Peter Bruckmaier.
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Kurgesellschaften Bad Homburg: Schlussakkord von Bruckmaier

Kurdirektor a. D. Peter Bruckmeier legt Mandate in Aufsichtsgremien nieder. In einem Brief teilt er den Grund dafür mit.

Bad Homburg -Die Klinik Dr. Baumstark hat einen neuen Verwaltungsdirektor. Am 1. Juli hat dort Benjamin Stein (42) die Nachfolge vom Martina Hermann angetreten - ein Wechsel, der sich angedeutet hatte. Der Vorgang an sich wurde von der Kur als Klinik-Betreiber noch nicht kommuniziert, hat allerdings hinter den Kulissen schon für Gesprächsstoff gesorgt. Grund dafür ist nicht die Personalie an sich, sondern der Zeitpunkt ihrer Umsetzung. Die Besetzung der Stelle war nämlich schon erfolgt, bevor der Aufsichtsrat der Betreibergesellschaft am 9. Juli - also gut eine Woche später - zugestimmt hatte.

"Das war eine normale Nachbesetzung und ist alles ordentlich gelaufen", sagt Kurdirektor Holger Reuter. Der neue Klinik-Chef, der zuvor unter anderem stellvertretender Verwaltungsdirektor in der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik war, sei vorbehaltlich der Zustimmung durch den Aufsichtsrat eingestellt worden. "Ein übliches Verfahren", betont Reuter. Ein entsprechender Risiko-Vermerk sei Bestandteil des Vertrages; will heißen: Hätte der Aufsichtsrat nicht nachträglich zugestimmt, hätte der Neue seinen Schreibtisch wieder räumen müssen.

Bruckmeier ist verärgert über Vorgänge

Die ungewöhnlich anmutende Reihenfolge mag ihre Gründe gehabt haben - Unverständnis hat sie dennoch ausgelöst. Der ehemalige Kurdirektor Peter Bruckmaier nennt in einem Brief an die Verwaltungs- und Aufsichtsräte der Bad Homburger Kurgesellschaften zwar keine Einzelheiten, schreibt aber, dass bei der Verpflichtung eines leitenden Mitarbeiters "ein in der Satzung der Gesellschaft festgelegter Zustimmungsvorbehalt völlig bedenkenlos negiert worden ist".

Das Schreiben mit Datum vom 28. Juli war keineswegs nur aus Ärger über diesen Vorgang verfasst worden - es war quasi ein Abschiedsbrief. Bruckmaier kündigt darin die Niederlegung seiner Mandate als Verwaltungs- beziehungsweise Aufsichtsrat der Kur- und Kongreß-GmbH, in der Betreibergesellschaft der Klinik Dr. Baumstark und der Bad Homburger Bahnhofs-GmbH zum 31. August 2021 an. Als wesentlichen Grund nennt der 77-Jährige, dass in den Gesellschaften "zunehmend Entscheidungen getroffen worden sind" und solche wohl auch zur Entscheidung anstehen, "mit denen ich mich nach mehr als 30 Jahren im Dienste dieser Gesellschaften nicht mehr identifizieren kann und vor allem auch nicht identifiziert werden möchte". Im Gespräch mit dieser Zeitung sieht sich Bruckmaier in einer Situation, "in der ich nicht mehr so mitspielen kann, wie es meine Pflicht wäre".

Neue Mitglieder schon vorgeschlagen

Der Kurdirektor a.D. hätte den Gremien allerdings in Zukunft wohl ohnehin nicht mehr angehört. Die besagte Sitzung am 9. Juli war die letzte in ihrer bisherigen Besetzung. Die Mandate für die Aufsichtsgremien der städtischen Gesellschaften werden turnusgemäß nach der Kommunalwahl neu vergeben und laufen jetzt aus. Die neuen Mitglieder werden von den Fraktionen vorgeschlagen und vom Magistrat entsendet. Das Verfahren ist bereits am Laufen, die konstituierenden Sitzungen sind dann nach den Sommerferien.

Bruckmaier, der 24 Jahre als Bad Homburger Kurdirektor wirkte, 2009 verabschiedet wurde und seinen Lebensmittelpunkt zwischenzeitlich nach Bayern verlegt hatte, war 2015 überraschend von der FDP für den Verwaltungsrat der Kur- und Kongreß-GmbH aufgeboten worden. Ein spektakuläres Comeback, das von den Liberalen seinerzeit mit der großen Erfahrung des ehemaligen Kurdirektors begründet wurde. Bruckmaier, der 2009 auch mit der Ehrenplakette der Stadt ausgezeichnet worden war, hatte seinerseits "aus Pflichtgefühl" eingewilligt.

Für die Zukunft setzen die Homburger Liberalen allerdings nicht mehr auf den früheren Kurdirektor. "Wir haben für die Gremien andere nominiert", bestätigte FDP-Fraktionschef Philipp Herbold. Das sei auch mit Bruckmaier, dem man für seinen Einsatz dankbar sei und den man in Würden verabschiedet habe, so vereinbart worden. Von matthias kliem

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