Klaviermusik zum Niederknien

Lev Notochenny ist nicht nur gefeierter Starpianist und Dirigent, er wird auch von vielen seiner berühmt gewordenen Schüler als begnadeter Lehrer verehrt. Jetzt war er mit seiner Meisterschülerin Eugene Choi als Gast der Bad Homburger Schlosskonzerte zu erleben.

Von SABINE SCHLICHTE

Das dritte Konzert aus der Reihe „Meisterpianisten“ war dem vierhändigen Klavierspiel gewidmet. Diese im 19. Jahrhundert beliebte Musizierpraxis machte es nicht nur möglich, Sinfonien und Opern zu Hause aufzuführen, sondern wurde auch durch eigens dafür komponierte Musikwerke bereichert. Mozart hat für seine Schwester und sich selbst komponiert, für Schubert und Brahms gehörte das vierhändige Spiel zur guten Unterhaltung.

Werke dieser Komponisten hatten die Künstler ausgewählt und stellten Mozarts Sonate C-Dur zu vier Händen KV 521 an den Anfang. Wie eine Fanfare erklang das einleitende Thema, unisono in vierfachen Oktaven und im Fortissimo, wie aus einem Guss gespielt. Aus ihm entwickelte sich unbeschwerte, klare und transparente Musik, die den beiden Pianisten – Eugene Choi rechts an den Oberstimmen, ihr Lehrer Lev Notochenny an den tiefen Registern – genügend Gelegenheiten gab, ihr glänzendes Spiel zu verbinden. Als gleichberechtigte Partner spielten sie sich die Themen zu, duettierten, unter- oder übermalten mit reichem, brillantem Passagenwerk.

Choi bescheinigt die Presse „die Kunst des sensiblen Anschlags“. Notochenny beherrscht das natürlich auch, und so konnten die beiden einsätzigen Kompositionen von Franz Schubert als ungemein farbige und abgrundtiefe Werke vorgestellt werden. Das Allegro a-moll D 947, „Lebensstürme“ genannt, zerreißt sich in Kontrasten zwischen dem heftigen akkordischen Hauptthema und Zwischenteilen, die zum Hinknien schön waren.

Die Fantasie f-moll D 940 gestaltete das Duo ebenso eindringlich. Durch die Widmung an seine vergebliche Liebe, seine ehemalige Schülerin Caroline Esterházy, lässt sich das Werk als bewegende Erinnerung verstehen. Die Spieler begannen behutsam, färbten das Thema in Dur beseelt heiter, bevor sie mit harten Akkorden und zerrissenen Punktierungen das zerbrechliche Anfangsthema hinwegfegten. Nach der wilden Fuge ließen sie die Musik ins Leere laufen, der letzte Akkord war kaum noch zu hören.

Doch so wollten die Gestaltungskünstler das Konzert nicht beenden. Mit vier der beliebten ungarischen Tänze von Johannes Brahms wurden alle Lebensgeister wieder geweckt. Der schnelle Csárdás-Rhythmus fuhr in die Beine, die Nachahmung eines verstimmten Cymbals kitzelte das Ohr, und die temperamentvolle Gestaltung riss letztlich das Publikum zu den verdienten Beifallsstürmen hin.

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