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Münzkabinett im Gotischen Haus

Medailleurskunst aus 300 Jahren

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Nach akribischer Revision der Exponate und Neugestaltung des Ausstellungsraums eröffnet das Münzkabinett des Städtischen historischen Museums wieder. Gezeigt werden numismatische Portraits aus den vergangenen 300 Jahren – die allesamt etwas mit Hessen-Homburg und (Bad) Homburg zu tun haben.

Was haben der Nobelpreisträger für Literatur Samuel Josef Agnon (1888 – 1970) und Prinzessin Marianne von Preußen (1785 – 1846) gemeinsam? Beide sind auf Medaillen abgebildet, die vom kommenden Sonntag an im neu gestalteten Münzkabinett im Gotischen Haus zu sehen sind. Ersterer lebte Anfang der 1920er Jahre in der Kurstadt, Prinzessin Marianne war die Tochter des Homburger Landgrafen Friedrich V. Ludwig.

„Portraits auf Münzen, Medaillen, Plaketten“, ist die Ausstellung betitelt. Die gezeigten 60 der etwa 4000 Exponate, über die das städtische historische Museum verfügt, bilden einen Querschnitt numismatischer Stadtgeschichte vom 18. bis ins 21. Jahrhundert ab; und sämtliche Portraitierte hatten direkt oder indirekt eine Verbindung mit der Stadt.

Die numismatische Sammlung geht bereits auf die Gründung des Museums im Jahr 1916 zurück; in den Wirren der Nachkriegszeit ging jedoch ein Großteil der gut 400 Objekte verloren. „Als wir 1978 den Förderkreis Bad Homburger Münzkabinett gründeten, passten die Münzen in eine Zigarettenkiste“, erinnert sich Werner H. Stahl, der gemeinsam mit Rainer Wehrheim den Förderkreis ins Leben rief. Bis zur Auflösung des Vereins 2012 konnte die Sammlung erheblich erweitert werden.

In den vergangenen zwei Jahren hat Stahl sämtliche Münzen, Medaillen und Plaketten einer Revision und Neuordnung unterzogen (siehe „Info“). „Es ist für uns extrem wertvoll, dass die Sammlung nun geordnet ist“, bedankt sich Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr beim städtischen Ehrenbeamten.

Parallel dazu wurde ein neuer Ausstellungsraum, ein klassisches Kabinett, erschaffen. In modernem, schlichtem Ambiente präsentieren sie die Exponate in neun thematisch/zeitlich zugeordneten Vitrinen: von Landgraf Friedrich II. und seiner Zeit über Kleist und Hölderlin, das Kaiserhaus bis zu Künstlermedaillen des 20. Jahrhunderts und neuzeitlichen, industriell gefertigten Münzen. Ergänzend hat der wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums, Dr. Peter Lingens, Hintergrundinformationen zusammengestellt, die auch die mitunter nicht auf den ersten Blick erkenntlichen Verbindungen zwischen den Portraitierten und Homburg oder der Region aufzeigt.

So wie bei der Gedenkmedaille, die an Ludwig Alfred Mayer (1894 – 1915) erinnert: Die Vorderseite zeigt das Portrait des 20-Jährigen, die Rückseite eine Sterbeszene. Mayer wurde im März 1915 in Galizien von einer Kugel getroffen, als er seinem verletzten Kameraden Franz Schmitt, einem Bad Homburger, beistehen wollte.

Im Rahmen der Neuordnung der Sammlung wurden spezielle, tresorartige Münzschränke angeschafft. In deren „Tassenschubladen“ hat jedes Stück sein Plätzchen. Wie wertvoll die Homburger Münzsammlung ist? „Das lässt sich so nicht ermitteln, noch nicht eimal schätzen“, so Grzechca-Mohr. Andererseits weiß man, was Sammler für seltene Objeke zu zahlen bereit sind. Münz-Experte Stahl dazu: „Momentan werden auf Auktionen Spitzenwerte erzielt.“

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