Experten-Runde (von links): Verkehrsexperte Gunter Mackinger, Prof. Walter Söhnlein und Bernd Vorlaeufer-Germer (Fahrgast-Lobby), OB Michael Korwisi (Grüne) und Frank Denfeld, Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Hochtaunus, diskutierten über Mobilität im Taunus. Foto: Reichwein
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Experten-Runde (von links): Verkehrsexperte Gunter Mackinger, Prof. Walter Söhnlein und Bernd Vorlaeufer-Germer (Fahrgast-Lobby), OB Michael Korwisi (Grüne) und Frank Denfeld, Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Hochtaunus, diskutierten über Mobilität im Taunus. Foto: Reichwein

ÖPNV in Bad Homburg

Kein O-Bus für die Kurstadt

Wie der öffentliche Nahverkehr fit für die Zukunft gemacht werden kann und welche Rolle die Elektrifizierung der Homburger Stadtbusse und der Taunusbahn dabei spielen könnten, wurde bei einer Podiumsdiskussion ausgiebig diskutiert. Zumindest in einem Punkt waren sich dabei alle einig: Der ÖPNV soll zukünftiger noch mehr Anreize bieten, das Auto zu Hause zu lassen.

Von Judith Alpmann

Mit dem Ziel, sachlich über angedachte Projekte wie die S-Bahn-Verlängerung nach Usingen oder die Zukunft der Homburger Stadtbusse zu reden, hat die Fahrgast-Lobby Hochtaunus zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Dabei ging es insbesondere um neue Antriebsmöglichkeiten der Bahnen und Busse, damit diese kostensparender und umweltfreundlicher eingesetzt werden können. Auf dem Podium saßen neben zwei Vertretern der Fahrgast-Lobby, Prof. Walter Söhnlein und Bernd Vorlaeufer-Germer, auch Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne), der österreichische Verkehrsexperte Gunter Mackinger und Frank Denfeld, der neue Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Hochtaunus.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellte ÖPNV-Fachmann Mackinger klar, dass er nicht gekommen sei, um gute Ratschläge zu geben. Vielmehr könne er nur seine Erfahrungen im Bereich des ÖPNV mitteilen. Und so riet er mit Blick auf die Homburger Stadtbusse vom Umstieg auf batteriebetriebene Busse ab. Die Kosten lägen hierbei mit 150 000 bis 200 000 Euro pro Batteriesatz noch deutlich zu hoch. Er empfahl sogenannte O-Busse, die durch Oberleitungen mit Strom versorgt werden. „Ein O-Bus kann für Bad Homburg als Kurstadt auch ein gutes Alleinstellungsmerkmal sein.“

OB Korwisi stellt aber sofort klar, dass eine solche Umstellung des Bussystems für Bad Homburg zurzeit nicht in Frage komme. Stattdessen könne er sich gasbetriebene Busse vorstellen, da Bad Homburg, um den Titel „Bad“ weiterhin führen zu dürfen, die Feinstaubbelastung deutlich senken müsse. Weil bei entsprechenden Messungen nur die Feinstaubbelastung, nicht aber die CO2-Werte betrachtet werden, sei die eher schlechte Co2-Bilanz von gasbetriebenen Bussen hinnehmbar. Allerdings laufe die nächste Vergaberunde für das Homburger Bussystem bereits in 21 Monaten aus, so dass eine Elektrifizierung wie auch ein Umstieg auf gasbetriebene Busse frühestens in acht Jahren, also bei der übernächsten Konzession, eine Rolle spielen könnten. Dennoch werde die Neuvergabe des Homburger Busbetriebs an strengere Umweltstandards gekoppelt, so Korwisi.

Großes Potenzial sahen fast alle Diskussionsteilnehmer in der Elektrifizierung der Taunusbahn. Die schließt ein, dass die S-Bahn-Linie 5 bis Usingen verlängert wird und halbstündlich verkehren soll. „Ein überdimensioniertes Projekt“, nannte Söhnlein die Planungen und gab zu bedenken, dass die Kosten mit 20 Millionen Euro nicht unerheblich seien. Frank Denfeld hingegen befürwortet die Verlängerung. „Das ist eine einmalige Chance, die sich uns bietet.“ Er wies darauf hin, dass die dafür nötigen S-Bahnen relativ schnell bestellt werden müssten. Da S-Bahnen immer als Sammelbestellung mehrerer Anbieter zusammengefasst würden, sei Eile geboten. Außerdem sei der RMV bereit, einen Teil des Ausbaus zu finanzieren. „Diese Chance sollten Sie nutzen“, riet auch Mackinger. Eine Elektrifizierung sei eine Investition in die Zukunft und sichere den Bestand des ÖPNV im Taunus langfristig. Der Einwand aus dem Publikum, dass Grävenwiesbach und die umliegenden Gemeinden dadurch benachteiligt und ausgeschlossen würden, wollten weder Korwisi, noch Denfeld gelten lassen. „Die Verbindung nach Bad Homburg bleibt ja bestehen, nur der Umstieg in die S-Bahn wird bereits in Usingen stattfinden.“

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