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Kurhaus Bad Homburg - alt oder neu?

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Gregor Maier
Gregor Maier © Priedemuth, Jens

In Bad Homburg wird über das Kurhaus diskutiert. Für die Zukunft des historischen Gebäudes gibt es verschiedene Optionen.

Bad Homburg -Immer wieder bin ich in den letzten zwei Wochen von Leserinnen und Lesern meiner Kolumne aufgefordert worden, mich doch einmal zur Bad Homburger Kurhaus-Frage zu äußern, nachdem kürzlich die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zu einem Neubau präsentiert worden sind. Nun lässt sich über Geschmack ja streiten, und mir fehlt der architektonische Sachverstand, um ein sicheres ästhetisches Urteil abgeben zu können. Im Gegenteil: Ich habe großes Vertrauen, dass im bevorstehenden Prozess sich am Ende eine gute Idee durchsetzen und den Homburgern ein schönes neues (oder saniertes) Kurhaus bescheren wird.

Nur eine Sache liegt mir am Herzen: Liebe Homburger, lasst um Himmels Willen die Finger von einer rekonstruierten Fassade! Es ist nur zu verlockend, und ich kann es ja nachvollziehen: Auch ich erliege dem Zauber alter Bilder, die das Kurhaus des 19. Jahrhunderts in all seiner Pracht zeigen, auch ich finde das alte schöner als das heutige, und auch ich habe eine gewisse Grundskepsis hinsichtlich der dauerhaften Qualität zeitgenössischer Architektur. Aber - und das ist ein großes, entscheidendes Aber: Das alte Kurhaus ist nun einmal weg. Der Zweite Weltkrieg und der Aufbruchswille der Nachkriegszeit haben es beseitigt. Es ist ein Gebot der historischen Redlichkeit, zu diesem Verlust zu stehen und nicht zu versuchen, ihn ungeschehen zu machen - erst recht nicht durch den linkischen Versuch, ein modernes Gebäude hinter einer historischen Fassade zu verstecken.

Wenn das Kurhaus wenigstens von so herausragender architektonischer Qualität und historischer Bedeutung gewesen wäre, dass man daraus eine Rekonstruktion begründen könnte! Aber letztlich war das "zweite Kurhaus" (1863-1945), um das es in der Debatte geht, architektonisch eher schlicht, dafür aber vor allem eins: prunkvoll, wenn nicht protzig.

Man mag mir entgegenhalten, dass doch die rekonstruierte Frankfurter Altstadt trotz aller Unkenrufe wirklich schön geworden sei. Da ist was dran, es gibt aber einen grundlegenden Unterschied: Dort wurden Wohn- und Geschäftshäuser rekonstruiert, die auch als solche genutzt werden. In Homburg dagegen käme zu einer ästhetischen auch eine inhaltliche Unverträglichkeit. Denn wir nennen das Gebäude zwar allgemein noch "Kurhaus" - in Wirklichkeit ist es das ja aber überhaupt nicht, sondern, wie der frühere OB Horn es formulierte, ein "Kulturhaus", eine einladende, offene Begegnungsstätte für die demokratische Stadtgesellschaft.

Das alte Kurhaus war genau das Gegenteil. Es war für die allermeisten Homburger des 19. Jahrhunderts eine verbotene Zone, in die sie kaum je einen Fuß gesetzt haben. Das Kurhaus diente der Vergnügung und Zerstreuung der illustren Kurgesellschaft, vor allem beim Glücksspiel, das ja den Einheimischen ausdrücklich verboten war. Die verdienstvolle Kunsthistorikerin und Bad-Homburg-Expertin Angelika Baeumerth hat in ihrer grundlegenden Dissertation die Kurhaus-Geschichte scharfsinnig analysiert und auf den Punkt gebracht: Das Kurhaus wurde ganz bewusst nicht als "Festtempel" gebaut, nicht als Versammlungsort für die Öffentlichkeit, sondern als "Königsschloss", ganz auf Exklusivität und Repräsentation ausgelegt. Wer es betrat, tat das im Bewusstsein, zu den Oberen Zehntausend zu gehören - oder zur möglichst unsichtbaren Dienerschaft. Ist es das, was wir heute wollen? Ein modernes, einladendes, offenes "Stadtforum" hinter einer Fassade, die genau das Gegenteil ausdrückt - das würde neben einem ästhetischen auch ein inhaltliches Desaster befürchten lassen.

Es lohnt sich durchaus, einen Blick in die Debatten der Nachkriegszeit zu werfen. Auch damals standen die Bad Homburger vor der Frage, ob das Kurhaus, das zwar ausgebrannt war, aber durchaus hätte gerettet werden können, erhalten bleiben solle. Ganz bewusst entschied man sich aber für einen Neubau, der anstelle der bisherigen "Lustwandelstätte" ein "Gesellschaftshaus der Bevölkerung" setzen solle. Vor dieser Aufgabe stehen auch die Planer von heute - und ein Kurhaus des 19. Jahrhunderts ist dafür kein geeignetes Vorbild. Selbst der Denkmalschutz-Pionier Fried Lübbecke, der alles andere als ein Anhänger der Beton-Moderne war, konstatierte, das alte Kurhaus sei "zur rechten Zeit seinen historisch würdigen Tod gestorben". Ja, das alte Kurhaus war schön - aber trauen wir den Architekten von heute ruhig zu, auch etwas Schönes schaffen zu können!

Steckbrief:

Gregor Maier leitet den Fachbereich Kultur und das Kreisarchiv des Hochtaunuskreises. Mit Geschichte und Kultur beschäftigt sich Maier (Jahrgang 1977) nicht nur beruflich, sondern auch ehrenamtlich, unter anderem als Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg. Seine Kolumne ist alle 14 Tage in der Taunus Zeitung zu lesen. Von Gregor Maier

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