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Die kaiserliche Familie vor dem Homburger Schloss.

Homburger Schloss

Königsflügel öffnet nicht vor Ende 2020

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Hinter den Kulissen ist im Schloss einiges in Bewegung. Die Schlösserverwaltung ist seit gestern offiziell unter neuer Leitung, das Kuratorium bekommt zusätzliche Aufgaben und im Königsflügel wird nach wie vor gewerkelt. Doch die Restaurierung der kaiserlichen Möbel ist auf einem guten Weg.

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg: Im Herbst 1918 musste daher auch Kaiser Wilhelm II. abdanken. In Bad Homburg ist man diesen historischen Ereignissen ganz nah, befindet sich doch im hiesigen Landgrafenschloss die einzige weitgehend erhaltene Wohnung des letzten deutschen Kaiserpaares. Noch kurz vor seiner Flucht hielt sich Wilhelm II. zeitweilig im Homburger Schloss auf.

Dass der Königsflügel mit den kaiserlichen Wohnräumen auch zu diesem Jahrestag noch nicht für Besucher zugänglich ist, liegt nach Worten der Landesregierung an der historischen Bausubstanz, die doch stärker geschädigt sei als zu Beginn der Sanierung 2011 angenommen. Um dem Denkmalschutz gerecht zu werden, müsse „der Zustand des Gebäudes auf Basis der neu gewonnenen Erkenntnisse immer wieder neu bewertet werden, damit für die Sanierung wirtschaftliche und angemessene Lösungen gefunden werden“, erläutert eine Sprecherin des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH).

Beispielsweise hätten „die massiv geschädigten Deckenbalken des Königsflügels sowie der Decken- und Fußbodenaufbau eine intensivere Instandsetzung nötig gemacht, als vorab erwartet werden konnte“. Über das Dach wurde ein 20 Meter langes Stahlkonstrukt eingebaut, das heute die Zwischendecken stützt. Das ist nun bereits vier Jahre her – was passiert seither in den heiligen Hallen? „Auch die Sanierung der historischen Tapeten im Museumsbereich erfordert beispielsweise eine intensive restauratorische Behandlung“, so die Sprecherin. Zudem werde die Elektrifizierung der Kronleuchter und Räumlichkeiten wie zur Kaiserzeit wiederhergestellt, damit Besucher künftig „einen authentischen Eindruck über die Kaiserzeit im Schloss“ erhalten. „Die gesamte Sanierungsmaßnahme soll in rund zwei Jahren abgeschlossen sein.“

Damit die Öffentlichkeit dennoch schon in diesem Herbst in die Geschehnisse rund um Wilhelm II. und die Einbindung des Homburger Schlosses erfahren kann, hat die Verwaltung hessische Schlösser und Gärten (VSG) kurzfristig eine Themenreihe organisiert (siehe Box).

Einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung der kaiserlichen Räume hat in den vergangenen sieben Jahren die „Stiftung Erhaltung Bad Homburger Schloss“ geleistet. 45 besondere Einrichtungsgegenstände des Kaiserpaars hatte sie in einer Broschüre beschrieben und für 32 davon Stifter gefunden. Bis Ende 2017 hatte sie 73.000 Euro zusammenbekommen und die ausgewählten Möbel restaurieren lassen.

Zuletzt hatten noch Edmund Graf, Hans Joachim Scholz und Dr. Karsten Franck ermöglicht, dass eine historische Sitzgruppe sowie zwei Bronzestandleuchter instandgesetzt wurden. „Ihr Engagement ist uns sehr wichtig“, sagte die neue VSG-Direktorin Kirsten Worms, die ihren Dienstsitz wie ihre Vorgänger im Homburger Schloss hat. Sie wurde gestern von Kulturminister Boris Rhein ins Amt eingeführt.

2017 hatte das Kuratorium Schloss beschlossen, die Stiftung aufzulösen und sich selbst um die verbleibenden Möbelstücke zu kümmern. „Diese Spenden sind für das Interesse der Bürger“, erklärte Kuratoriumsvorsitzender Karl Josef Ernst. Er versprach zu versuchen, für die restlichen 13 Möbelstücke ebenfalls Stifter zu finden.

Das nächste große Projekt des Kuratoriums steht indes am Rande des Schlossparks: Das Teehaus in der „Fantasie“ (nahe der Fußgängerbrücke über den Hessenring) soll saniert werden. Schon seit geraumer Zeit ist der chinesische Tempel aus landgräflicher Zeit (um 1772) zwecks Notsicherung in Bauplane gehüllt. Einen Zeitplan gibt es laut Ernst noch nicht, da man sich noch uneins ist, ob das Gebäude auch einer „modernen Nutzung“ zugeführt werden soll.

Der Vorstand des Kuratoriums ist wie folgt besetzt: Karl Josef Ernst (Vorsitzender), Jürgen Seibert und Lutz Schenkel (erster und zweiter Stellvertreter), Henning Kley (Schatzmeister), Johannes Verheesen (Schriftführer), Karl Heinz Krug und Thomas Veit (beide Beisitzer). Ehrenvorsitzende sind der Kuratoriumsgründer Wolfgang Bersch und der ehemalige VSG-Direktor und Gründer der liquidierten Stiftung, Dr. Kai Mathieu.

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