Ein Jet fliegt über ein Haus. Die Flugzeuge fliegen laut neuesten Erkenntnissen tiefer als früher.
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Ein Jet fliegt über ein Haus. Die Flugzeuge fliegen laut neuesten Erkenntnissen tiefer als früher.

Fluglärmkommission hat getagt

Krach über Bad Homburg, der zu vermeiden wäre

  • Sabine Münstermann
    VonSabine Münstermann
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Mehr und tiefere Jets vor allem über der Kurstadt - Kommission hat getagt

Bad Homburg -Die Fluglärmkommission hat kürzlich wieder getagt. Auf der Tagesordnung stand auch ein Punkt, der für den Taunus relevant ist: die Entwicklung des hiesigen Fluglärms. Eine Untersuchung der Fraport AG, des Umwelthauses und der Deutschen Flugsicherung (DFS) der Jahre 2019 und 2020 bestätigten nun, was so mancher Taunusbürger zuletzt - diese Zeitung berichtete mehrmals darüber - vermutet hatte: Dass die Gegenanflüge in Betriebsrichtung 25 (bei Westwindlage) über dem Hochtaunuskreis - und hier vor allem über Bad Homburg - ausgeweitet wurden und zudem die Durchschnittsflughöhen gesunken sind.

Erhöhung der Flughöhe ist möglich

Normalerweise werden bei diesen Anflügen sogenannte Transitions genutzt, also Punkt für Punkt festgelegte Verfahren; die festgelegte Gegenanflugstrecke führt parallel der Parallelbahnen des Flughafens etwa über das Nordwestkreuz. Im vergangenen Corona-Jahr 2020 führten die Lotsen - das hatte eine Anfrage dieser Zeitung bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) im September vergangenen Jahres ergeben - mehr Flugzeuge direkt zum Endanflug, im entsprechend "Directs" genannten Verfahren. Das ermöglichte einen kürzeren und schnelleren Flugweg. 2020 flogen allerdings deutlich weniger Flugzeuge als vor der Pandemie, der Anteil der Betriebsrichtung 25 war indes wiederum ungewöhnlich groß.

Weiterhin wurde vom Umwelthaus das Ergebnis einer Studie präsentiert, die eine kontinuierliche Absenkung des Mittelwerts der Flughöhe im Gegenanflug an einem Messpunkt bei Niederdorfelden ausweist. Während er 2014 bei 8000 Fuß (etwa 2438 Meter) lag, betrug er 2020 nur noch 6900 Fuß (etwa 2103 Meter) und war sogar niedriger als 2019.

Eine Erhöhung der Flughöhe und damit eine Reduzierung des Lärms ist möglich, und zwar durch "Continuous Descent Operations" (CDO), idealerweise mit Sinkflug im Leerlauf. Der Anteil der CDO-Flüge bei Betriebsrichtung 25 ist zwar zwischen 2019 und 2020 von etwa 15 bis 30 Prozent auf rund 40 Prozent gestiegen; verglichen mit anderen Flughäfen wie Paris oder London ist das aber wenig, und es ist zu erwarten, dass er mit zunehmendem Verkehr auch wieder sinken wird, sagt einer, der es wissen muss, nämlich der Bad Homburger Dr. Berthold Fuld.

Ihn stimmen solche Entwicklungen nachdenklich. Fuld hat als Vizepräsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm und örtlicher Vertreter einen Sitz in der Fluglärmkommission. Fuld sagt: "Die Absenkung der Gegenanflüge mit deutlichen Auswirkungen für Bad Homburg ist nun offensichtlich Fakt." Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm fordert eine Beteiligung der Bürger bei Flugstreckenänderungen, die hier noch nicht einmal durch einen Vertreter des Hochtaunuskreises in der Fluglärmkommission erfolgt ist (siehe Box). Aber so sehr er als Bad Homburger Bürger die Verdichtung der Anflugrouten über seiner Heimatstadt bedauert, so wenig könne er als Vertreter der Bundesvereinigung gegen Fluglärm natürlich fordern, man solle die Routen zulasten anderer Städte und Gemeinden verschieben.

Was Fuld eher vorschwebt, ist, die Flughöhen im Anflug zu erhöhen; das Ziel sollte ein CDO-Anteil von 100 Prozent sein. Dies könnte man etwa erreichen, "indem man bereits frühzeitig sekundengenau den Zeitpunkt der Landung ermittelt, ausgehend vom momentanen Standort des Flugzeugs eine optimale Flugbahn mit möglichst großem Sinkwinkel berechnet und das Flugzeug genau auf dieser Flugbahn führt".

Fuld: Der DFS fehlt der Wille

Fuld betont ergänzend: "Lärmemission ist geschwindigkeitsabhängig." Schnell fliegende Flugzeuge seien deutlich lauter. Es wäre seiner Meinung nach viel gewonnen, wenn die Anflüge zumindest unter 10 000 Fuß (das sind etwa 3048 Meter) nicht schneller als 250 Knoten (das sind etwa 460 Kilometer pro Stunde) wären. International sei das auch gelebte Praxis, nur nicht in Deutschland, bedauert der Fluglärm-Profi, und betont: "Und das führt leider allenthalben, derzeit eben verstärkt auch in Bad Homburg, zu erhöhter Lärm-Emission - und wäre doch so leicht zu vermeiden. Aber der Wille, vermeidbaren Lärm zu vermeiden, fehlt der DFS." Von Sabine Münstermann

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