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Zollbeamte betreten bei einer Razzia gegen Schwarzarbeit eine Baustelle. Bei einer solchen Aktion flog die Schwarzarbeit am Bau der Hochtaunus-Kliniken auf.

Mann droht Gefängnis

Chef einer Baufirma hat wiederholt Millionen an Beiträgen und Steuern hinterzogen

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Der Chef einer Baufirma hat zum wiederholten Male Steuern und Sozialbeiträge hinterzogen. Kam der Mann beim ersten Fall mit einer Bewährungsstrafe davon, wird er diesmal wohl ins Gefängnis müssen. Der Staatsanwalt hat viereinhalb Jahre Haft für ihn gefordert. Schließlich geht es um eine Summe von mehr als 9 Millionen Euro.

Bad Homburg - Eine Routinekontrolle der Zoll- und Steuerfahndung auf der Baustelle der Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg brachte im Frühjahr 2013 einen millionenschweren Schwarzarbeits- und Steuerskandal ans Tageslicht. Auf den Baugerüsten werkelten Dutzende Bauarbeiter, die entweder überhaupt nicht oder nur in vermindertem Umfang angemeldet waren. Die Arbeitspapiere und Ausweisdokumente, die sie den Beamten vorlegten, waren größtenteils falsch.

Die Überprüfung an Ort und Stelle setzte einen umfangreichen Fahndungsapparat in Gang. Insgesamt sieben Beschuldigte wurden in dem Komplex geführt – Haftbefehle wurden erlassen und später wieder außer Vollzug gesetzt. Das Vermögen der betroffenen Baufirma wurde schließlich mit rund 9,2 Millionen Euro unter Arrest gestellt. Die hinterzogenen Sozialbeiträge und Steuern hatten sich bis zu diesem hohen Betrag summiert.

Der Hauptverantwortliche des Unternehmens war erst unmittelbar vor Aufdeckung der neuen Straftaten vom Frankfurter Landgericht wegen ähnlicher Dinge (mit einer Vorläuferin der aktuellen Firma) zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt worden und stand deshalb unter laufender Bewährungsfrist.

Deshalb kam es ihm gelegen, dass der neue Prozess lange auf sich warten ließ. Denn als man schließlich Mitte Oktober beim ersten Verhandlungstag zusammenkam, war die Bewährungsfrist bereits abgelaufen, so dass er die zwei Jahre zumindest nicht noch abzusitzen hat. Gleichwohl wird der geständige, 48 Jahre alte Mann um einen Haftaufenthalt diesmal kaum herumkommen.

Staatsanwalt Uwe Reuter beantragte gestern vor der Wirtschaftsstrafkammer nach gut drei Monaten Beweisaufnahme viereinhalb Jahre Haft für ihn – unter anderem auch deshalb, weil er nach der ersten Verurteilung mit den Straftaten völlig unbeeindruckt weitergemacht habe. Zwei weitere Angeklagte, die sich über einen gewissen Zeitraum als Geschäftsführer zur Verfügung gestellt hatten, sollen zweieinhalb Jahre Haftstrafe bekommen. Für die drei übrigen Männer auf der Anklagebank, die untergeordnete Funktionen wahrgenommen hatten, wurden Bewährungsstrafen und geringe Geldauflagen beantragt. Naturgemäß sind solche Leute relativ vermögenslos; einer von ihnen soll deshalb statt der Geldzahlung 150 Arbeitsstunden leisten. Das Verfahren gegen den siebten Angeklagten war bereits zu Prozessbeginn eingestellt worden.

Am kommenden Donnerstag will die von Richter Werner Gröschel geleitete Wirtschaftsstrafkammer die Schlussvorträge der Verteidiger entgegennehmen, Mitte Februar soll dann das Urteil verkündet werden.

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