Gut beschirmt und in Zivil: Laternenkönigin Louisa Nielsen vor dem Brunnen im Kurpark. Zum Laternenfesttermin wird sie ihr Regentinnenkleid tragen, auch wenn, wegen Corona, wieder nicht gefeiert werden darf.
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Gut beschirmt und in Zivil: Laternenkönigin Louisa Nielsen vor dem Brunnen im Kurpark. Zum Laternenfesttermin wird sie ihr Regentinnenkleid tragen, auch wenn, wegen Corona, wieder nicht gefeiert werden darf.

Laternenkönigin

Laternenkönigin Bad Homburg: Etwas Laternenfest-Zauber in die Stadt holen

  • VonChristine Sarac
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Ein Mal die Bad Homburger Laternenkönigin zu sein, das ist der Traum von vielen kleinen Mädchen, die in der Kurstadt leben. Normalerweise währt dieser Traum genau ein Jahr, dann wird das Krönchen an die Nächste weitergegeben. Für Louisa Nielsen (25 Jahre) ist dieser Traum 2019 wahr geworden. Als Louisa I. repräsentierte sie das Fest. Dann kam Corona und nun geht ihre Amtszeit schon ins dritte Jahr - das wird wohl einmalig in der Historie der Traditionsveranstaltung bleiben.

TZ-Mitarbeiterin Christine Sarac hat mit dieser besonderen Regentin gesprochen.

Wie fühlt man sich als Laternenkönigin?

Oje (seufzt), das ist sehr schwer zu beschreiben. Ich bin natürlich stolz darauf, dass ich das überhaupt machen darf. Diese vier Festtage ziehen an einem vorüber, wie im Rausch - das kann der Kopf zunächst gar nicht realisieren. Man steht ständig unter Strom, aber auf eine gute Art. Man fühlt weder Hunger noch Müdigkeit. Es ist merkwürdig, Autogrammkarten von sich selbst in Händen zu halten. Aber der schönste Moment war für mich, auf dem Mottowagen durch Kirdorf zu fahren. Am liebsten hätte ich das alles auf einen Film gebannt. Da stehen so viele Menschen, die man zum Teil gut kennt und winken einem zu. Das ist schon ein bisschen verrückt.

Normalerweise hat die Laternenkönigin ungefähr 70 bis 80 Termine pro Jahr. Wie oft konnten Sie 2020 ihr Krönchen aufsetzen?

Mein erster Termin 2020 war der Neujahrsempfang der Stadt im Kurhaus und das war zugleich mein letzter. Seitdem gab es leider keine Veranstaltungen mehr, alles musste Pandemie-bedingt abgesagt werden. Seitdem hängt mein Kleid auf einer Schneiderpuppe in meinem Elternhaus. Das ist schon sehr traurig.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie eine zweite Amtszeit als Laternenkönigin anhängen dürfen?

Zuerst wollte der Laternenfestverein eine neue Königin für das Jahr 2020 wählen. Doch dann wurden immer mehr Großveranstaltungen wie zum Beispiel der Hessentag abgesagt und dann war auch klar, dass es kein Laternenfest geben wird und ich Repräsentantin bleibe. Jetzt ist es sogar eine dritte Amtszeit geworden.

So schlimm eine Pandemie auch ist, was war Ihr ungewöhnlichster Termin durch Corona?

Das war zum abgesagten Laternenfest 2020. Um wenigstens symbolisch an diese Traditionsveranstaltung zu erinnern, wurde der Turm der Feuerwache Stadtmitte beleuchtet. Dort bin ich dann mit Oberbürgermeister Alexander Hetjes in einem Drehleiterfahrzeug hinaufgefahren worden und wir haben uns das Spektakel aus luftiger Höhe angeschaut. Schön war auch die Ausstellung von Kleidern ehemaliger Laternenköniginnen in Schaufenstern entlang der Louisenstraße. Jede Hoheit hatte dazu außerdem ihre Autogrammkarte von damals und einen persönlichen Text beigesteuert. Mein Kleid war auch dabei, denn ich konnte ja keine Termine wahrnehmen. So kam doch ein bisschen Laternenfest-Stimmung auf.

