seinem Plädoyer machte der Verteidiger keinen Hehl aus seiner Erleichterung darüber, dass die Anklagevertreterin sich zuvor schon für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen hatte. Unter dem Gesichtspunkt, dass der Strafrahmen für gewerblichen Betrug zwischen sechs Monaten und zehn Jahren liegt, ein sicherlich sehr mildes Urteil. Doch hierfür gab es mehrere Gründe, die noch erwähnt werden.

Erstaunlich, wie einfach es für die junge Frau mit Sonderschulabschluss – „Ich hatte keine Lust auf Schule“ – und ohne Berufsausbildung war, unentgeltlich an die gewünschten Waren zu kommen. Sie bestellte übers Internet bei zwei Zulieferfirmen Waren im Wert von rund 100 Euro und ließ sich diese an ihre Adresse liefern. Dazu nannte sie auch ihren richtigen Nachnamen. Ihre besondere „Tatvariante“: Sie gab immer wieder andere Vornamen an. Der überwiegende Teil der Bestellung wurde an ihrer Adresse von der Angeklagten oder einem anderen Hausbewohner entgegen genommen. War niemand zu Hause, wurde wenige Tage später die Lieferung bei der Postfiliale abgeholt. Als der Betrug aufflogen, war bereits ein Schaden von rund 6000 Euro aufgelaufen.

Vielleicht wäre die Betrügerei noch eine Weile fortgesetzt worden, wenn die Polizei der Angeklagten nicht per Zufall auf die Spur gekommen wäre. Bei Ermittlungen in einer Rauschgiftangelegenheit gegen andere Personen hatten die Beamten einen anonymen Hinweis auf die Betrugstaten der 32-Jährigen erhalten. Danach war Schluss mit lustig beziehungsweise mit den „Billigkäufen“.

Der Verteidiger bemängelte, um die Schuld seiner Mandantin zu mindern, dass es die Lieferanten seiner Mandantin viel zu leicht gemacht hätten. Die Warenlieferanten hätten die offenen Rechnungen zwei Mal angemahnt, danach sei nichts mehr geschehen. „Meine Mandantin hat weitere Bestellungen aufgegeben und wie zu vor auch die Waren erhalten. Das war wie Weihnachten, sie war in einem richtigen Kaufrausch“, sagte er im Gericht.

Taschen und Sportschuhe

Die Angeklagte hatte sich unter anderem zahlreiche Hand- und Umhängetaschen sowie mehrfach teure Sportschuhe liefern lassen. Hinzu kamen zahlreiche T-Shirts, darunter auch Trikots der Frankfurter Eintracht. Laut ihrer eigenen Aussage hatte die Angeklagte alle Waren für ihre beiden Kinder, den Ehemann und für sich selbst bestellt. „Ich habe nichts weitergegeben oder verkauft“, ließ sie das Gericht wissen.

Obwohl die letzten Taten schon rund 20 Monaten zurückliegen, hat die 32-Jährige bisher keine Rückzahlungen vorgenommen. Das werde sie noch tun, versprach sie. Sie werde vormittags putzen oder einer anderen Tätigkeit nachgehen, wenn die Kinder in der Schule seien – so ihr eher unverbindliches Versprechen in der Verhandlung. Für das Gericht war es nicht einfach, die zahlreichen Straftaten angemessen zu ahnden. Die zweifache Mutter hat wenig Geld. Sie ins Gefängnis zu stecken, sah man auch nicht als die ideale Lösung an. Die Frau muss sich um ihre Kinder und ihren kranken Mann kümmern. Positiv schlug zu Buche, dass sie keine Vorstrafen hat, geständig war und Reue zeigte. Diese Umstände waren letztlich mitentscheidend für das milde Urteil.

Allerdings gab es vom Gericht eine spürbare Auflage. Die Verurteilte muss 300 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten und sich drei Jahre lang einem Bewährungshelfer unterstellen. Der verursachte Schaden in Höhe von rund 6000 Euro muss ebenfalls beglichen werden. „Wenn Sie die auferlegten Arbeitsstunden nicht verrichten, wird die Bewährung widerrufen“, ermahnte die Richterin.

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