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Susanne Kaludra, Barbara Callenberg, Sabine Junghahn und Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (von links) sind davon überzeugt, dass das Anmeldeportal für Betreuungsplätze ?Little Bird? gut funktioniert und effektiv ist.

Little Bird

In Bad Homburg per Mausklick zum Kitaplatz

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Seit 2013 läuft die Anmeldung für einen Kindergartenplatz in Bad Homburg über das Online-Portal „Little Bird“. Für die Verwaltung eine große Erleichterung, für die Nutzer nicht immer nachvollziehbar. Denn häufig läuft nicht alles rund. Das liege allerdings nicht an der Technik, betont Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD).

Die ältere Tochter der Ober-Eschbacherin besucht die Kita Hessengärten. 2020 kommt sie in die Grundschule. Ihre Mutter hat sie zeitig im vergangenem Jahr für einen Hortplatz angemeldet. Über das Online-Portal „Little Bird“, über das alle 4000 Kita-, Hort- und betreute Grundschule-Plätze in der Stadt vergeben werden. Die Anmeldung lief zeitgleich mit einer Kita-Anmeldung für die jüngere Tochter, die ebenfalls die Hessengärten besuchen sollte. Der Konjunktiv steht an dieser Stelle, weil die Frau zwar eine Zusage für den Hortplatz der Älteren, aber zunächst eine Absage für den Kita-Platz für ihre Jüngere bekam. Und deswegen die Welt nicht mehr versteht. „Die Stadt wirbt in ihren Stadtteil- und Familienzentren für sich, dass sie dafür Sorge tragen will, dass man sich in seinen Stadtteil integriert – und dann kommt so ein Computerprogramm und sagt, dass meine Kinder in getrennten Einrichtungen betreut werden sollen.“

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Wie der Ober-Eschbacherin geht es auch anderen. Ihre Freundin etwa hat ein Kind in einer Kita in Ober-Eschbach, das andere ist in Dornholzhausen. „Nicht nur, dass sie nun im Auto unterwegs ist, um ihre Kinder in die Kitas zu bringen oder von dort abzuholen. Sie sorgt sich, was ist, wenn die Kinder in die Grundschule kommen.“ Denn „wenn das Kind vorher in Dornholzhausen in die Kita gegangen ist, wird es zum Schulanfang in Eschbach kein Kind kennen“.

Keine Postleitzahl angeben

Dass seit der Einführung des Online-Portals „Little Bird“ im Jahr 2013 immer wieder Beschwerden darüber kommen, dass das System mängelbehaftet sei, ist weder Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD), noch der Leiterin des Fachbereichs Jugend und Soziales, Barbara Callenberg, oder den Fachdienstleiterinnen Sabine Junghahn und Susanne Kaludra neu. Zehn Prozent aller Nutzer haben laut Lewalter-Schoor Probleme damit. Die Sozialdezernentin sagt: „Ich hätte, bis ich mich bei den Fachfrauen darüber informiert habe, auch gesagt, dass das Portal kompliziert ist.“ Tatsächlich sei das aber nicht der Fall.

„Im Prinzip funktioniert die Anmeldung so, wie wenn man sich etwa ein Amazon-Konto zulegt. Man muss sich registrieren und sich durch einen Fragenkatalog durcharbeiten“, erklärt Kaludra. Danach könne man bis zu fünf Wunsch-Einrichtungen angeben.

„Ein bisschen aktive Mitarbeit gehört aber auch dazu“, sagt Junghahn, die übrigens dazu rät, nur Bad Homburg als Wunschstandort und keine Postleitzahl anzugeben, um einen kompletten Überblick zu bekommen. Bis man Antwort erhalte „muss man regelmäßig seine E-Mails checken und eine Reservierungszusage auch bestätigen“, sagt sie. Daran hapere es.

Was aber immer noch nicht erklärt, warum Kinder einer Familie in verschiedenen Einrichtungen unterkommen. Junghahn sagt: „Das ist nicht die Regel. Denn natürlich versuchen wir, dass Geschwisterkinder in einer Einrichtung unterkommen und dass sie auch wohnortnah in eine Kita kommen.“ Aber wenn es nicht klappt, sei nicht die Software „Little Bird“ dafür verantwortlich, sondern „der Mangel an Kita-Plätzen in unserer Stadt“, betont Stadträtin Lewalter-Schoor. „Es ist einfach ein Problem der Kapazitäten.“

Zwei Ansprechpartner

Bekanntlich fehlen neben den zwei in Planung befindlichen Kitas noch weitere Einrichtungen. Allein, es gibt keine Grundstücke. „Neulich haben wir sogar bei einer Versteigerung mitgeboten. Verkehrswert: 900 000 Euro. Gekauft wurde es dann für 1,6 Millionen Euro. Da können wir als Stadt nicht mithalten“, sagt Lewalter-Schoor. Kaludra ergänzt: „Das Programm ,Little Bird‘ schafft ja keine Plätze. Es organisiert ihre Verteilung nur besser.

Und besser sei die seit Einführung des Programms in jedem Fall geworden, betont Callenberg. „Früher hatten wir immer zig Anmeldungen für ein Kind. Wenn es dann bei einer Kita untergekommen ist, haben die Eltern aber gar nicht daran gedacht, ihre Anfragen bei den anderen Einrichtungen zu stornieren. Bei ,Little Bird‘ werden die mit einer Reservierungsbestätigung automatisch gelöscht.“ Gleichwohl ist den Fachfrauen durchaus bewusst, dass der eine oder andere Probleme mit der Anmeldung übers Computerprogramm hat. Und weil das so ist, gibt es seit kurzem nicht mehr nur eine, sondern zwei Ansprechpartnerinnen – erreichbar unter Telefon (0 61 72) 100 50 52, 100 50 58 oder 100 50 59 –, die einem durchs Online-Anmeldeformular helfen und auch dabei, den Platz in der Wunsch-Kita zu bekommen – sofern eben Platz ist. Der Ober-Eschbacherin jedenfalls wurde in einem solchen Gespräch signalisiert, für ihre Tochter doch noch den Kita-Platz in den Hessengärten zu bekommen.

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