Helmut Wilming (65) kennt im Kurpark jeden Baum, vom kleinen Setzling bis zur mächtigen Platane an der Wandelhalle. Fast 40 Jahre lang hat er sich um die gärtnerische Pflege gekümmert. Jetzt geht der städtische Abteilungsleiter in Ruhestand.
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Helmut Wilming (65) kennt im Kurpark jeden Baum, vom kleinen Setzling bis zur mächtigen Platane an der Wandelhalle. Fast 40 Jahre lang hat er sich um die gärtnerische Pflege gekümmert. Jetzt geht der städtische Abteilungsleiter in Ruhestand.

Bad Homburg: Abschied nach 38 Jahren

Kurpark-Kenner und Bad Homburger Helmut Wilming geht in Rente

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Als Abteilungsleiter verantwortetete der 65-Jährige fast vier Jahrzehnte lang die gärtnerische Pflege der historischen Anlage in Bad Homburg. Zum Abschied gab es zwei ganz besondere Überraschungen.

Bad Homburg -Eigentlich sei der ganze Kurpark sein Lieblingsort, sagt Helmut Wilming. Doch wenn er sich festlegen müsse, dann auf den kleinen Hügel am Schwanenteich. Auf der dortigen Bank sitzend beobachte er gerne die Fontäne und das Farbenspiel, das die untergehende Sonne am späten Nachmittag dort veranstaltet . . .

Wilming weiß, wovon er spricht. Er kennt den Kurpark besser als die sprichwörtliche Westentasche. Fast sein ganzes Berufsleben, genauer gesagt 38 Jahre, hatte er mit dem Park zu tun, in dessen Nachbarschaft er heute wohnt. Künftig wird er ihn als Beobachter genießen können, Wilming ging dieser Tage in Rente.

Der Gärtnermeister, Jahrgang 1956, kam im Dezember 1983 zur Stadt. "Ich habe nach meiner Ausbildung zunächst in meinem Ausbildungsbetrieb in der Nähe von Dillenburg gearbeitet. Nach der Meisterschule ging es ins Rhein-Main-Gebiet. "Ich habe etwa zwei Jahre in Hattersheim bei Kauth gearbeitet - damals einer der größten Betriebe für Schnittrosen in Europa mit einer Anbaufläche von 40 Hektar", erinnert sich Wilming. Auf Dauer sei es bei den Rosen jedoch eintönig gewesen. Dass die Stadt Bad Homburg dann einen Gärtnermeister gesucht und er die Stelle bekommen habe, sei "ein Riesen-Glück" gewesen.

Mit Begeisterung bei der Sache

Die Begeisterung, mit der Wilming von seinem Job erzählt ("schöner kann man sich das Berufsleben nicht vorstellen") steht im krassen Gegensatz zu der eher nüchternen Arbeitsplatzbeschreibung. "Abteilungsleiter Grünpflege 1" antwortet er schmunzelnd auf die entsprechende Frage. Auf der Homepage hieß es immerhin etwas konkreter "Abteilungsleitung, Park- und Baumpflege".

Fast vier Jahrzehnte pflegte Wilming den Kurpark und hat die Entwicklung des Areals nicht nur erlebt, sondern zum Teil auch mitgestaltet. Anfang der 80er, als noch Wächter durch den Park streiften, seien die Wiesen spätestens ab März immer niedrig gemäht worden. "Da hat kaum was geblüht", erinnert sich Wilming. Mit dem Parkpflegewerk änderte sich das. "Und seitdem hat sich die Artenvielfalt unglaublich gut entwickelt - wir haben jetzt Orchideen, Glockenblumen und Margeriten."

Auch für die Wege hatte die Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln massive Auswirkungen. "Das waren bis Anfang der 80er fast alles Asphaltwege. Die heutigen Kieswege sind nicht nur historisch korrekt, sondern auch für die Natur besser." Doch es gibt bei jeder Medaille zwei Seiten. "Die Asphaltwege konnten wir ein Mal die Woche mit einer Kehrmaschine abfahren, dann waren die gereinigt. Das ist heute ungleich aufwendiger.

Mit den Vorgaben gingen auch die Gestaltungsmöglichkeiten zurück. "Wir konnten lange noch viele Sommerbeete selbst gestalten, das wird jetzt auch vorgegeben." Und die Gewächshäuser in der Stadtgärtnerei zwischen Wandelhalle und Promenade stehen zum größten Teil leer, nachdem aus Kostengründen auch die Anzucht der Blumen aufgegeben wurde. "Hier überwintern jetzt Palmen vom Elisabethenbrunnen."

Den Zeitpunkt für seinen Ruhestand hat Wilming selbst gewählt - fast zumindest. "Ursprünglich wollte ich im Mai gehen, aber mein Nachfolger konnte erst später anfangen, deswegen habe ich ein paar Monte drangehängt und ihn einen Monat eingearbeitet."

Gehen also, wenn es am schönsten ist. Vielleicht aber auch etwas: Gehen, so lange es noch so richtig schön ist. Denn die Fitness lasse im Alter schon etwas nach, sagt Wilming. Und, auch das wird deutlich, die Veränderungen gehen weiter. "Ich konnte noch in meinem ,Hexenhäuschen' bleiben", lächelt Wilming und meint damit sein Büro auf dem Gelände der Stadtgärtnerei. Eigentlich hätte er in den neuen Verwaltungsbau an der Nehringstraße umziehen sollen.

Emotionaler letzter Tag

Doch die Nähe zum Kurpark und die Nähe zu den Mitarbeitern waren ihm stets wichtig. "Das Betriebsklima war immer sehr gut." Dass er das auch daheim kommunizierte, dürfte seinen Anteil gehabt haben, dass zwei seiner vier Kinder den Betriebshof als Arbeitsstätte gewählt haben.

Die Wertschätzung der Kollegen beruhte auf Gegenseitigkeit, wie sich an Wilmings letzten Arbeitstag zeigte. "Es war ein sehr emotionaler Abschied. Zuerst hieß es, absolut glaubhaft, die offizielle Verabschiedung müsse irgendwann später nachgeholt werden, derzeit seien zu viele in Urlaub. Stattdessen bin ich für eine Stunde zu meinem Chef gebeten worden; eine Verabschiedung im Kleinen eben." Anschließend ging es mit seinem Nachfolger zum Essen. "Dann kam ein Anruf - ich solle mal lieber in den Kurpark kommen, da drohe in der Nähe der Stadtgärtnerei bei einem Baum die Krone auseinanderzubrechen. Von unten habe ich nichts gesehen, als wir mit dem Hubsteiger hoch gefahren sind auch nicht . . ." Erst als er den Blick über die Stadtgärtnerei habe schweifen lassen, sah er, dass sich die gesamte Mannschaft versammelt hatte . . . "Da kamen mir die Tränen", sagt er - und auch beim Erzählen werden die Augen wieder feucht.

Im Rahmen seines Abschieds gab es ein besonderes Geschenk: Ein Bäumchen, das - natürlich in Übereinstimmung mit dem Parkpflegewerk - in der Nähe des Agnon-Wegs gepflanzt wurde. "Es ist eine kleine Winterlinde. Diese Baumart ist bei Insekten sehr beliebt, weil sie viel Nektar produziert", freut sich Wilming. Es ist mit einer Lebenserwartung von über 500, in Ausnahmefällen bis 1000 Jahren - wenn die Pflege stimmt - ein im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltiges Geschenk. Und ein passendes. Denn als Abteilungsleiter verantwortete Wilming außerdem die städtische Baumpflege und die innerstädtische Stadtgrünkolonne.

Kontrolle von über 16 000 Stadtbäumen

Mehr als 16 000 Bäume stehen im urbanen Raum und werden jedes Jahr von einem Team aus drei Mitarbeitern zwei Mal begutachtet, wobei die Ergebnisse digital erfasst und von einem weiteren Dreierteam im Betriebshof ausgewertet werden, um gegebenenfalls Maßnahmen anzuweisen.

Privat ist Wilming übrigens kein Gartenmensch. "Bei mir stehen ein paar Orchideen auf dem Fensterbrett. Wenn man das Gärtnern täglich macht, reicht das irgendwann". Stattdessen will sich Wilming seinem E-Mountainbike widmen. "Damit habe ich jetzt schon rund 2900 Kilometer zurückgelegt." Außerdem überlegt er, wieder in den Schützenverein zu gehen, in dem er früher aktiv war. Genug Zeit, sich an den Schönheiten des Kurparks zu erfreuen, wird er sich jedoch freihalten. von HaralD Konopatzki

Diese Winterlinde am Agnonweg am Rande des Kurparks ist Helmut Wilming gewidmet.

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