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Betreuung

Mehr Qualität im Kindergarten: Bad Homburg gibt Leitfaden für die Arbeit in den städtischen Einrichtungen heraus

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Der Kinderbetreuung kommt in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Bedeutung zu – auch in Bad Homburg. Aber Betreuung bedeutet nicht einfach nur, dass jemand anderes auf die Kinder aufpasst, während die Eltern arbeiten gehen (wollen oder auch müssen). Eine qualifizierte Betreuung fördert vor allem den Nachwuchs. Wie aber misst man Qualität in einer Kita? Die Kurstadt macht’s vor.

88 Seiten ist der Katalog dick, mit schönen, glatten Seiten, übersichtlich nach Themenbereichen gegliedert und schön bebildert – ganz so, wie Kinder ein Buch vermutlich gerne hätten. Nicht, dass viele Kinder das zum ersten Mal erschienene und von der Stadt Bad Homburg herausgegebene Handbuch „Qualitätsstandards der Kindertagesstätten“ in die Hand nehmen werden. Dazu ist der Inhalt dann doch ein bisschen zu spezifisch. Aber dass die Verantwortlichen, allen voran Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) und die pädagogische Fachberaterin Eva Jethon, den Leitfaden für die Arbeit in städtischen Kindertageseinrichtungen so wertig gestaltet haben, zeigt, welch große Bedeutung sie der Thematik beimessen. Und dass sie nicht einfach nur Papier bedruckt haben, sondern ihre Aufgabe ausgesprochen ernst nehmen.

Arbeit an der Qualität städtischer Kitas ist ein kontinuierlicher Prozess

„Die Arbeit an der Qualität der städtischen Kitas ist ein kontinuierlicher Prozess, an dem der Fachbereich ,Jugend, Soziales und Wohnen‘ seit vielen Jahren arbeitet“, sagt Lewalter-Schoor. Dass diese Arbeit jetzt in Form des Handbuches veröffentlicht werde, sei auch dem im Januar von der hessischen Landesregierung verabschiedeten „Gute-Kita-Gesetz“ geschuldet. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Kitas Kindern anhand von festgelegten Standards eine gute Betreuung gewährleisten. Dafür gibt’s auch Geld aus dem Bundesfamilienministerium. 5,5 Milliarde Euro sollen demnach in bundesdeutsche Kitas fließen. Das vom Bundestag im Dezember vergangenen Jahres verabschiedete Gesetz ist das erste von Ministerin Franziska Giffey (SPD).

„Unsere in dieser Form erstmals veröffentlichen Qualitätsstandards des Fachbereichs dienen der Sicherstellung und Weiterentwicklung der Qualität in den städtischen Betreuungseinrichtungen“, sagt Lewalter-Schoor und ergänzt: „Die Standards bieten unseren Kitas einen einheitlichen Leitfaden, um auch die gesetzlichen Vorgaben umzusetzen. Sie sind die Basis der pädagogischen Arbeit.“

Gleiche Bildung für alle

Prinzipiell bestimmen natürlich die Familien die kindliche Entwicklung, die Eltern steuern den Bildungs- und Entwicklungsprozess ihres Kindes. Darüber hinaus unterstützen staatliche Betreuungseinrichtungen diesen Prozess, indem sie zusätzliche Bildungsangebote für die frühkindliche Erziehung anbieten. Die pädagogischen Konzeptionen der Einrichtungen müssen den Erfordernissen der Sozialgesetzgebung der Kinder- und Jugendhilfe entsprechen und sind auch Grundlage für die Betriebserlaubnis eines Kindergartens. „Ziel ist, allen Kindern und Familien in städtischen Einrichtungen einen gleichwertigen Zugang zu einer hohen Qualität in der frühen Bildung zu ermöglichen“, erklärt Eva Jethon. „Dazu dienen die Qualitätsstandards.“

Zudem würden den Leitern der Einrichtungen sowie den Erziehern Indikatoren an die Hand gegeben, um zu sehen, ob die Ziele auch umgesetzt wurden, und so eine langfristige Verbindlichkeit zu garantieren. „Es ist natürlich in Kitas ein bisschen schwierig, Ziele zu formulieren und dann zu evaluieren. Ist ein Indikator, ob eine Maßnahme gut war, dass ein Kind viel gelacht hat? So funktioniert das nicht. Aber hier geht es ja nicht um ein Qualitätsmanagement, wie man es aus der Wirtschaft kennt, sondern wir orientieren uns am Hessichen Bildungs- und Erziehungsplan“, betont Jethon.

Demnach sind im Handbuch das Herzstück jene Passagen, die sich mit der konkreten Arbeit mit den Kindern auseinandersetzen. Die Stichworte lauten „Starke Kinder“, „Kommunikationsfreudige Kinder“, „Kreative Kinder“, „Entdeckungsfreudige Kinder“, „Verantwortungsvolle Kinder“. Großer Wert wird aber auch auf die Themen Integration, Inklusion und Partizipation gelegt. Auch die Träger- und Personalqualität spielt eine große Rolle. Für die Kita-Mitarbeiter spendiert die Stadt zum Beispiel jedes Jahr fünf Tage, an denen sie sich mit der Qualität der Einrichtung auseinandersetzen können. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Jethon. Andernorts müssten die Erzieher so etwas an den eigentlichen Arbeitstag dranhängen oder in ihrer Freizeit erledigen.

Beschwerdemanagement

Ohne Zusammenarbeit mit den Eltern geht natürlich gar nichts. Deswegen steht im Handbuch auch, dass die Eltern die Möglichkeit haben sollen, sich einzubringen und verschiedene Wege der Beteiligung zu nutzen. Auch ein geregeltes Beschwerdemanagement gehört dazu. So gibt es im Handbuch einen genauen Leitfaden für das Beschwerdemanagement inklusive eines Dokumentationsbogens, wie mit Kritik umzugehen ist. Unter anderem auch deswegen wird der Leitfaden auch an alle Eltern mit Kindern in städtischen Kitas verteilt. Und, wer weiß, vielleicht greift dann auch der eine oder andere Knirps danach und freut sich am schönen, glatten Papier.

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