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War von der Arbeit an der Landgraf-Ludwig-Schule begeistert: Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel.

Pilotprojekt an Landgraf-Ludwig-Schule

Wie Kinder richtig schreiben lernen

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Grundwortschatz? Da denkt man an Wälzer von Langenscheidt oder Pons, die die 350 wichtigsten englischen oder französischen Wörter umfassen. Gibt’s in Hessen in größerer Form mit 850 Wörtern jetzt auch für Deutsch. Herausgegeben vom Kultusministerium, und zwar für Grundschulen. Getestet wird das Werk derzeit unter anderem an der Landgraf-Ludwig-Schule in Bad Homburg.

Wissen Sie noch, wie das war, als die Kinder in die erste Klasse kamen? Und als beim ersten Elternabend die Lehrerin sagte, im Herbst werde man dann die erste Lektüre lesen? Unvorstellbar, dass das binnen weniger Wochen gelingen sollte, wo der Nachwuchs doch nicht einmal seinen Namen schreiben konnte. Und doch gelingt den hessenweit 20 000 Grundschullehrern Jahr für Jahr dieses kleine Wunder, dass die Kinder rechnen, lesen und schreiben lernen.

Gerade das Thema Rechtschreibung ist allerdings eines, das immer wieder in der Diskussion ist. Viele Eltern sorgen sich, dass der Nachwuchs, wenn er die vierte Klasse verlässt und auf die weiterführende Schule kommt, nicht ausreichend in Orthografie geschult ist. Das ist , allerdings hat sich das Hessische Kultusministerium (HKM) seine Gedanken gemacht und im vergangenen Jahr einen Grundwortschatz herausgegeben, anhand dessen die Kinder Rechtschreibregeln erlernen können, Rechtschreibstrategien ableiten, kurzum, Sicherheit im Umgang mit der Rechtschreibung erlangen.

Das Ganze ist derzeit noch in der Erprobung, und eine der 62 Schulen, die am Pilotprojekt teilnehmen, ist die Landgraf-Ludwig-Schule (LLS) in Bad Homburg. Deren Schulleiterin Gabriela Schnabel ist von der Sache angetan: „Die Kinder lernen mit Rechtschreibphänomenen umzugehen, die Lehrer haben durch den Grundwortschatz eine bessere Orientierung.“

Natürlich sage auch der eine oder andere, so ganz neu sei die Sache doch gar nicht, „Lernwörter“ habe es ja schon immer gegeben. „Aber gerade die Tatsache, dass das gesamte Kollegium auch in Sachen Strategien, Anwendung und Umsetzung geschult worden ist, hilft immens.“ Das hört Lösel gern, denn ihm war gerade diese umfassende Schulung wichtig: „Dass ein Lehrer auf Fortbildung geht und dann für ein ganzes Kollegium als Multiplikator fungiert, das kann bei der Arbeitsfülle nicht funktionieren.“

Eine, die das nur unterstreichen kann, ist Lehrerin Sarah Cortes Sanchez. Sie unterrichtet an der LLS eine dritte Klasse und hat aus ihrer Fortbildung vor allem dies mitgenommen: „Den harten Brocken des Tages.“ Das ist ein besonders schweres Wort, das sich auf ein aktuell zu bearbeitendes Rechtschreibthema bezieht und dessen richtige Schreibweise sich die Kinder im Unterricht erarbeiten.

Darja (8) macht es am Dienstagmorgen – es geht derzeit um das scharfe „S“ – vor: Sie schreibt „Vorfahrtsstraßenschild“ an die Tafel, allerdings extra falsch, nämlich so: „vorfartßtraschield“. Und dann schnellen 22 Hände in die Höhe und erklären, was an welcher Stelle wie verbessert werden muss – und auch warum. Fachbegriffe wie „Silbentrennung“, „Dehnungs-H“, „Verbindungs-S“ und dergleichen mehr werden genannt. Am Ende hat die Klasse das Wort gemeinsam richtig geschrieben.

Sieht ganz so aus, als müsse man sich in Sachen Orthografie-Kenntnisse in dieser Klasse keine Sorgen machen.

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