Sie haben beides erlebt - eine weitgehend "normale" Amtszeit 2019 und regieren nun in der Pandemie. Welche unterschiedlichen Erfahrungen haben Sie gemacht?

Es war eine extreme Achterbahnfahrt sozusagen von 100 auf null. Ich war zwar auch 2020 Laternenkönigin, aber es passierte nichts. Vereinsintern haben wir natürlich versucht, etwas auf die Beine zu stellen, aber ständig änderten sich die Lage und die damit verbundenen Regeln. Wir wollten zeigen, dass wir noch da sind, aber es war sehr schwer.

Andere Königinnen, zum Beispiel die Weinkönigin aus der Pfalz, haben in ihrer Regentschaft die digitalen Medien genutzt. Ist die Bad Homburger Laternenkönigin auch auf Twitter und Facebook zu finden?

Privat ja, aber als Laternenkönigin nicht. Der Laternenfestverein hat zwar einen Instagram-Account, aber das ist vielen Menschen gar nicht bekannt. Wir haben trotzdem einen Aufruf gestartet, uns Bilder von vergangenen Festen zu schicken. Das haben einige Privatpersonen auch gemacht und wir haben das gepostet. Aber natürlich muss man auch aufpassen, keine falschen Signale zu senden in einer Zeit, in der alle zu Hause bleiben sollen.

Was ist Ihre schönste Laternenfest-Erinnerung?

Mit meiner Mama Christina, meinem Vater Jens und meinem Bruder Kenneth montagabends vor dem großen Feuerwerk im Jubiläumspark noch einen Döner am Stand gegenüber dem H & M zu essen. Und natürlich als kleines Mädchen in der Gardemädchen-Uniform der Heiterkeit samstags beim Umzug mitzulaufen.

Was gehört für Sie zu einem Laternenfest-Besuch unbedingt dazu?

Auf jeden Fall eine Fahrt auf dem Riesenrad. Und dann, nach dem Rummel-Besuch, durch die Straßen der Altstadt zu schlendern und die vielen offenen Höfe zu entdecken. Und dann Livemusik hören, etwas Leckeres essen und trinken und einen unbeschwerten Abend genießen.

Auf was dürfen sich die Bad Homburger trotzdem freuen, auch wenn das Fest dieses Jahr bereits zum zweiten Mal ausfällt?

Es wird eine Ausstellung im Kurhaus stattfinden, wieder mit Kleidern von Hoheiten, aber auch mit vielen Fotos und Zeichnungen der Mottowagen aus dem Regentschaftsjahr (1989) meiner Mutter, Christina I. Es wird in Vitrinen und auf Pinnwänden vieles zu entdecken geben.

Und was macht die amtierende Laternenkönigin zwischen dem 27. und 31. August, wenn kein Fest stattfindet?

Ich eröffne mit Oberbürgermeister Alexander Hetjes am Laternenfest-Samstag die Ausstellung, sofern eine Bühne auf dem Kurhausvorplatz stehen darf - ganz offiziell in meinem Kleid und mit Krönchen. Wenn es die Corona-Regeln zulassen, wird es anschließend noch eine kleine Autogrammstunde geben.

Dann sind Sie trotzdem in Laternenfest-Stimmung?

Natürlich, ich wohne ja in der Stadtmitte und werde auf jeden Fall meine Lichterkette raushängen. Und es würde mich wahnsinnig freuen, wenn die Bad Homburger das auch täten. Dann könnten wir gemeinsam etwas Laternenfest-Zauber in die Stadt holen. Außerdem freue ich mich auf einen schönen Abschluss im kommenden Jahr, wenn meine Nachfolgerin inthronisiert wird. Von Christine Sarac

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