Musik, schon fast nicht mehr von dieser Welt

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Die besten jungen Musiker, die das Land momentan zu bieten hat, spielten mit besonderen Leckerbissen aus Klassik und Romantik das Abschlusskonzert des Lied- und Kammermusikfestes.

Dass Carl Czerny (1791–1857) nicht nur mit seiner „Schule der Geläufigkeit“ Klavierschüler aller Generationen auf Trab brachte, sondern sich auch sonst noch allerhand einfallen ließ, war auf höchstem musikalischem Niveau am Sonntag in der Schlosskirche zu hören. Aus 40 nur so zum Zeitvertreib komponierten Streichquartetten spielten Sarah Christian und Ágnes Langer (Violine), Manuel Hofer (Viola) und Maximilian Hornung (Violoncello) das in c-Moll. War das ein Musizieren!

Temperament, Leidenschaft, Dramatik standen lyrischen, tief empfundenen zarten Seelentönen in krassem Gegensatz gegenüber. Mit der ganzen Palette zwischen atemberaubend virtuosen, kraftvoll satten Passagen und sensibel hingehauchten Klängen riss das Quartett seine Zuhörer mit dieser selten gehörten Musik des Beethovenschülers schon zu Begeisterungsstürmen hin. Mit dem beliebten Hornquintett Es-Dur KV 407 von Wolfgang Amadeus Mozart (1759–1791) stieg die Laune der Besucher noch eine Stufe höher, zumal Felix Klieser der besonders begabte Interpret war. Allein mit dem Ansatz der Lippen und dem gelenkten Atemstrom erzeugt der 25-Jährige, der ohne Arme geboren wurde, exakte Intonation und die besonderen Klangfarben dieses Instruments. Vor allem der letzte Satz stellt mit dem furiosen Rondo-Thema hohe Anforderungen, die Klieser scheinbar absolut mühelos zu erfüllen schien.

Die besondere Besetzung, die Mozart für diese Musik vorsah – statt der zweiten Geige eine zweite Bratsche (Péter Pál Lukács) – schafft eine ganz neue Klangwirkung. Als „ein echtes Schwergewicht der Romantik“ hatte Carl-Werner Joerg, der mit dem Erfolg der Reihe sehr zufriedene Veranstalter, das Klavierquintett Nr. 2 A-Dur op. 81 von Antonín Dvorák eingeführt. Am Flügel saß Nuron Mukumi. Die slawische Seele war mit dieser Musik, stark von folkloristischen Motiven besonders in der Dumka geprägt, im besten Sinne fast greifbar im Raum anwesend. Das Scherzo (Furiant) verstärkte in der Art des temperamentvollen böhmischen Volkstanzes diese Wirkung, das Finale brachte noch weitere Steigerung. Wenn fünf junge Musiker, allesamt auf besonders hohem Niveau ihres Könnens, so unglaublich virtuos, so tief empfunden und ausdrucksstark mit all ihrer Leidenschaft musizieren, ist das Ergebnis schon fast nicht mehr von dieser Welt.

Viele Male mussten sich die Künstler am Ende unter tosenden Salven des Applauses wieder und wieder vor ihrem Publikum verneigen. Eine große Musikerzukunft hat jeder einzelne vor sich.

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