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Sven Eberle

Hilfe für Obdachlose

Musiker Sven Eberle unterstützt Menschen, die auf der Straße leben

Der Winter ist eine besonders harte Zeit für Menschen, die auf der Straße leben. Schon die Tage sind kalt, in den Nächten aber wird es richtig eisig. Dann ist es ein großes Geschenk, wenn Sven Eberle mit einem Schlafsack vorbeikommt.

Sven Eberle weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt, auf der Straße zu leben. Denn er hat das selbst erlebt. Daher muss er auch nicht lange darüber nachdenken, was Obdachlose am nötigsten brauchen, sich aber nicht leisten können. In den kalten Herbst- und Wintermonaten sind das ganz klar ein guter Schlafsack und eine Isomatte. Auch ein kleiner Kocher, um sich mal einen Tee, Kaffee oder eine Dose Ravioli warm zu machen, sei für Obdachlose ein großes Geschenk, sagt Eberle. In diesem Herbst habe er schon 20 Schlafsäcke verteilt, etwa zehn habe er noch im Keller. Dann muss er wieder neue kaufen.

Das Geld dafür nimmt er zum Teil bei seinen Auftritten als Straßenmusiker ein. Er spielt Gitarre und singt - meist steht er samstags in der Louisenstraße: "Es ist gediegene Musik, ein bisschen was Romantisches", sagt Eberle. Doch allein von der Straßenmusik kann er Schlafsäcke, Isomatten und Kocher mit Geschirr nicht finanzieren. Zwar investiere er auch Weihnachts- und Urlaubsgeld in die Schlafsack-Aktion, aber er sei zudem auf Spenden angewiesen. "Ich freue mich, wenn sich Leute für die Aktion interessieren und bin auch gerne bereit, sie genauer zu informieren", bietet der 40-Jährige an.

Haltbarkeit: drei Monate

Dann kann er beispielsweise erklären, weshalb er jährlich rund 70 Schlafsäcke verteilt, obgleich in Bad Homburg "nur" zwischen 10 und 15 Obdachlose leben. "Ein Schlafsack hält nicht lange, wenn er tagtäglich und bei jedem Wetter auf der Straße genutzt wird. Dann ist der nach drei Monaten fertig." Zudem verteile er die Schlafsäcke nicht nur in Homburg, sondern von Friedberg bis Königstein. Und es kämen noch Obdachlose hinzu, die auf der Durchreise sind.

"Ich habe in meinem Auto immer ein paar Schlafsäcke drin, die ich bei Bedarf verteile", erzählt Eberle. In diesen Tage ist er gezielt unterwegs, um auf der Straße lebenden Menschen zu helfen. Er organisiert ihnen auch ein Frühstück oder gibt einen Kaffee aus. "Letztens war ich frühmorgens in Frankfurt und sah zwei noch schlafende Obdachlose. Dann bin ich zum Bäcker und habe ihnen ein Frühstück hingelegt. Denn ich hätte mich früher, als ich auf der Straße lebte, sehr gefreut, beim Aufwachen eine Tüte mit Brötchen zu finden."

Seine erste Schlafsack-Aktion startete Eberle vor drei Jahren. Auslöser war ein Erlebnis in der Commerzbank: Dort sah er frühmorgens beim Geldabheben zwei Bedürftige, die frierend im Vorraum Schutz gesucht hatten. Das bewegte ihn letztlich dazu, etwas zu tun.

Falsche Diagnose

Klar, dass er stets seine eigenen Erlebnisse im Hinterkopf hat. Über eine lange Zeit sei es in seinem Leben immer wieder hoch und runter gegangen. Alkohol und Cannabis prägten seine Tage, zum Schluss lebte er auf der Straße. "Irgendwann bin ich auf der Straße zusammengebrochen und bekam von einem Arzt gesagt, dass ich nicht mehr lange zu leben hätte. Das war ein Schlüsselerlebnis."

Die Diagnose des Arztes sei falsch gewesen, vielleicht habe der ihn aber auch aufrütteln wollen. Mit Erfolg. Eberle schaffte den Ausstieg, machte eine Entgiftung und Therapie. "Mittlerweile führe ich ein bodenständiges Leben, habe Wohnung und Auto, eine Vollzeitstelle bei Ikea und bin dort Suchtberater." Und er hilft anderen.

Dabei steht er auch in Kontakt mit dem Haus Mühlberg, wo Obdachlose eine vorübergehende Unterkunft finden. Es gebe aber immer wieder Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ein solches Angebot nicht nutzen wollen.

Eberle weiß, dass viele Berührungsängste mit Obdachlosen haben, deren Dasein verdrängen. Er will auf ihr Schicksal aufmerksam machen.

Aus seiner Sicht müsse mehr für sie getan werden. "Es muss Möglichkeiten geben, wieder in das System zurückzukommen." Was dafür investiert werde, komme letztlich wieder zurück. "Meine Intention ist, den ein oder anderen Obdachlosen wieder in die Gesellschaft zu bringen", sagt Eberle. Er appelliert, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen: "Es gibt 1000 Gründe, in Obdachlosigkeit zu geraten, aber keinen einzigen, einen Obdachlosen nicht wie einen Menschen zu behandeln."

Kontakt: Svensmusik@gmx.de

Nadine Klein

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