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Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat die Organisatoren der ?Bad Homburg Conferences? vom Forschungskolleg Humanwissenschaften dazu inspiriert, in diesem Jahr mit Fachleuten über Europa zu diskutieren.

In Anlehnung an Macron

Konferenz am Forschungskolleg zu „Perspektiven für Europa“

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„N’ayons pas peur, avancons – Haben wir keine Angst. Legen wir los!“, hat Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron in seiner Grundsatzrede zum Thema Europa im vergangenen Herbst an der Sorbonne gesagt. Genau das tut das in Bad Homburg ansässige Forschungskolleg Humanwissenschaften – und will sich in der „Bad Homburg Conference 2018“ intensiv mit der Zukunft Europas auseinandersetzen.

Die Europäische Union befindet sich in einer Krise. Die britische Entscheidung für den Brexit hat gezeigt, dass viele Bürger ihr Vertrauen in sie als Garant für Frieden und Wohlstand verloren haben. Eine gemeinsame Haltung in Sachen Flüchtlingspolitik fehlt, die Einheit Europas ist gefährdet. „Das Europa das wir kennen ist zu schwach, zu langsam, zu ineffizient. Aber nur Europa gibt uns in dieser Welt Handlungsspielraum anlässlich der großen Herausforderungen“, hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron im vergangenen September in seiner Sorbonne-Rede gesagt und angemahnt, dass es ein anderes, ein starkes, ein gemeinsames, ein souveränes Europa brauche in dem zwar nicht immer alle an einem Strang zögen, aber einige eben vorangehen müssten.

Genau das hat sich das in Bad Homburg angesiedelte Forschungskolleg Humanwissenschaften zu Herzen genommen und die zweite Auflage seiner „Bad Homburg Conference“, unterstützt mit 25 000 Euro der Stadt Bad Homburg, unter die Überschrift „Neue Perspektiven für Europa“ gestellt. „Macron war im vergangenen Jahr auch an der Goethe-Universität zu Gast und sprach über Europa. Da schien es uns passend, dieses Thema für die aktuelle öffentliche Konferenz zu wählen“, erklärt Professor Matthias Lutz-Bachmann, der Direktor des Forschungskollegs, das, und da schließt sich der Kreis, eine Initiative der Goethe-Universität Frankfurt und der Werner Reimers Stiftung ist.

Zumal Macron die Einrichtung europäischer Universitäten vorgeschlagen hatte, und, dass „jeder Studierende im Ausland studiert und Seminare in mindestens zwei Sprachen belegt“. Thema, das die „Bad Homburg Conferences“ am Freitag, 21. September, im Rahmen einer Vortrags- und Diskussionsreihe aufgreifen, die Rainer Klump, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, moderiert, und bei der unter anderem Gilles Pécout, Professor für Geschichte und Rektor der Académie de Paris, und Hans-Jochen Schiewer, Präsident des europäischen Universitätenverbundes Eucor auf dem Podium sitzen werden.

Am gleichen Tag wird in einer Diskussionsrunde nur Englisch gesprochen, nämlich bei „European Citizenship“, mit unter anderem Jo Shaw, Professorin für Europarecht an der Edinburgh Law School der Universität Edinburgh, sowie dem Politikwissenschaftler der Universität Oslo, Professor John Erik Fossum. Die englische Vortragsrunde ist mit Bedacht gewählt, denn Macron hatte vor den Studenten der Sorbonne gesagt: „Ihnen allen muss klar sein, dass Ihre Generationen dieses Europa in mehreren Sprachen deklinieren müssen!“ Lutz-Bachmann sagt dazu: „Vor dem Hintergrund, dass Europa in Zukunft ohne Mehrsprachigkeit nicht erfolgreich sein kann, war es uns wichtig, das Thema Sprache über eine anderssprachige Veranstaltung in die Konferenz zu integrieren.“

Integration ist ein gutes Stichwort, denn über deren Perspektiven sprechen freitags unter anderem auch Adrienne Héritier, Professorin für Politikwissenschaft des European University Institute Florenz, sowie Christoph Möllers, Professor für Öffentliches Recht an der Humboldt-Universität Berlin. Und um die europäische Geldpolitik geht es am Samstag, 22. September, unter anderem mit dem Leiter des Forschungszentrums der Deutschen Bundesbank, Emanuel Mönch, darum, ob europäische Kulturen Chance oder Hindernis für die Integration sind, unter anderem die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig und Étienne François, emeritierter Professor für Sozial- und Kulturgeschichte der Universität Berlin.

Und dann ist da noch eine weitere, ganz besondere Veranstaltung,: Am Freitag, 21. September, ist nämlich Professor Jürgen Habermas zu Gast, einer der bedeutendsten deutschen Philosophen der Gegenwart, der 25 Jahre Philosophie und Soziologie an der Goethe-Universität lehrte. Und der ein großer Freund Europas ist, anlässlich der Verleihung des Großen Deutsch-Französischen Medienpreises an ihn im Juli Emmanuel Macron für seinen Mut lobte und betonte, Europa brauche mehr Solidarität, die auf gegenseitigem Vertrauen basiere und nicht von vornherein wirtschaftlich konditioniert sei. Habermas wird, wie alle Referenten, mit den Gästen diskutieren und nicht nur referieren. Vor allem aber möchte er, sagt Lutz-Bachmann: „Zuhören und lernen.“

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