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Auch das gehört zur Arbeit des Freund und Helfers: Die Sicherheit der Bürger auf den Straßen zu gewährleisten.

Polizisten brauchen auch mal Hilfe

Menschen wie du und ich

Über 14 000 Polizeibeamte gibt es in Hessen. Rund 300 Polizisten arbeiten im Hochtaunuskreis. Der Polizeidienst ist vielfältig, oft unvorhersehbar, manchmal witzig oder auch sehr bitter. Davon konnten sich Lydia Kober, Larissa Rösler und Lisa Scharnagl einen Eindruck machen, als sie den Pressesprecher der Polizeidirektion Hochtaunus zum Interview getroffen haben.

Von LYDIA KOBER, LARISSA RÖSLER UND LISA SCHARNAGL (SCHÜLERINNEN DER FELDBERGSCHULE, OBERURSEL)

„Stellen Sie sich vor, Sie sind Polizist und sitzen nachts um halb drei auf der Wache. Das Telefon klingelt. Eine ältere Dame meldet sich, weil sie ihre Schildkröte vermisst.“ Hört sich zunächst vielleicht witzig an. Nicht aber, wenn klar wird, dass das Tier möglicherweise das einzige Bezugswesen der verzweifelten Frau ist, erklärt der Pressesprecher der Polizeidirektion Hochtaunus, Siegfried Schlott. Damit muss ein Polizist genauso gut umgehen können wie mit dem Anruf eines Zeugen, der gerade einen schweren Autounfall beobachtet hat, und berichtet, dass um ihn herum fünf Menschen liegen: „Es sieht aus, als wären sie tot.“

Das ist es, was den Wach- und Streifendienst bei der Polizei ausmacht. Man weiß nie, mit welcher Situation man gleich konfrontiert werden wird, sagt Schlott, der selbst fast 20 Jahre diesen Dienst getan hat. Dabei seien die Art der Einsätze und der Dienstablauf grundsätzlich immer die gleichen. Das gibt auch den rund 300 Polizeibeamten von der Polizeidirektion Hochtaunus die Sicherheit und die nötige Routine, um angemessen zu reagieren. Änderungen gab es bei den Arbeitsmethoden vor allem auf der technischen Seite. Die computergesteuerte Vorgangsbearbeitung spiele eine immer wichtiger werdende Rolle im Polizeialltag, so Schlott.

Das Leben als „Freund und Helfer“ sei aber auch eine große gesundheitliche Belastung. Einerseits körperlich, durch das Arbeiten im Schichtdienst und die damit verbundenen unregelmäßigen Schlafgewohnheiten. Andererseits aber auch durch die psychische Belastung. Besonders in Erinnerung bleiben den Polizisten immer jene Fälle, in denen es Verletzte gibt oder Kinder betroffen sind.

Polizeipressesprecher Schlott erinnert sich an eine traurige Geschichte, die er selbst als junger Polizist erlebt hat. Ein zweijähriger Junge war seiner Mutter entwischt und in den Gartenteich gefallen. Die Einsatzkräfte wurden alarmiert, trotzdem ertrank das Kind. Schlott und seine Kollegen versuchten noch, den Jungen zu reanimieren – vergeblich. „Das ist eine Geschichte, die mich sehr betroffen hat. Ich weiß, ich hätte ihm nicht mehr helfen können, aber dennoch sind das Begebenheiten, die man nicht vergisst“, sagt der Polizeisprecher.

Nach solchen Ereignissen oder auch wegen Schusswaffengebrauchs im Einsatz, der glücklicherweise nur selten vorkomme, könne es passieren, dass auch der „Freund und Helfer“ Hilfe benötige, gibt Schlott zu bedenken. Für die gesamte hessische Polizei gibt es dafür den Zentralen Polizeipsychologischen Dienst (ZPD) in Wiesbaden. Dort sitzen geschulte Kollegen, an die sich Betroffene freiwillig wenden können, die aber auch aktiv auf Polizisten zukommen, denen ein dramatischer Vorfall passiert ist. Darüber hinaus gibt es auf den Dienststellen eine Vielzahl von Ansprechpartnern für die Problemberatung.

Wer im Polizeiberuf arbeitet, trägt eine größere Verantwortung und dadurch treten auch mehr Gefahren auf. Zwar könne man feststellen, dass in den vergangenen Jahren bei manchen Tätergruppen die Hemmschwelle, Gewalt – auch gegen Polizisten – anzuwenden, gesunken sei. Andererseits habe es „gewalttätige Randalierer immer gegeben und es wird sie auch immer geben“, sagt Schlott.

Insgesamt fühlen sich die Polizisten in der Bevölkerung nach wie vor als „Freund und Helfer“ wahrgenommen. Daran hätte sich bei der Polizei des Hochtaunuskreises auch nach der Silvesternacht in Köln nichts geändert, als es zu gewalttätigen Übergriffen auf Frauen kam und der dortigen Polizei Versagen vorgeworfen wurde. Einen Unterschied zu früheren Zeiten gebe es aber: Die „ältere“ Generation begegne der Polizei mit viel Respekt und Distanz. Bei der jüngeren Generation habe sich das geändert. Hier ist es mittlerweile so, beobachtet der Polizeipressesprecher, dass die Begegnung mit der Polizei zwar auch respektvoll, aber mehr auf Augenhöhe stattfindet. Es gibt allerdings auch Ausnahmefälle.

Aber völlig gleich, wie wir dem „Freund und Helfer“ in unserer Gesellschaft begegnen. Wir alle benötigen ihn und sind froh darüber, dass wir ihn rund um die Uhr erreichen können, wenn wir in Situationen kommen, in denen wir Hilfe brauchen. Auch im gesamtgesellschaftlichen Empfinden ist die Rolle der Polizei nicht mehr wegzudenken.

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