Musikalisches Denkmal für den Frühling

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Vivaldis „Vier Jahreszeiten“: Der krönende Abschluss der Saison für die Reihe der Schlosskonzerte wurde mit einem Konzert der Extraklasse am Freitag erreicht.

So alt schon, doch jedes Jahr erneut und so auch immer ewig jung – die Jahreszeiten kehren zuverlässig wieder. Zauber, Verheißung, Urkraft wohnt ihnen inne. Antonio Vivaldi (1678–1714) hat einer jeden von ihnen ein Denkmal gesetzt, hat Eindrücke und Erlebnisse jeweils zu musikalischen Bildern verarbeitet und so ein frühes Beispiel für Programmmusik geschaffen. „Die vier Jahreszeiten op. 8, 1–4“ sind vier Violinkonzerte, von denen jedes eine Jahreszeit portraitiert und charakterisiert.

Interpretiert wurde das Werk von den „Mainzer Virtuosi“. Sie sind ein junges Streicherensemble, gegründet 2007. Es setzt sich aus besonders talentierten Studentinnen und Studenten der Hochschule für Musik in Mainz zusammen, die aus ganz Europa, Asien und Kanada kommen. Die meisten von ihnen haben auch schon nationale und internationale Preise gewonnen, befinden sich also bereits auf einem Höhepunkt ihres Könnens.

Das Ensemble spielte ohne Dirigenten und wurde geleitet vom jeweiligen Solisten oder vom Konzertmeister. Taehyung Lee war der Solist bei La Primavera (Der Frühling) op. 8, 1 mit Vogelgezwitscher von drei Soloviolinen, Murmeln von Quellen und Schmelzwasser, auch leiser Frühlingswind war zu hören und dann sogar ein Gewitter.

Da jeder Jahreszeit, vermutlich von Vivaldi selbst, ein Sonett vorangestellt und sehr genau der Musik zugeordnet ist, hat der Zuhörer eine genaue Vorstellung vom Geschehen. Der zweite Satz spielt auf die Schäferdichtung an, der Schlusssatz auf einen ländlichen Tanz. L’Estate (Der Sommer) op. 8, 2 mit Solistin Irina Borissova stellt schwere Sommerhitze dar mit langsam schleppenden Akkorden. Auch hier gibt es Vogelstimmen, und langsam baut sich Spannung auf für Hoffnung auf Abkühlung, bis plötzlich die kalten Nordwinde dramatisch dazwischenfegen. Dieses Motiv zieht sich auch durch die beiden anderen Sätze.

Ernte, Jagd und frohes Feiern kennzeichnet L’Autunno (Der Herbst) op. 8, 3 mit der Solistin Ágnes Langer. L’Inverno (Der Winter) op. 8, 4 schließlich zeichnet klirrende Kälte, im langsamen Satz Behaglichkeit am Kamin, im letzten Satz das Bersten von Eis mit der Solistin Elisaveta Fedyukova. Jede einzelne Jahreszeit hatte bei den Zuhörern rauschende Begeisterung zur Folge. Das gesamte Ensemble und besonders die vier Solisten spielten mit solch virtuosem Können, mit so viel eigener Freude, dass sich niemand nur im Geringsten der kolossalen Wirkung verschließen konnte.

Jun Jo, der 22-jährige Pianist, sorgte mit dem Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) für weitere Höchststimmung. Er interpretierte diese wunderbare Musik mit unglaublichem Können und berührendem Einfühlungsvermögen. Auch er besitzt eine ganz außergewöhnliche Begabung und hat bereits viel erreicht; erst eine Woche zuvor hatte er in München den Richard-Strauss-Preis gewonnen. Die Zuhörer waren am Ende vor Begeisterung nicht mehr zu halten, minutenlang wurden alle Musiker des Abends gefeiert. Facile aus Mozarts C-Dur Sonate und „Morgen“ von Richard Strauss waren die Zugaben.

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