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Das Gebäude ist kernsaniert, die Anschlüsse aber fehlen noch: das frühere jüdische Gemeindehaus in der Wallstraße.

Jüdisches Gemeindehaus

Kulturdenkmal in Wartestellung

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Man wollte jüdische Stadtgeschichte bewahren und zugleich Räume gewinnen. Für 600 000 Euro kaufte und sanierte die Stadt das ehemalige jüdische Gemeindehaus in der Wallstraße. Jetzt ruht die Baustelle. Beobachter sprechen von einer vertrackten Situation.

Von der engen Wallstraße aus ist das Schmuckstück kaum zu sehen. Durch eine enge Einfahrt, die meist von Müllcontainern blockiert ist, geht es über Kopfsteinpflaster an einem großen Wohnhaus vorbei in den dahinter liegenden Hof. Dort steht ein frisch saniertes, kleines Häuschen mit Krüppelwalmdach. Ein tiefer Graben zieht sich bis zum Haus – hier müssen noch die Versorgungsleitungen hinein.

Doch die Baustelle ruht. Was ist da los? Schließlich hat die Stadt viel Geld für das Fachwerkhäuschen und seine Herrichtung bezahlt. Es gilt als Kulturdenkmal: wurde 1764 errichtet und ist eines der ältesten Gebäude der Altstadt. Zudem ist es wichtig für die Bewahrung der jüdischen Geschichte der Stadt. Ein Jahrhundert lang diente das Häuschen der jüdischen Gemeinde als Versammlungsort – bis 1866 ein paar Meter weiter in der Elisabethenstraße die große Synagoge gebaut wurde. Als diese im Zweiten Weltkrieg von den Nazis zerstört wurde, blieb das Fachwerkhaus im Hinterhof stehen. Möglicherweise befand sich im Keller ein rituelles jüdisches Bad.

Bis vor wenigen Jahren lebten Privatleute in dem baufälligen Häuschen, dann kaufte es die Stadt für 150 000 Euro, um es zu erhalten. Weitere 450 000 Euro flossen in die denkmalgerechte Sanierung, die von einem Darmstädter Architekturbüro begleitet wird. Das Haus wurde schilfgedämmt und lehmverputzt. Um die winzigen Räume voll ausnutzen zu können, wurde ein mit dem Denkmalamt abgestimmter Außenaufzug angebracht.

Genutzt werden sollen die entstandenen Räume von der Volkshochschule (VHS) Bad Homburg, die dringenden Raumbedarf angemeldet hat. Doch die Anschlüsse für Wasser, Strom und Gas konnten noch nicht gelegt werden. Denn derzeit hat das von der Stadt beauftragte Unternehmen nicht die Möglichkeit, die Baustelle mit einem Fahrzeug zu erreichen.

Dem Vernehmen nach blockiert der Eigentümer einer benachbarten Immobilie die Zufahrt. Zwischen ihm und der Stadt läuft offenbar ein Rechtsstreit, der dadurch auch nicht einfacher wird, dass der Kläger im Ausland wohnt. „Wir führen Gespräche mit dem Ziel, eine mit allen Beteiligten abgestimmte Lösung dieser Situation zu finden“, kommentiert Rathaus-Sprecher Andreas Möring die Situation, die Beobachter schon als „vertrackt“ bezeichnen.

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