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Stoßstange an Stoßstange schieben sich tagsüber die Autos über die Kaiser-Friedrich-Promenade, speziell zwischen Russischer Kirche und Schwedenpfad. Auf diesem Stück wurde jetzt eine Tempo-30-one eingerichtet.

Tempo-30-Aktion ruft Kritiker auf den Plan

Luft auf der Kaiser-Friedrich-Promenade besser als gedacht

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Seit einigen Tagen stehen Tempo-30-Schilder auf der Kaiser-Friedrich-Promenade. Es ist eine der Maßnahmen, um die Achse fahrradfreundlicher zu machen und die Luftqualität im Kurbezirk zu verbessern. Die Aktion ruft auch Kritiker auf den Plan – zumal es zur Luft gute Nachrichten gibt.

Meist ist auf der Promenade so viel Verkehr, dass man ohnehin nicht schneller fahren kann. Dennoch ist eine Temporeduzierung auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Verkehrsachsen der Kurstadt ein nicht unumstrittener Schritt. Seit Ende vergangener Woche stehen Tempo-30-Schilder zwischen der Russischen Kirche und dem Schwedenpfad.

Ein Jahr lang sollen Autofahrer hier auf die Bremse treten. Die Stadt will die Straße für Radfahrer sicherer machen. Denn dort gibt es keinen Radweg, und um einen einzurichten, „müssten innenstadtnahe Parkplätze abgebaut werden“, so Rathaussprecher Andreas Möring. Daher versucht es die Stadt nun mit Tempo 30 – was Experten zufolge die Sicherheit für Radler auf de Straße erhöht. Ein Schutzstreifen ist zunächst nicht geplant, für später aber auch nicht ausgeschlossen.

Zugleich will man prüfen, ob reduziertes Tempo auch reduzierte Schadstoff-Emissionen zur Folge haben. Laut einer Magistratsvorlage ist die Luft rund um die Promenade zwar besser als zuvor angenommen; da die neuesten Werte aber nicht belastbar seien, sei die Maßnahme weiterhin wichtig.

Sichere Werte erst im März

Im Bericht geht es um aktuelle Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) über die Luftqualität im Kurbezirk. Der DWD misst seit 2011 für die Stadt an verschiedenen Stellen in Kurpark und entlang der Promenade, wie viel Grob- und Feinstaub sowie Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft sind. Hintergrund ist die nächste Messung zum Erhalt des Bad-Status’, die im Frühjahr anstehen.

Sah es bis Mitte des Jahres noch so aus, dass es wegen hoher NO2-Werte knapp werden könnte mit Bad-Titel, ist im Bericht von einem deutlichen Rückgang des Luftschadstoffgehalts die Rede. Statt rund 20,1 (Jahresdurchschnitt) wurden nur noch 14,5 Mikrogramm pro Kubikmeter ermittelt. Grob- und Feinstaub hätten allerdings „witterungsbedingt zugenommen“.

Der DWD relativiere diesen Wert zwar, weil zum einen der Auswertungszeitraum (Februar bis August 2018) sehr kurz sei; zudem könne auch der besonders heiße, trockene Sommer mit viel Sonneneinstrahlung „zu einem außergewöhnlich hohen luftchemischen Abbau“ geführt haben könne. Grundsätzlich konstatierten die Fachleute der Stadt aber, dass deren „Bemühungen eine kontinuierliche Minderung zu bewirken“ scheinen. Hier macht sich offenbar auch die neue Stadtbusflotte bemerkbar. Eine statistisch gesicherte Aussage zur Stickstoffbelastung will der DWD aber erst im März/April tätigen – dann hat er die Werte des gesamten Jahres 2018 beisammen.

Und so seien Maßnahmen wie der Tempo-30-Versuch auf der Promenade weiterhin notwendig, folgert der OB – genauso wie die Förderung des Radverkehrs und der Modernisierung von (privaten) Heizungen. Entwarnung könne noch nicht gegeben werden. Wenn die Fahrzeuge auf der Promenade langsamer fahren, könnten auch „Abrieb und Aufwirbelungen des Kfz-Verkehrs“ erzielt werden. Die Experten versprechen sich von der Tempo-Reduzierung eine weitere NO2-Reduktion von zwischen 2 und 4 Prozent. Nicht zuletzt deshalb, weil einige Autofahrer die Promenade künftig meiden dürften, gerade im Berufsverkehr. Dann werde es auch leiser, was die Menschen in der Wicker-Klinik und in den Hotels an der Promenade freuen dürfte.

Lastwagen werden wohl weiterhin durch die Promenade fahren dürfen. Ursprünglich hatten die Politiker auch eine Verlegung des Schwerlastverkehrs angedacht, um die Luftqualität im Kurbezirk besser zu machen. Diese Idee wird laut Bericht nicht weiter verfolgt, da „kaum Möglichkeiten gesehen werden, dies rechtlich durchführen zu können“.

Bei der FDP ist man skeptisch, ob Tempo 30 das Richtige ist. „Sollen die Leute um Bad Homburg herumfahren?“, fragt Fraktionschef Wolfgang Hof entrüstet. Die Stadt solle froh sein über jeden, der hier herkomme und einkaufe. Promenade und Hessenring müssen seiner Meinung nach weiterhin voll befahrbar bleiben. „Wir sind ein Straßendorf, aber kein Luftkurort.“ Seinen Bad-Status, so Hof, verliere Bad Homburg erst, „wenn unsere Brunnen versiegen“.

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