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Mandeln mit einem Hauch Red Bull

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Auf dem Festplatz läuft der Aufbau der Fahrgeschäfte für das Laternenfest auf Hochtouren. Am morgigen Freitag gehen die Stände und Karussells dann in Betrieb.
Auf dem Festplatz läuft der Aufbau der Fahrgeschäfte für das Laternenfest auf Hochtouren. Am morgigen Freitag gehen die Stände und Karussells dann in Betrieb. © Jens Priedemuth

Schausteller bauen ihre Stände für das Laternenfest auf. Kulinarisches und Kurioses erwartet den Besucher.

Bad Hamburg -Auf dem Festplatz "Am Heuchelbach" geht es zu wie in einem Bienenstock. Überall ertönen Zurufe, Menschen eilen umher, es dröhnen Lkw-Motoren. Konzentriert hebt Alexander Schramm mit einem Kran einen noch mit grauer Plastikfolie verhängten großen Quader in die Höhe und bugsiert ihn vor die Plattform seines Breakdance-Fahrgeschäftes. Unter der Plastikfolie verbirgt sich das Kassenhäuschen des Betriebs, das schon bald die ersten Adrenalinhungrigen empfangen wird. Die Vorbereitungen fürs Laternenfest sind im vollem Gang.

Mehr als 5000 verbaute Teile

Vier muskelbepackte Männer plus Aushilfen packen beim Aufbau mit an. Drei Tage lang dauert es, bis alles steht. "Allein ein Deko-Stern besteht aus sieben Teilen plus Stange. Die Verkabelung ist da noch gar nicht mitgerechnet", erklärt Schramm. Am Ende muss sich alles nahtlos ineinanderfügen, im Gleichgewicht und gerade sein. Eine Herausforderung. Kein Wunder, müssen doch über 5000 Teile zusammengebaut werden, bis sein Fahrgeschäft steht. Drei große Lkw mit Anhänger sind notwendig, um die Teile des 78 Tonnen schweren Karussells, eine Spezialanfertigung, zu transportieren. Fünf Motoren werden dieses später zum Rotieren bringen.

Zwischendurch unterbricht Schramm immer wieder seine Arbeit, eilt über den Festplatz, um auszumessen und zu schauen, dass die Aufbauflächen der Stände eine gerade Linie ergeben. Die Kollegialität untereinander ist groß, man unterstützt sich gegenseitig. So hilft Schramm auch bei Kollegen mit. Auch das Schaustellergeschäft leidet an Mitarbeitermangel, weiß Schramm zu berichten. "Keiner will mehr so richtig arbeiten." Das ziehe sich aber durch alle Branchen. Zwischendurch bleibt auch immer mal Zeit für ein Schwätzchen. Einige Meter weiter ist Markus Eiserloh mit dem Aufbau seines Süßwarenstandes beschäftigt. Sein Sohn, Max Eiserloh, bringt gerade eine Zierleiste am Dach des Standes an. Am Laternenfest wird er hier die Besucher nicht nur mit Zuckerwatte und Popcorn, sondern auch mit Mandeln in 30 Geschmacksrichtungen wie Nutella, Raffaello, aber auch exotischeren wie Latte Macchiato, Drachenfrucht oder Red Bull versorgen. So aufwendig wie sein Kollege Alexander Schramm ist der Aufbau freilich nicht. "Das rein Technische dauert etwa dreieinhalb Stunden", erklärt Eiserloh, der noch einen zweiten Mandel-Stand am Riesenrad betreibt.

Bis zu 30 Mal im Jahr ist der Hanauer auf verschiedenen Volksfesten vertreten, jeder Platz habe seine eigenen Gegebenheiten, an die man sich anpassen müsse. "Das Laternenfest ist aber ein Highlight der Saison", verrät er, und es gehöre in Hessen zu den "Top 5" der Veranstaltungen. Außer seinem Sohn helfen auch seine Frau und zwei Festangestellte beim Aufbau mit. Man sei ein eingespieltes Team, sagt Eiserloh, der neben dem Mandelstand noch einen Autoscooter und ein Kinderkarussell betreibt.

Schausteller fährt schon mal Probe

Immerhin schon in der fünften Generation ist er als Schausteller aktiv, sein Sohn Max Eiserloh wird die Tradition später fortführen. Die Stände der Hanauer Familie Eiserloh gehören quasi zum Inventar von Märkten und Festen im ganzen Rhein-Main-Gebiet. Markus Eiserlohs Schwager und Schwägerin betreiben einen Autoscooter und eine Früchtebar. Die Großfamilie ist immer mit dem Wohnwagen unterwegs und übernachtet gewöhnlicherweise während der Feste auch darin, obwohl sie es bis Hanau nicht weit hätte. Ein Leben auf Achse - Schausteller-Tradition eben.

Auch Schramm betreibt sein Breakdance-Fahrgeschäft bereits in fünfter Generation, auch sein Sohn Ricardo wird das Geschäft später übernehmen, 16- bis 17-mal im Jahr sind sie auf den Volksfesten der Republik vertreten. "An dem Karussell hängt viel Herzblut", verrät Schramm. Das sieht man. Das Fahrgeschäft ist Baujahr 1987, dennoch glänzen die Stahlstreben wie neu in der Mittagsonne. Sechs bis sieben Stunden werden am nächsten Tag noch eingeplant, um die drei Kilometer Kabel zu verlegen.

Dann soll der Aufbau abgeschlossen sein. Bei der ersten Fahrt wird Schramm mit in einer der Gondeln sitzen. "Das ist Tradition", verrät er. Bis es so weit ist, gibt es allerdings noch viel Arbeit zu erledigen. Doch das schreckt den erfahrenen Schausteller nicht ab. Nach zwei Jahren Pandemie "wollen wir es so schön machen wie noch nie, damit die Leute hier Spaß haben in der Stadt."

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