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An der Langen Meile standen die Container während des Neubaus der Friedrich-Ebert-Schule, für eine Kita kommt der Standort aber nicht in Frage.

Bericht des Jugendhilfeausschusses

Bad Homburg fehlen Grundstücke für Kita-Neubauten

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Bad Homburg wächst – und damit die Nachfrage nach Krippen- und Kitaplätzen. Der jüngste Bericht des Jugendhilfeausschusses ließ aufhorchen.

17 Krippen und Kindertagesstätten hat die Stadt Bad Homburg in eigener Trägerschaft. Und wenn der Südcampus, das Vickers-Areal und der Hühnerstein gebaut sind, kommen noch mal drei dazu. 20 wären es dann. Allein – zum einen lassen die drei Baugebiete auf sich warten, zum anderen wird auch mit den geplanten drei Einrichtungen der Bedarf an Betreuung für unter Sechsjährige nicht gedeckt. Der Kurstadt fehlen zwei bis drei Krippen und Kitas. Darüber wurde kürzlich im Jugendhilfeausschuss gesprochen und vor allem darüber, dass es an Grundstücken für Kita-Neubauten fehle.

Stadträtin und Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) kennt das Problem. „Es fehlen uns, abseits der geplanten Kitas in den noch zu entwickelnden Gebieten, tatsächlich drei Kitas mit jeweils 60 Plätzen“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Schon die Betreuung der unter Dreijährigen sei „auf Kante genäht“, aber kritisch sei es, trotz einer Versorgungsquote von weit über 100 Prozent, im Bereich der Kindergartenkinder, vor allem jener, die nach den Sommerferien geboren sind. Die Rechnung geht so: Nach den Ferien gehen alle Abc-Schützen aus der Kita in die Schule. Auf einen Schlag werden also viele Plätze frei. Die bekommen, vereinfacht gesagt, die Kinder, die dann drei Jahre alt sind. Bis September, Oktober, füllen sich die Kitas. Wer im November oder später geboren ist, vielleicht im Januar erst nach Homburg gezogen, hat das Nachsehen. Denn gibt’s keine Plätze mehr.

Lewalter-Schoor bereitet das Kopfzerbrechen, denn die Sache führt über das reine Betreuungsproblem hinaus. Die Sozialdezernentin sagt: „Eine ausreichende Versorgung anbieten zu können, ist für uns als Stadt ein wichtiges Argument, um Neubürger zu gewinnen. Wie aber sollen wir sie gewinnen, wenn wir keine Kita-Plätze haben?“

Gruppengrößen ändern

Schützenhilfe bekommt sie von Bürgermeister Meinhard Matern (CDU). Der hatte, bevor er Bürgermeister und Kämmerer und Lewalter-Schoor Sozialdezernentin wurde, ein halbes Jahr das ausgabenträchtige Sozialressort geführt und gesagt, dass ihn die Arbeit dort für die Belange des Bereichs sensibilisiert hätten. In der jüngsten Parlamentssitzung bekräftigte er, dass es im Bereich der Krippen und Kitas Handlungsbedarf gebe. Im Gespräch mit der TZ sagte er zudem, dass er auch die demografische Bevölkerungsentwicklung im Blick habe. „Ohne Zuzug würden wir überaltern, wir wollen aber, dass junge Familien zu uns ziehen – aber wir müssen ihnen auch etwas bieten.“

Er hoffe, dass sich da auch auf Bundes- und Landesebene etwas tue, analog zum Schulbereich. „Da stellt das Land die Lehrer, der Kreis das Gebäude – vielleicht könnte man auch aus dem Kitabereich eine ganzstaatliche Aufgabe machen.“

Sucht derzeit nach geeigneten Grundstücken für Kita-Neubauten: Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor.

Bis das allerdings kommt, wenn es denn kommt, liegt die Sache eben bei der Stadt. Und die hat nicht nur das Problem, dass Kitaplätze fehlen, sondern auch, dass die bestehenden Kitas in Teilen sanierungsbedürftig sind und aus allen Nähten platzen. Gruppengrößen von 25 sind die Regel. An der Gruppengröße wird Lewalter-Schoor vorerst nichts ändern können, aber an deren Zusammensetzung: „Wenn wir zunächst die Gruppengröße auf 23 beschränken, aber immer zwei Plätze für Nachzügler freihalten, haben Winterkinder und Neubürger auch eine Chance auf einen Kitaplatz.“

Vorgaben sind schwierig

Und wie will Lewalter-Schoor dafür sorgen, dass neue Kitas gebaut werden können? „Das ist schwierig“, gibt sie zu, denn „hier konkurrieren unterschiedliche Bedarfe – die Leute brauchen ja auch Wohnraum.“ Nichtsdestotrotz sei sie mit ihrem Team – unter anderem Gabriele Bernhard von der Jugendhilfeplanung und Fachdienstleiterin Sabine Junghahn – „überall unterwegs, um zu schauen, ob man da eine Kita errichten könnte“. „Wir waren zum Beispiel an der Langen Meile und haben gedacht, da waren doch schon die Schulcontainer während des Neubaus der Friedrich-Ebert-Schule, da sind doch alle Leitungen da, das könnte zumindest übergangsweise klappen“, sagt Junghahn. Die Vorgaben für den Sportplatz sähen aber anders aus.

An anderer Stelle seien dann die Räume zu klein, wieder an anderer das Außengelände. „Es ist nicht leicht, eine Kita zu bauen“, sagt Lewalter-Schoor und erinnert an das Vorhaben einer Kooperation mit dem Flersheim-Stift im Kurpark. Dort, auf dem Gelände des Paul-Ehrlich-Wegs war angedacht, eine Kita zu bauen. Die Idee ging vom Verein für Innere Mission in Nassau (Evim) aus, die Träger des Flersheim-Stifts ist und bereits in ihrem Haus in Schwalbach eine Kooperation mit einer Kita hat, die Jung und Alt regelmäßig zusammenbringt. „Ich hätte es toll gefunden, wenn das geklappt hätte, aber der Denkmalschutz hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

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