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Meeresbewohner aus dem Taunus und der Wetterau.

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In den Vitrinen lagern die Gesteine, Minerale und Fossilien der früheren Taunus-Landschaft, aber auch historische Werkzeuge des Bergbauwesens im Vor- und Hintertaunus.
In den Vitrinen lagern die Gesteine, Minerale und Fossilien der früheren Taunus-Landschaft, aber auch historische Werkzeuge des Bergbauwesens im Vor- und Hintertaunus. © Koberg

Die meisten Keller sind für Besucher tabu, noch seltener bekommen Gäste die Dachböden zu sehen. Sie dienen als Lager und Rückzugsort, aber auch als Raum für technische Installationen, ohne die das „Unten“ ganz anders oder auch gar nicht funktionieren würde. In einer TZ-Serie widmen wir uns diesen normalerweise verschlossenen Etagen in Bad Homburger Gebäuden und schauen, welche Relikte und Geheimnisse sich unter den Dächern verbergen.

Die wohl ältesten - einige mehr als 400 Millionen Jahre alt - lagern bei der VHS, genauer gesagt in der Sammlung des Geologischen Arbeitskreises.

Eine Abstellkammer mit alten, ausrangierten Dingen sucht man unter dem Dach der Volkshochschule vergebens. Dafür gibt es dort eine Schatzkammer der besonderen Art: In 18 Glasschränken und Vitrinen stellt der Geologische Arbeitskreis der Volkshochschule (VHS) hier Gesteine, Minerale und Fossilien aus, die im Taunus und der Wetterau gefunden wurden. „Einige der Exponate sind über 400 Millionen Jahre alt und ,erinnern‘ an die Zeit als das Gebiet des heutigen Taunus noch kein Gebirge war, sondern vielmehr ein tropisches Meeresbecken“, sagt Jan Wacker, Diplom-Geologe und seit 2016 Leiter des Geologischen Arbeitskreises. Der Arbeitskreis entstand aus einem VHS-Kurs, war 1982 von Manfred Wenzel gegründet und bis zu dessen Tod im Februar 2016 auch von ihm geleitet worden.

Schon im Eingangsbereich der Volkshochschule weist ein riesiger Quarzkristall auf das Geologische Zentrum unter dem Dach hin. Eine Vitrine zeigt versteinerte Hölzer, im Treppenhaus hängen Zeichnungen zu den verschiedenen Erdzeitaltern. Anhand der Bilder erklärt Wacker, wann und wie die damaligen Erdplatten durch die Kontinentaldrift im Laufe von Millionen Jahren aufeinander zubewegten und sich teilweise zu Super-Kontinenten zusammenschlossen. Die phantasievollen Namen der Urkontinente wie Pangaea, Rodinia, Kenorland, Laurasia und Gondwana täuschen. Sie lassen nichts von der Dynamik und den ungeheuren Kräften ahnen, mit denen die Erdplatten aufeinanderstießen. Durch den dabei erzeugten Druck verformte sich an manchen Stellen die Erdkruste und schob sich in Falten nach oben. Auf diese Weise entstanden so massive Gebirge wie zuletzt die Alpen oder „derzeit“ der Himalaya. Auch der Taunus ist ein Relikt einer Gebirgsbildung - allerdings ist das, was wir heute als Höhenzug sehen, nur der Rest eines sehr viel älteren Gebirges.

Quarzit, „Haus-Stein“ der Region

In einer Vitrine vor dem eigentlichen Geologischen Zentrum weist Wacker auf ein Gebilde hin, das wie eine Rose aussieht, aber außer dem Namen „Barytrose“ nichts mit der Pflanze gemein hat. Es ist vielmehr ein Kristallgebilde, das meist in wärmeren Gebieten entstanden ist und sich aus Sandkörnern, die sich in die Kristalle des Minerals Baryt eingelagert haben, blütenartig zusammensetzt. Viele der hier ausgestellten Barytrosen wurden in der Wetterau gefunden.

„Quarzit ist sozusagen der Haus-Stein des Taunus und wurde hier in vielen Steinbrüchen abgebaut“, sagt Jan Wacker. Dementsprechend befinden sich auch zahlreiche Quarzite in den Vitrinen unter dem Schrägdach. Notwendiger Baustein für das Quarzit ist das Mineral Quarz, das maßgeblich auch zur Produktion von Glas benötigt wird. Namen wie Glashütten oder Glaskopf, wie der fünftgrößte Taunusberg heißt, erinnern noch heute daran, dass die Glasherstellung in früherer Zeit ein lebendiger Handwerkerzweig im Taunus war.

Als nächstes zeigt Wacker ein Fossil, das 2009 im Rupbachtal im westlichen Hintertaunus gefunden wurde. Es handelt sich um einen sogenannten Trilobiten, einen Gliederfüßer, der vor mehr als 520 Millionen Jahren hier im Wasser gelebt hat. Insgesamt gab es über 15 000 verschiedene Arten dieser Meeresbewohner. Solche Funde sind nicht selten. Doch Wacker warnt davor, die Fossilien mit nach Hause zu nehmen. Fossilien sind allgemein Eigentum des Landes Hessen und mit einer Mitnahme würde man sich strafbar machen.

Erinnerungen an die Bergbau-Zeit

In einer weiteren Vitrine liegen mehrere hellbraune Gesteinsbrocken. Auf den etwa handtellergroßen Platten befinden sich einige kegelförmige Hydrobia-Schnecken, die meisten von ihnen zwischen einem und drei Zentimetern lang. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass der ganze Gesteinsbrocken aus Abermillionen von kleinen Schnecken dieser und anderer Arten besteht. Sie lebten vor etwa 25 bis 30 Millionen Jahren im rheinhessischen Mainzer Becken und einem Meeresarm, der zu dieser Zeit von der Nordsee bis in den Süden reichte.

Neben den Gesteinen, Mineralen und Fossilien ist die Darstellung des Bergbaus im Taunus ein weiterer Schwerpunkt im Geologischen Zentrum der Volkshochschule. In Vitrinen liegen historische Werkzeuge wie Spitzhammer und Reißeisen, in einer Ecke des Raumes steht eine Original-Lore - ein Förderwagen für Erze aus dem Bereich des heutigen Neu-Anspachs. Und eine Bilddokumentation zeigt die geologische und bergbauhistorische Untersuchung der Goldgrube zwischen Bad Homburg und Oberursel - ein Bergwerk, das vermutlich aus keltischer oder römischer Zeit stammt. Allerdings erfüllte sich die Hoffnung der jeweiligen Bergwerksbetreiber, hier das begehrte Edelmetall zu finden, zu keiner Zeit. Heute dienen die Stollen als Behausung und Winterquartier für Fledermäuse.

Ein besonders imposantes Ausstellungsstück ist ein Mammut-Unterkiefer, der auf einem Tisch in der Nähe der Tür zum Geologischen Zentrum liegt. Dieser Gesichtsknochen des frühzeitlichen Verwandten der Elefanten lag - bunt angemalt - in einer Zahnarztpraxis und sollte weggeschmissen werden. Das erfuhr zufällig ein Mitglied des Arbeitskreises, konnte den Mammutkiefer mitnehmen, restaurieren und stellte ihn als Exponat zur Verfügung.

Wer das Geologische Zentrum in der Volkshochschule besichtigen möchte, kann sich an Jan Wacker unter der Telefonnummer (0 61 72) 8 68 89 59 wenden. Der Geologische Arbeitskreis findet immer montags von 19.45 bis 21.15 Uhr während der Semesterzeiten der Volkshochschule statt. Eine Anmeldung für den Kurs ist erforderlich.

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