Endlich mal wieder gemeinsam ein Konzert erleben - die Freude auch über die Begegnung mit anderen war den Besucherinnen und Besuchern der "Klassiknacht in Weiß" voriges Wochenende anzusehen.
+
Endlich mal wieder gemeinsam ein Konzert erleben - die Freude auch über die Begegnung mit anderen war den Besucherinnen und Besuchern der "Klassiknacht in Weiß" voriges Wochenende anzusehen.

Corona-Lockerungen

Kulturangebot bleibt verhalten

  • Anke Hillebrecht
    VonAnke Hillebrecht
    schließen

Keine weiteren Tickets beim Bad Homburger Sommer - Laternenfest ähnlich reduziert wie 2020

Bad Homburg -Vielleicht wird sich zumindest das Kettenkarussell vor dem Kurhaus drehen wie stets. Ansonsten wird es auch in diesem Jahr wieder kein Laternenfest, wie es die Homburger kennen und lieben, geben - daran halten Laternenfestverein sowie Kur- und Kongreß-GmbH (Kur) auch jetzt nach den neuerlichen Lockerungen durch das hessische Corona-Kabinett fest. "Die Zahlen steigen ja schon wieder", sagt dazu Laternenfestvereinsvorsitzender Gerhard Scheuer. "So sind wir auf der sicheren Seite."

"Es gibt kein Laternenfest und auch kein ,Laternenfest light'", ergänzt Stefanie Kürten von der Kur. Allenfalls ein paar Süßigkeitenstände könnten von Freitag, 27., bis Montag, 30. August, in der Fußgängerzone aufgestellt werden - wie voriges Jahr, als das Heimatfest aus Pandemiegründen ebenfalls ausfiel. "Auf keinen Fall" werde es dagegen gastronomische Stände wie eine Pommesbude oder einen Bierstand geben. "Das Laternenfest zeichnet sich durch Geselligkeit aus - das geht aktuell aufgrund der weiterhin gültigen Hygiene- und Abstandsregelungen noch nicht", so Kürten.

Ob das Karussell wirklich aufgebaut werden darf, sei noch sehr unsicher. Auf dem Festplatz wird sich definitiv kein Fahrgeschäft drehen. Und es wird weder Festumzüge noch Musikdarbietungen in der Altstadt noch ein geselliges Hinterhof-Geschehen geben. Die Zurückhaltung sei auch darin begründet, dass sich die Kur bereits im April entscheiden musste, "da die Organisation der Veranstaltung und die logistischen Abläufe sonst nicht mehr hätten gewährleistet werden können".

Windhundrennen soll stattfinden

Im Kurhaus-Foyer zumindest plant der Laternenfestverein eine kleine historische Ausstellung zu dem wichtigsten Bad Homburger Fest, das 1935 zum ersten Mal gefeiert wurde. Königinnenkleider, Bilder und mehr werden dort zu sehen sein - "wir tragen gerade die Exponate zusammen", so Scheuer. Und auch das Windhundrennen soll laut Kürten stattfinden - der Kur- und Verkehrsverein (KVV) erarbeite gerade ein Corona-taugliches Konzept.

Laternenkönigin Louisa I. beschert die Pandemie indes eine in der Fest-Historie nie dagewesene Dreifach-Regierungszeit. Die Hoheit von 2019 geht nochmals in die Verlängerung. Jetzt eine neue Königin zu wählen ergebe keinen Sinn, meint Scheuer. "Und Louisa konnte 2020 ja auch viele Termine nicht wahrnehmen."

Für den gerade laufenden Bad Homburger Sommer (HoSo) bedeutet die neue Corona-Verordnung, dass vom morgigen Freitag an auch mehr als 200 Personen eine Veranstaltung besuchen dürfen. Das erweiterte Kontingent ist seit Dienstag im Vorverkauf; Karten gibt es laut Kur noch für folgende Veranstaltungen (nicht mehr im vorderen Bereich):

Freitag, 23. Juli, 19.30 Uhr: "Der Udonat und die Paniker", Bühne vorm Kaiser-Wilhelms-Bad, 10 Euro.

Samstag, 24. Juli, von 16 Uhr an: Picknick an der Thai Sala, 5 Euro. Wer drei Picknick-Platztickets kauft, bekommt eine Motiv-Picknickdecke gratis dazu.

Sonntag, 25. Juli, 19 Uhr: 70er-Schlagerparade mit der "Golden Glitter Band", Bühne vorm Kaiser-Wilhelms-Bad, 10 Euro.

Mittwoch, 28. Juli, 20 Uhr: Kabarett mit Bernd Regauer, Musikpavillon an der Brunnenallee, 8 Euro.

Freitag, 30. Juli, 20.30 Uhr: Taschenlampenführung (1 Platz), Hirschgarten, 8, ermäßigt 5 Euro.

Zusätzliche Platz-Kontingente gibt die Kur für den Bad Homburger Sommer nicht frei, auch wenn gemäß neuer Verordnung (die vorerst bis 19. August gilt) bei Veranstaltungen bis zu 1500 Personen im Außenbereich sitzen dürfen.

Die Macher des Poesie- und Literaturfestivals sind unterdessen optimistischer. "Wir glauben fest, dass die zweite Jahreshälfte endlich wieder Optionen in Sachen ,Neustart Kultur' zulassen wird", erklärt der Künstlerische Leiter Bernd Hoffmann auf Nachfrage. Konkretes will er erst nächste Woche verraten. Die diesjährigen Lesungen wurden wegen Corona in den Herbst verschoben. Die meisten finden im Oktober statt. Damit die Gäste nicht allzu eng sitzen, wird bislang nur eine reduzierte Anzahl an Karten angeboten.

Das W-Festival, das in früheren Jahren stets auch eine oder zwei angesagte Sängerinnen nach Bad Homburg brachte, findet diesmal sehr reduziert lediglich in Frankfurt statt.

Events im Güterbahnhof: Zahl brach um 90 Prozent ein

Auch in der Bad Homburger Event-Branche lösen die am Montag verkündeten Lockerungen keine Begeisterung aus. Das teilt die Event-Verantwortliche des Güterbahnhofs, Katrin Riedel, mit. Zumal jetzt erst mal Urlaubszeit sei. Und wer weiß, was danach ist . . .

Dunkle Wolken überm Güterbahnhof: Mit Licht machten Veranstalter auf die unsichere Situation der Event-Branche aufmerksam.

Der Branche fehle jegliche Planungssicherheit. "Die letzte Hochzeit richteten wir im September 2020 aus." In diesem Jahr habe man lediglich eine kleine hybride Messe eines Pharma-Unternehmens organisieren dürfen. "Zum Vergleich: 2019 fanden unter dem mit viel Liebe sanierten Gebäude knapp 80 Events statt", so Riedel von "Vogel Event Partner", einem Unternehmen, das seit Langem mit der Feinkost Lautenschläger GmbH zusammenarbeitet und mit der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg nicht nur viele private Feiern organisiert, sondern auch zahlreiche Straßenfeste gestemmt hat.

Um auf ihre Situation hinzuweisen, illuminierten beide Partner jüngst den Güterbahnhof in Rot.

Vogel Event Partner beziffert den Rückgang der Veranstaltungen seit Mitte März 2020 bis heute auf rund 90 Prozent. Doch seit voriger Woche steht das Telefon nicht mehr still. Allerdings seien vornehmlich kurzfristige Outdoorveranstaltungen angefragt. Der Platz ist beim Güterbahnhof aber sehr klein. Hinzu kommt eine höchst angespannte Personalsituation. Denn viele Fachkräfte hätten sich anders orientiert.

Von Anke Hillebrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare