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Laden an der "Latern-E"?

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Von: Harald Konopatzki

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Unter anderem in Berlin ist das Thema "Strom aus Laternen" schon in der Praxis angekommen. Jetzt wird auch in der Kurstadt überlegt, allerdings sind die Voraussetzungen andere. Foto: dpa
Unter anderem in Berlin ist das Thema "Strom aus Laternen" schon in der Praxis angekommen. Jetzt wird auch in der Kurstadt überlegt, allerdings sind die Voraussetzungen andere. © picture alliance/dpa

In Bad Homburg diskutiert die Politik darüber, ob E-Autos ihren Ladestrom aus Straßenbeleuchtung bekommen könnten. Andernorts funktioniert das, doch das Netz in der Kurstadt scheint nicht geeignet zu sein.

Bad Homburg -Auch wenn die Stadt erklärt hat, die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladesäulen für E-Autos in den kommenden Monaten zu erhöhen - die Verkehrswende wird man damit nicht schaffen. Und viele Autobesitzer haben, vor allem wenn sie in Mehrfamilienhäusern leben, keine Garage oder einen festen Abstellplatz auf dem Grundstück, wo sich die nötige Infrastruktur installieren lässt.

Ja, wenn es doch nur Stromquellen im öffentlichen Raum gäbe, die direkt in Parkplatznähe als Energiespender taugen könnten . . . Die gibt es, sagen die Bad Homburger Grünen und verweisen auf die Straßenbeleuchtung. Laternen könnten als Energiequelle dienen - zumindest solle man diese Möglichkeit doch einmal prüfen lassen und entsprechende Erfahrungen aus andere Kommunen einholen - sagte sich die Fraktion und gab den Impuls ans Parlament weiter, wo sich die Begeisterung jedoch noch in Grenzen hielt. Das Thema soll am kommenden Mittwoch im Mobilitätsausschuss vertieft werden.

Denn noch ist unklar, ob und wie groß die Kluft zwischen Theorie und Praxis ist. Die Grünen führen Beispiele an. Berlin etwa ist Vorreiter gewesen, auch in Dortmund, erklärte Fraktionschef Alexander Unrath. "Wir müssen von den fossilen Energieträgern weg, wenn wir die E-Mobilität fördern, werden wir zudem unabhängiger", sagte er auch mit Blick auf die aktuellen Verwerfungen auf dem Energiesektor. Die Kosten, eine Laterne umzurüsten, lägen bei einem Drittel, vielleicht nur einem Viertel dessen, was für eine Ladesäule fällig wäre. Und davon, dass genug Energie, beziehungsweise Leistung vorhanden sei, sei auch auszugehen. "Nach der Umstellung der Beleuchtung auf LED ist das kein Problem."

In der Tat hatte die Stadt 2018 erklärt, dass der Stromverbrauch der insgesamt 6672 Straßenlaternen durch die damals bereits im Gang befindliche Umrüstung je nach Leuchten-Typ zwischen 30 und 75 Prozent reduzieren sollen. Die Kapazität in den Leitungen sollte also vorhanden sein.

Für Dr. Thomas Kreuder (SPD) war das nicht überzeugend. Zwar sei die Intension des Antrags zu begrüßen, der Teufel stecke jedoch im Detail. "Für Kurzzeitparker ist das nichts", stellte er klar, die Leistung sei zu niedrig. Der Antrag solle doch im Ausschuss beraten werden, bevor man Nägel mit Köpfen macht. Dem schloss sich der Koalitionspartner CDU in Person von Hendrik Hoffmann an. "Das Thema ist sehr komplex, es gibt großen Diskussionsbedarf", die Überweisung der richtige Schritt.

FDP: E-Bikes in Prüfung miteinbeziehen

Das sei eigentlich unnötig, es sei ja eine eingehende Prüfung vorgesehen, deren Ergebnis im Ausschuss präsentiert werden solle, argumentierte Tim Hordorff (FDP). Aber, regte er an, man sollte bei der Gelegenheit die Laternen auch gleich auf die Möglichkeiten für E-Bikes prüfen lassen.

