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Die jetzige Haltestelle ?Gonzenheim? soll zurückgebaut und unter die Erde verlegt werden. Auf der Kreuzung in Blickrichtung soll, sofern die Trasse bis zum Homburger Bahnhof verlängert wird, ein Kreisel entstehen.

Landtagswahl

Millionenprojekt: Homburger stimmen ab, ob die U2 zum Bahnhof verlängert werden soll

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Am Tag der Landtagswahl sollen die Bad Homburger auch Ja oder Nein sagen zur U 2-Verlängerung. Stimmt die Mehrheit von 20 Prozent der Wahlberechtigten dafür, ist das der Startschuss für das Millionenprojekt. Die zehn wichtigsten Fragen.

Warum soll die U 2 verlängert werden?

Im öffentlichen Nahverkehr gibt es derzeit eine Lücke, die nun geschlossen werden kann. Wenn die U 2 künftig nicht nur nach Gonzenheim, sondern bis zum Bahnhof durchfährt, wird es Autofahrern leichter gemacht, auf die Bahn umzusteigen. Dann gäbe es mit S 5 und U 2 eine ringförmige Verbindung vom Homburger Bahnhof in den Frankfurter Norden. So wären auch die knapp 13 000 Arbeitsplätze im Homburger Gewerbegebiet leichter erreichbar. Gemeinsam mit der IHK haben Unternehmen vor eineinhalb Jahren einen Brief unterzeichnet, der die U 2-Verlängerung fordert. Die Stadt erhofft sich zudem eine Entlastung für Bad Homburgs Straßen.

Was wird genau gebaut?

Eine 1,6 Kilometer lange Schienenverlängerung von Gonzenheim bis zum Fürstengleis am Bahnhof und ein 350 Meter langer Tunnel, der bis zu 8,5 Meter tief wird. In Höhe der Gotenstraße verschwindet die Bahn unter der Erde – dorthin wird auch die jetzige Station „Gonzenheim“ verlegt. Der Tunnel endet in der Höhe des Erlenwegs. Dann überquert die Trasse den Dornbach und wird parallel zu den S -Bahn-Gleisen über die Lange Meile und den Hessenring geführt. Dazu müssen die bestehenden Brücken über Hessenring, Lange Meile und den Dornbach verbreitert werden. Die Kreuzung Frankfurter Landstraße/Gotenstraße wird zum Kreisel ausgebaut.

Wie lange wird gebaut – und wann könnte es frühestens losgehen?

Bis alle Aufträge vergeben und die Ausführungsplanung gemacht worden sind, wird es Mitte 2021 sein – das ist der frühestmögliche Startzeitraum. Es gibt drei Bauabschnitte; insgesamt geht die Stadt von dreieinhalb Jahren Bauzeit aus. So könnte zum Fahrplanwechsel 2025 die Jungfernfahrt sein.

Auf welche Behinderungen wird man sich einstellen müssen?

Die Gonzenheimer werden natürlich die Arbeiten am Tunnel mitbekommen. Laut Stadt wird aber nur werktags tagsüber gebaggert. Gleis- und Tunnelausbau erfolgen unterirdisch. Der Deckel über dem Tunnel soll früh wiederhergestellt sein, so dass die Frankfurter Landstraße die ganze Bauzeit befahrbar sein soll – zeitweise jedoch nur einspurig. Daher wird es Umleitungen durch Gonzenheim geben. Der Stadtteil soll dauerhaft mit Bus und U-Bahn erreichbar bleiben.

Wie viel kostet das Vorhaben?

66 Millionen – alle mögliche Risiken und Baukostensteigerung mit eingerechnet. Bund und Land übernehmen 80 Prozent der förderfähigen Kosten; bei der Stadt bleiben aber immer noch im schlechtesten Falle 22 Millionen. Das Geld ist im Haushalt bereits eingepreist; es müsse dafür nicht anderswo gespart werden.

Die geplante Trasse verläuft teils über private Grundstücke. Hat die Stadt alle Areale gekauft?

Es geht um rund 100 Quadratmeter, die die Stadt von privaten Eigentümern benötigt. Mit diesen wurde bereits 2012 gesprochen. Begeistert sei niemand gewesen, aber es laufen auch keine Klagen, erklärt Holger Heinze, Leiter der Stadtplanung. Für die Bauarbeiten wird zudem temporärer „Bauraum“ benötigt.

Welchen Abstand wird die Trasse zu den Häusern haben?

Mindestens sieben Meter – diesen Abstand werden die künftigen Gleise zum Gebäude Erlenweg 4 haben.

  Was sagen die Kritiker?

Naturschützer befürchteten vor einigen Jahren ein „Homburg 21“. Ein ganzer Stadtteil werde durch die Bauarbeiten gelähmt, auch sei das Vorhaben zu teuer. Manche Gonzenheimer sind skeptisch beim Thema Lärmschutz und es wurde auch die Frage ausgeworfen, dass noch nicht geklärt sei, wer für die Unterhaltungskosten der Bahnverbindung aufkommt.

Was ist an Schallschutz geplant?

Mehr als gesetzlich notwendig ist – das war für das Stadtparlament Bedingung zum Beschluss, überhaupt einen Bürgerentscheid zur U-Bahn-Verlängerung durchzuführen. Es gibt ein Lärmschutzkonzept, das vom Regierungspräsidium abgesegnet wurde. Laut OB Alexander Hetjes (CDU) soll die oberirdische Trasse zu beiden Seiten – in Richtung „Am Erlengrund“ sowie in Richtung Lange Meile – Schallschutz bekommen, aber wo genau, werde man erst wissen, wenn die Ausführungsplanung steht. Im Rathaus ist man überzeugt, dass auch von S-Bahn und Taunusbahn künftig weniger Krach zu hören sein werden.

Was die U 2 betrifft, so soll geprüft werden, ob die Züge oberirdisch an manchen Stellen langsamer fahren sollen. Auch Schmieranlagen oder Rasengleise sind Möglichkeiten der Lärmreduzierung, die geprüft werden sollen. Entlang der bestehenden Strecke werde es sogar eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität geben, verspricht OB Hetjes.

Wie viele Wähler müssen zustimmen, damit der Bürgerentscheid gilt, und wie geht es danach weiter? 

Mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen am Sonntag, 28. Oktober, ihre Stimme abgeben. Das können sie im Wahllokal für die Landtagswahl gleich miterledigen. Bei rund 41 000 Wahlberechtigten handelt es sich um etwa 8000 Stimmen, die für den Bürgerentscheid notwendig sind.

Für eine der beiden Möglichkeiten – bauen oder nicht bauen – muss es eine Mehrheit geben. Stimmen die meisten Bürger für den Ausbau, wird die Stadt beginnen, die Aufträge für das Bauvorhaben zu vergeben. Wird das Quorum von 20 Prozent Wahlbeteiligung nicht erreicht, entscheidet die Stadtverordnetenversammlung, wie es weitergeht.

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