Umfrage

Was muss ein guter Lehrer heute können?

Zum heutigen „Tag des Lehrers“ hat sich die TZ bei Lehrern und Schülern umgehört: Was muss der ideale Pädagoge so alles beherrschen? Und was hat sich im Berufsbild im Laufe der Jahre geändert?

Wilhelm Busch schrieb 1865 als Einleitung zum vierten Streich seiner berühmten Romanhelden „Max und Moritz“: „Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss. Dass dies mit Verstand geschah, war Herr Lehrer Lämpel da.“ 115 Jahre später griff die britische Rockband Pink Floyd in ihrem berühmtesten Album „The Wall“ das Lehrer-Thema erneut auf, aber ganz anders. Im Song „Another Brick In The Wall“ singt ein Schülerchor folgenden Text (ins Deutsche übersetzt): „Wir brauchen keine Gedankenkontrolle, keinen finsteren Sarkasmus im Klassenzimmer. Lehrer lasst diese Kinder in Ruhe!“

Ist etwas bis heute übrig geblieben von Wilhelm Buschs und Pink Floyds Einschätzung von Lehrern? Laut einer Emnid-Umfrage glauben 74 Prozent der Deutschen, dass unsere Lehrer überwiegend gute Arbeit leisten. Lediglich 12 Prozent geben ihnen eine schlechte Bewertung. Und auch die große Mehrheit der Lehrkräfte gehen „sehr gern“ oder „eher gerne“ in die Schulen, um ihren Beruf auszuüben.

Offenheit und Akzeptanz

für kulturelle und soziale Verschiedenheit“ – das ist die Basis für den Lehrerberuf, sagt Ursula Hartmann-Brichta, seit dem 1. August Leiterin der Gesamtschule am Gluckensteinweg in Bad Homburg. Sie selbst unterrichtet Englisch und Biologie. Die Wahl des naturwissenschaftlichen Faches führt sie nicht zuletzt auf ihre ehemalige Bio-Lehrerin zurück. „Sie hat dieses Fach engagiert und mit großer Glaubwürdigkeit vermittelt“ erinnert sich Hartmann-Brichta.

Seit ihrer eigenen Schulzeit haben sich die Rahmenbedingungen im Schulsystem massiv verändert. Eine große Heterogenität ist in die Schulen eingezogen. Sowohl von außen kommend durch Änderung der Bevölkerungsstruktur als auch durch neue Organisationsformen wie zum Beispiel die Gesamtschulen, von denen die Leiterin der GaG voll überzeugt ist. Sie sagt, was nach wie vor unabhängig von den verschiedenen Schulformen gelte: „Man muss als Lehrkraft davon ausgehen, dass jeder, ob jünger oder älter, bereit ist zu lernen. Neugier ist den Menschen angeboren. Diesen natürlichen Impuls muss man fördern. Wenn die Schüler sagen ,Ich will das wissen‘, hat man als Lehrer schon gewonnen.“

In den Nachkriegsjahren blieben die Lehrer Respektspersonen. Man stand auf und nahm Haltung an, wenn sie die Klassen betraten. In der nach 1968er Zeit experimentierte man mit antiautoritärer Erziehung, die Lehrkräfte wurden Freunde oder Kumpels. Heute sind sie für viele Schüler Dienstleister, die dafür bezahlt werden, sie zu unterrichten.

Beim Gespräch mit Celine Sydow und Jonathan Fratz (beide 16), gemeinsam Schulsprecher der Humboldtschule in Bad Homburg, taucht der Begriff „Respektsperson“ erstaunlicherweise wieder auf. Die beiden sehen diesen Begriff jedoch nicht als Unterordnung sondern ganz pragmatisch als hilfreich im Umgang miteinander. Sie sagen sogar: „Es kommt bei uns gar nicht so gut an, wenn Lehrer versuchen, von ihrem Status wegzukommen und sich anbiedern.“ Sie sollten auch nicht vom Lehrstoff abdriften und versuchen, auf nicht schulische Dinge Einfluss zu nehmen. Den Weg der Mitte und eine gewisse Distanz der Unterrichtenden ziehen Celine (Kernfächer Biologie und Englisch) und Jonathan (Mathematik und Chemie) vor.

Beide opfern als Sprecher der Schülermitverwaltung fünf bis sechs Stunden ihrer Freizeit pro Woche. In diesem Punkt haben sie sogar echte Vorbilder in der Lehrerschaft: „Es gibt sehr viele, die in ihrer Freizeit außerhalb der regulären Dienstzeiten sich für Sonderveranstaltungen wie Sportwettbewerbe oder Tanzabende zur Verfügung stellen“, loben sie. Als Schulsprecher hat das Duo seine erste Bewährungsprobe hinter sich. Sie mussten die Interessen von Lehrern, Eltern und Schülern unter einen Hut bringen und es gelang: An der Humboldtschule gilt seit August ein Handy-Verbot.

Derartige Probleme gab es noch nicht, als Dr. Klaus Metz von 1953 bis 1960 täglich als Schüler die KFG (damals KFS) besuchte. Drei Telefone gab es im ganzen Haus, eines beim Direktor, ein zweites bei seiner Vorzimmerdame und eines hatte der Hausmeister für Notfälle. Als Gruppenleiter in der katholischen Jugendarbeit entdeckte er den Spaß und seine Begabung für pädagogische Aufgaben. Der damalige Schulleiter Dr. Joachim Dienemann holte ihn an die KFS zurück als Lehrer für Deutsch, Geschichte und katholische Religion (1970 bis 2012) in der Schule, die er selbst einmal besucht hatte. Er begegnete in seiner neuen Rolle Lehrkräften, die ihn selbst einmal unterrichtet hatten. „Das war völlig unproblematisch“ sagt er heute. Vorbilder habe es für ihn dort keine gegeben, meint er heute. „Die Lehrerschaft war weder früher noch heute eine homogene Gruppe. Da gab es gute und schlechte, einige, mit denen man weniger gut, und andere, mit denen man besser zurechtkam.“

Er entwickelte seinen eigenen Unterrichtsstil. „Als Lehrer sollte man nicht nur vorne stehen und dozieren“, sagte er sich. So fand man ihn immer öfter mitten in der Schülerguppe sitzend, wenn es dort einen freien Platz gab. Ein immer wieder neues überraschendes Gesicht seiner Schüler erlebte er bei Wandertagen. Damals ging es nicht in Freizeitparks, sondern es wurden große Strecken zu Fuß bewältigt. „Da habe ich meine Schüler außerhalb der Unterrichts-Routine oft ganz anders kennengelernt“, erinnert sich der Pädagoge.

Und was hat sich in seinem Beruf geändert? Die Tätigkeit der Lehrkräfte sei schwieriger geworden, so Metz. „Viele gesellschaftliche Probleme sollen heute in den Schulen bewältigt werden. Die Politik gibt Mängel an die Lehrer weiter, die zwar ihr spezielles Fach beherrschen, aber darüber hinaus oft überfordert sind.“

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