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Einhalten hieß es zuletzt abends im Rathaus. Die Stadt verwies auf die vielen anderen öffentlichen Toiletten in der Umgebung. Ob die nahe genug sind, darüber lässt sich streiten. Karikatur: Schwarze-Blanke

Besucher-Toiletten im Rathaus wieder offen – Opposition: Peinlicher Fehler

Lokus im Bad Homburger Rathaus erneut im Fokus

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Die Schließung der öffentlichen Toiletten im Rathaus beschäftigte das Stadtparlament eine knappe Stunde lang. Künftig sollen sie wieder zugänglich sein, bis um 1 Uhr nachts die Passage schließt. Doch es gibt noch offene Fragen.

Nicht die Champagnerluft der Kurstadt, sondern ihre öffentlichen Toiletten in der Rathauspassage sind derzeit ihr populärstes Thema. In der Sitzung des Stadtparlaments am Donnerstagabend wurde noch einmal eine knappe Stunde lang ausgiebig und leidenschaftlich darüber diskutiert. „Die Geschichte hat uns blamiert bis auf die Knochen“, warf BLB-Fraktionschef Armin Johnert dem Magistrat vor. Denn nach öffentlichem Druck habe die Stadt die Toiletten schnell wieder aufgemacht – wenn auch über den „nicht nachvollziehbaren Umweg“ durch den Stadtladen.

Die Stadt hatte, wie berichtet, Anfang Januar beschlossen, dass die Toiletten im Erdgeschoss neben dem Stadtladen aus Kostengründen künftig nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich sein sollen. Seit Januar ist der reguläre Eingang zu den Toiletten geschlossen; durch den Stadtladen kommen Besucher aber hinein. Wenn der Stadtladen zumacht, müssen die Passanten derzeit ihr Bedürfnis einhalten.

Das ist kein Zustand, finden Johnert und der Fraktionslose Peter Braun. In einem gemeinsamen Antrag fordern sie, die stillen Örtchen „umgehend wieder durchgängig und ohne Umweg über den Stadtladen allen Bürgern“ zugänglich zu machen. Ein Antrag, der am Ende mit den Stimmen der Koalition mehrheitlich abgelehnt wurde.

„Populismus“ warf Lucia Lewalter-Schoor dem BLB-Fraktionsvorsitzenden vor. „Die Toiletten sind doch offen.“ Wolfgang Hof (FDP) widersprach. „Keine Not mit der Notdurft“ – diese Zeile am 18. Januar in der TZ sei – wenngleich pointiert – unrichtig. „Denn es gibt durchaus Not“, so Hof. Johnert führte das genauer aus: „Warum muten wir den Bürgern zu, sich bei einem dringenden Bedürfnis – das ja relativ intim ist – durch den Stadtladen zu mogeln?“ Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Daniela Kraft sieht sogar die Außendarstellung der Stadt beschädigt – zumal kein Schild auf den Umweg hinweise.

OB Alexander Hetjes (CDU) erläuterte noch einmal die Fakten: 85 000 Euro zahlte die Stadt seit 2004 pro Jahr für die Unterhaltung der Örtchen – weit mehr als für jede andere öffentliche Toilette in der Stadt. Die Kuki-Immobilien GmbH, sozusagen „Enkelin“ der Stadt, die die Passage bewirtschaftet, habe nichts dazubezahlt. Hetjes: „Dieses Missverhältnis wollten wir geraderücken. 85 000 Euro – das ist schon ’ne Hausnummer.“

Jetzt wurde der Auftrag neu vergeben: Eine Putzfirma, die schon für den Betriebshof tätig ist, reinigt die Rathaus-Toiletten künftig für 25 000 Euro im Jahr. Dadurch ergeben sich auch neue Öffnungszeiten für die Toiletten: Die kann man neuerdings auch sonntags aufsuchen (siehe „Info“).

Der Umweg über den Stadtladen sei gewollt, so Hetjes, da dort eine „gefühlte soziale Kontrolle“ stattfinde, wer die Toiletten aufsuche. Ein zweites Problem war laut Stadt, dass die Toiletten in der Vergangenheit öfters „verdreckt“ zurückgelassen wurden. „So schlimm ist das auch nicht, durch den Stadtladen zu gehen“, ergänzte Hetjes. „Niemand wird da beobachtet.“ Deshalb sei der Braun/BLB-Antrag obsolet.

Seiner Meinung nach sei „in der Presse“ nicht deutlich genug geschrieben worden, dass es sich nur um eine übergangsweise Schließung gehandelt habe, bis man sich mit der Kuki geeinigt habe. In dieser Zeit seien die Gaststätten-Toiletten offen gewesen. Peter Braun hielt dagegen, die Aufklärungsarbeit der Stadt in der Toiletten-Causa sei misslungen. Besonders habe er sich über den damaligen Satz aus der städtischen Pressestelle geärgert, die Stadt betreibe andere öffentliche Toiletten in Reichweite, lägen diese doch verdammt weit weg für jemanden, den die Blase drückt. Hetjes dazu: Das sei von den Medien – sprich: der TZ – aufgeblasen worden.

Letzter Auftritt Johnert. „Die Stadt hat einen Riesen-Fehler gemacht und der OB redet sich raus.“ Man habe die Toiletten geschlossen in der Hoffnung, „es wird schon keiner merken“. Unlogisch fand Johnert, dass besagte soziale Kontrolle ausgerechnet abends, wenn der Stadtladen zu hat, offenbar nicht nötig sei. „Hat die Stadt keine anderen Probleme?“, so Peter Münch (AfD).

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