Ähnlich äußerte sich die BLB. "Dieser Prüfantrag ist nicht viel Arbeit. Wo steht eine Laterne, wo funktioniert es", fasste Rafael Schimanski zusammen, mahnte jedoch: "In Oberursel gab es jüngst eine Klage der Stadt". In der Tat: Die Brunnenstadt hatte es einem Bürger untersagt, ein Kabel von seinem Grundstück über den Gehweg zum Auto zu führen. Der Fall landete vor Gericht, das der Stadt Recht gab. Auch eine Kabelbrücke sei nicht ausreichend, entschied das Verwaltungsgericht Frankfurt - und nur weil Klimaschutz mittlerweile Staatsschutzziel sei, begründe das noch lange keine individuellen Rechte.

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es also wichtig, wie die Laternen in Bezug auf die Parkplätze positioniert sind. In der Kaiser-Friedrich-Promenade, Teilen des Gluckensteinwegs und der Louisenstraße, aber auch in kleineren Straßen und solchen ohne Bürgersteigen stehen die Masten direkt am Parkstreifen. In vielen Wohngebieten, wo die Laternen nicht am Bordstein sondern an den Grundstücksgrenzen stehen, wäre es ungleich problematischer.

Dass sich der Mobilitätsausschuss der Thematik annehmen wird und nicht wie zunächst angedacht der Klimaschutz- und Umweltausschuss, liegt daran, dass es sich bei einer möglichen Umnutzung letztlich um einen Eingriff in den Straßenverkehr handelt. Darauf hatte Tim Hordorff hingewiesen. Die Grünen gaben sich damit zufrieden, zumal davon auszugehen sei, so Unrath in der abschließenden Bewertung, dass der Fragenkatalog umfangreicher werden wird als im ursprünglichen Antrag geplant.

Süwag sieht keine Möglichkeiten

Dort wird es jedoch ernüchternde Nachrichten geben. So teilte der Energieversorger Süwag auf Nachfrage dieser Zeitung mit: "Das Straßenbeleuchtungsnetz der Syna ist als reines ,Lichtnetz' zur DIN-gerechten Beleuchtung der Straßen-, Rad- und Fußwege aufgebaut. Historisch und aktuell verbaute Straßenbeleuchtungskabel ermöglichen keine Übertragung von üblicherweise erforderlichen Ladeleistungen für Elektrofahrzeuge, da keine direkte Anbindung an das Niederspannungsnetz vorhanden ist."

So biete das vorhandene Beleuchtungsnetz der Syna "aktuell nicht die Möglichkeit, die Straßenleuchten zum Laden von Elektrofahrzeugen zu nutzen." In Großstädten wie etwa Berlin, in denen jede Straßenleuchte über einen Niederspannungsanschluss mit entsprechender Anschlusskapazität verfüge, sei es möglich, die Leuchte auch für das Laden von E-Autos zu nutzen. "Wobei hier die reine Leistung nicht ausschlaggebend ist. Es sind mehrere Kriterien wie Schleifenwiderstand, maximale Leitungslängen, Spannungsabfall und so weiter entscheidend", so eine Süwag-Sprecherin.

Eine ähnliche Nachricht hatte laut Westfalenblatt kürzlich auch die Stadt Bielefeld bekommen, wo die FDP einen entsprechenden Antrag gestellt hatte, der von den dortigen Stadtwerken negativ beschieden wurde. Zusätzlich zum Problem eines reinen Beleuchtungsnetzes, das nicht über geeignete Leitungen verfüge führten die dortigen Stadtwerke auch an, dass das Netz stromlos sei, wenn die Laternen nicht leuchteten - Autos also gar nicht geladen werden könnten.

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