tzh_ahi-nilgansnachwuchs_4c
+
Die Nilgänse im Bad Homburger Kurpark nehmen sich zuweilen den Platz, der den Menschen zugedacht ist.

Nilgansplage im Bad Homburger Kurpark

Kur will wieder Schwäne am Schwanenteich

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
    schließen

Doch zunächst müssen 87 Nilgänse im Kurpark vergrämt werden

Bad Homburg -In der Dämmerung gehört der Schwanenteich ihnen. Ihr Geschrei schallt durch das Halbdunkel - vom Wasser, den Ufern, den Bäumen. Einige wenige Passanten lauschen dem Hörspiel. Tagsüber aber, vor allem im Sommer, stören die Nilgänse erheblich. Nicht nur die elf Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs, die den Kurpark in Schuss halten und Unmengen an Gänsekot wegräumen müssen. Vor allem zur Brutzeit werden auch Spaziergänger angefaucht; kleinere Vögel suchen das Weite.

Seit fünf Jahren beschäftigt die invasive Vogelart die städtischen Gremien. Vor etwa einem Jahr beschlossen die Stadtverordneten auf Antrag der CDU, dass geprüft werden soll, wie die Population künftig in Grenzen gehalten werden kann. Im Frühjahr hatten sie "Nilgans-Mediator" Axel Seidemann zu Gast im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss (BPU). Er erzählte den Homburgern, wie er das Gänse-Problem im Frankfurter Brentanobad angegangen ist. Anschließend war klar: Auch in Bad Homburg soll gehandelt werden.

Nun steht Seidemanns Einsatz in der Kurstadt kurz bevor. Man habe viel Zeit und Herzblut in das Thema gesteckt, erläuterte Kurdirektor Holger Reuter dem BPU am Dienstagabend. 87 Tiere habe die Kur- und Kongreß-GmbH bei einem "Monitoring" in den vergangenen Tagen im Kurpark gezählt. "Wir wissen, wo sich wie viele aufhalten", so Reuter.

Auch die etwas größeren, grauen Kanadagänse zählen zu den ungebetenen Gästen. In einem "dreistufigen Verfahren" wolle man sich von den Vögeln verabschieden. Wie genau, wollte Reuter aus taktischen Gründen nicht ausführen. Im Brentanobad kam man jedenfalls mit Zäunen, Schwan-Attrappen und Eier-Klau nicht so recht weiter. Wie Seidemann darlegte, mussten die Gänse richtig Angst bekommen. Das geschah durch wenige Schüsse - und Personen, die anschließend mit der T-Shirt-Farbe des Jägers auftraten.

Wie in Bad Homburg vorgegangen werde, müsse man nach einer ersten Arbeitsphase sehen, bei der es auch zu einzelnen Erlegungen kommen könne. Sowohl Jagd- als auch Waffenbehörde hätten grünes Licht für die "letale Vergrämungsaktion" gegeben. Eine Teilgenehmigung werde in den nächsten Tagen noch eintreffen. Auch ein apportierender Hund könne zum Einsatz kommen. Das Ganze werde tagsüber geschehen. "Nachts sitzen viele Gänse in den Baumkronen", so Reuter.

Man habe das Vorhaben auch mit dem Nabu und dem BUND abgestimmt, erklärt er. Friederike Schulze, Vorsitzende des BUND Hochtaunus, hatte sich vor zwei Jahren allerdings dahingehend geäußert, dass sich die Gänse wieder in gleicher Zahl reproduzieren würden. Und die Tierschützer sind sich uneins, was schlimmer ist: Tiere loszuwerden oder sie beim Schikanieren kleinerer Arten gewähren zu lassen, wie Renate Echterdiek, Vorsitzende des Homburger Tierschutzvereins, sagte.

Die Homburger Politik jedenfalls scheint geschlossen hinter dem Vorhaben zu stehen: Im Ausschuss bekam der Kurdirektor sogar Applaus für seinen Zwischenbericht. "Ich bin froh, dass es losgeht", sagte Armin Johnert (BLB); er wüsste aber gern, ob die Gänse auch nächstes Jahr wegbleiben. Das sei nicht garantiert, so Reuter, ihre Anzahl werde sich aber auf jeden Fall verringern.

Ziel sei es, dass sich die "heimischen Arten" am Schwanenteich wieder wohlfühlten - und dieser seinem Namen wieder alle Ehre mache. "Ich will da wieder Schwäne sehen." Sobald weniger Gänse da seien, werde er zwei Schwäne aussetzen lassen. "Das war schon immer mein Traum", so Reuter. Von Anke Hillebrecht

Kann sie übers Wasser gehen? Fast sieht es so aus... Bad Homburger Nilgans in einer Pfütze.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare