Internationale Kooperation

Millionenprojekt: 700 syrische Flüchtlingskinder können in die Schule gehen

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Fluchtursachen bekämpfen soll ein neues Projekt der Homburger Rotarier im Libanon: eine Schule für die Kinder syrischer Flüchtlinge. Dafür haben sie eine enorme Summe mobilisiert.

Als 2015 immer mehr Flüchtlinge in den Taunus kamen, waren die Bad Homburger Rotarier zur Stelle. „Wir haben die Sprachausbildung und die Vermittlung von Arbeitsplätzen unterstützt“, berichtet Erhard Krause vom Rotary Club (RC) Bad Homburg v.d.H.. Doch bald war den Herren klar, dass die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern sinnvoll ist.

Den Bürgerkrieg in Syrien vermögen die Wohltäter aus der Kurstadt nicht zu beenden. Krause hörte sich in rotarischen Kreisen um; schließlich tat er ein Projekt im Libanon auf: eine Schule für Kinder aus den dortigen Flüchtlingscamps. Krauses Kollegen im Club waren sogleich begeistert. Das größte internationale Hilfsprojekt deutscher Rotarier nahm seinen Anfang. Heute ist für 700 Mädchen und Jungen im Libanon der erste Schultag, seitdem sie ihre Heimat verlassen mussten – für die meisten ist es der erste Schultag überhaupt.

Wie wertvoll dies für die weitere Entwicklung der Region im Nahen Osten ist, weiß niemand so gut wie Richard Verity, Leiter von „Bashmee and Zeitooneh“ (B & Z), einer Nichtregierungsorganisation im Libanon, die sich um die schulische und kulturelle Betreuung syrischer Flüchtlinge kümmert. Laut RC leben eineinhalb Millionen Migranten im kleinen Libanon. Die Hälfte von ihnen seien Kinder im schulpflichtigen Alter, wovon wiederum die Hälfte keine Möglichkeit habe, eine Schule zu besuchen. „Die Menschen leben in Zelten oder provisorischen Häusern“, berichtet B&Z-Mitarbeiterin Yasmin Kayali.

In der Bekaa-Ebene, fünf Kilometer vor der syrischen Grenze und eineinhalb Autostunden von der syrischen Hauptstadt Damaskus entfernt, fand die Organisation ein ehemaliges Wohnhaus, das sie zur Schule umbaute. Wände wurden eingerissen, um Klassenzimmer zu bekommen, ein Spielplatz wurde gebaut. In der Region, schätzt Verity, leben etwa 20 000 Flüchtlingskinder. Rund 70 Prozent von ihnen hätten keinen Zugang zu Schulen. „Es droht eine verlorene Generation, die ihr Leben lang Schwierigkeiten hätte, nach der erhofften Rückkehr wieder die Heimat zu entwickeln“, so die Rotarier.

Beim Einschreiben standen die Kinder und ihre Eltern Schlange. Im September wurden die 700 Kinder in einem Probebetrieb getestet. Viele können weder schreiben noch lesen. Nun geht das Projekt an den Start. Das Angebot ist für Jungen und Mädchen von 5 bis 13 Jahren gedacht. „Später wird es schwieriger, die Jugendlichen zum Schulbesuch zu motivieren“, weiß Kayali. Jungen würden zuweilen zum Arbeiten herangezogen, manche Mädchen müssten früh heiraten. Die Kinder werden mit Bussen von den Flüchtlingscamps zur Schule gefahren. Der Unterricht läuft in zwei Schichten, die Hauptfächer sind Mathe, Englisch und Arabisch. „Damit können sie überleben“, so Verity.

Das Geld der Rotarier stellt sicher, dass die Schule zunächst für drei Jahre ihren Betrieb aufnehmen kann. 30 Lehrer und Sozialarbeiter arbeiten dort. „Viele Kinder sind durch die Flucht traumatisiert“, so Kayali. Es ist ein Projekt, das die finanziellen Mittel der Homburger Rotarier überfordert hätte. Unter Federführung von Krause und dem bis Juni amtierenden RC-Präsidenten Dr. Christoph Wolff gelang es den Wohltätern, rund 2,3 Millionen Euro zu mobilisieren. Zwölf Rotary Clubs, auch aus dem Taunus sowie je einer aus Österreich, den USA und dem Libanon, beteiligen sich an dem Projekt, außerdem hilft das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

„Schulbildung für Flüchtlingskinder ist von entscheidender Bedeutung, wenn sie eine friedliche Zukunft in ihrer Heimat haben sollen“, sagt Krause. „Das gilt insbesondere für Mädchen“, so Krause.

Für Frauen und Mädchen ist Flucht oft noch einmal härter. Sie stehen seit 2012 im Fokus von „Bashmee and Zeitooneh“, was „Lächeln und Olive“ bedeutet. „Flüchtlinge brauchen nicht nur etwas zu essen“, erläutert Kayali den Namen. „Das Lächeln nährt ihre Seele.“

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