Galerie Atlantis

Künstlerinnen stellen entzückende Rücken und verrücktes Federvieh aus

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Leute von hinten, Hühner von vorn. Begegnung illustrer Art in der Galerie Artlantis: Dorothee Ditzen beobachtet Kunstbetrachter im Museum, während Myeong-Ja Zimmerer mit dem klassischen Motiv des Hahns spielt.

Vollkommen normal, dass man im Museum die Leute von hinten sieht. Sie stehen betrachtend vor den Gemälden. Das ist auch bei der Ausstellung „Begegnung“ in der Galerie Artlantis nicht anders. Nur dass hier selbst die Bilder, die sie betrachten, Leute von hinten zeigen, die Bilder betrachten, die man allerdings nicht sieht.

Die asiatische Familie: Der Vater, beginnende Glatze, trägt zwei Taschen über der Schulter, die Mutter in der Mitte, die Tochter hält einen Audio-Guide am Ohr. Sie betrachten – nur der Bildtitel besagt es – die „Schmetterlingsjagd“ von Berthe Morisot.

Mit den Hähnen von Myeong-Ja Zimmerer verhält es sich anders: Sie zeigen nicht nur Gesicht, sie verziehen es bis zur Grimasse. Nummer. 22, Mathilde, Gockelin wie aus dem Bilderbuch, ernste Pose, triumphal aufgeplustertes Gefieder. Nummer. 4, „Bin ich schön?“, senkt schamhaft den Blick zu Boden. Welch ein Gehabe, welch ein Spaß. Großes Drama bei „Ares“, dem Kriegsgott, dessen Gefieder wie von einer Bombe getroffen auseinanderstiebt.

„Begegnung“ lautet der Titel die-ser Ausstellung zweier Freundin-nen, die sich in der Kunst begegne-ten, 2006 gemeinsam ihrer Vorstel-lung im Kunstverein entgegen fie-berten. Beide wurden aufgenom-men. Am Freitagabend eröffneten sie ihre erste gemeinsame Ausstel-lung in der Galerie Artlantis mit der weltläufigen Musik von Susanne Heidrich und Band – nicht nur im Hintergrund. Esther Walldorf weist in der Einführung auf die detailliert gemalten Gestalten, ihre Kleidung und Frisur hin. Sie sagte: „Als Rückenfigur haben sie in der Kunst die Aufgabe, mit ihrer Position klarzumachen, welcher Tiefenraum sich im Gemälde entwickelt.“

Ditzens Acrylgemälde haben keine Zeit und keinen Ort, sind im freien Raum – außer man findet die kleinen Bilder mit den Originalen aus den Pariser Museen. Sie stehen in Postkartengröße in der Galerie und zählen zum Schönsten, was die Malerei zu bieten hat.

Etwa Manets „Frühstück im Grünen“, deren einer pinkfarbener Damenrock sich in den Farben des Minirocks der Betrachterin wiederholt. „Asiatische Tuschemalerei ist nicht einfach, Tusche wird ange-rührt, sie ist kapriziös, es muss rasch gehen. Ein falscher Strich, und das Blatt ist ruiniert“, sagt Esther Walldorf. Myeong-Ja-Zimmerer male zumeist im klassischen Schwarz, allerdings die Hühnerschnäbel in Gelb und die Kämme rot.

Sie sieht Begegnungen auch in den Hühnerpopulationen (Bleistift) im roten Raum. Hier posiert das Federvieh aufs Natürlichste, mit „veränderter Tradition“, wie die Malerin sagt, in der frischen Luft des Hintertaunus’, wo die koreanische Künstlerin lebt.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung läuft bis zum 17. Juni im Tannenwaldweg 6 und ist freitags von 15 bis 18 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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