Jugendgericht

Nach Belästigung in S-Bahn: Verwarnung für die Grapscher

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Weil sie eine 19-Jährige auf einer Bahnfahrt an Knie und Hinterteil getatscht haben, wurden drei junge Flüchtlinge verwarnt. Auf einen wartet sogar Arrest.

Wegen sexueller Belästigung standen drei junge Asylbewerber (16, 17 und 19 Jahre alt) vor dem Jugendgericht. Der Älteste und der Jüngste wohnen in Bad Homburg. Der 17-Jährige ist in Friedrichsdorf in einer Asylunterkunft untergebracht. Alle drei waren 2015 getrennt voneinander nach Deutschland gekommen. Während die beiden Älteren aus Afghanistan stammen, ist der Jüngste Iraner.

Am 19. August vergangenen Jahres gegen 23.30 Uhr fuhren die drei mit der S-Bahn von Frankfurt nach Bad Homburg. Im selben Abteil saß auch eine damals 19 Jahre alte Bad Homburgerin. Sie hatte in einer Vierer-Sitzgruppe Platz genommen. Doch sie blieb nicht lange allein. Denn die zunächst etwas abseits sitzenden jungen Männer interessierten sich sehr für die junge Frau. Zunächst näherte sich ihr der Älteste aus dem Trio. Die beiden anderen folgten kurz darauf. Der 19-Jährige versuchte dann, den Kontakt zu intensivieren und machte Handy-Fotos von der jungen Frau, was diese sich selbstverständlich verbat.

Schließlich fasste der 19-Jährige der Frau ans Schienbein und dann ans Knie. Um sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, wollte die Frau ihren Sitzplatz wechseln. Dabei klopfte ihr der damals 15-Jährige auf den Po. Als sich die junge Frau dagegen wehrte, wurde ihr von einem der jungen Männer der Arm festgehalten. „Ich bekam richtig Angst“, sagte die inzwischen 20-Jährige vor Gericht. Ihr gelang es dennoch, die Polizei anzurufen.

In Bad Homburg verließ die Frau dann den Zug. Die übergriffigen Mitfahrer versuchten, ihr zu folgen, wurden aber von einem anderen Mitreisenden zunächst zurückgehalten. Trotzdem folgte das Trio der Frau, glücklicherweise traf die Polizei rechtzeitig ein. Als die drei jungen Männer die Beamten erspähten, flüchteten sie, wurden jedoch wenig später geschnappt. „Ich habe seit diesem Vorfall Angst, vor allem abends allein mit der Bahn zu fahren“, sagte die Frau aus.

Ob sie eine Schwester hätten und wie diese es fänden, wenn diese so bedrängt und betatscht würde, fragte die Richterin die drei Angeklagten, die relativ gut deutsch sprechen. Natürlich würden sie so etwas nicht akzeptieren, lautete die Antwort. „Ich war total besoffen“, versuchte sich der zur Tatzeit 15 Jahre alte Angeklagte zu rechtfertigen. Auch seine Begleiter verwiesen auf ihren vorherigen Alkoholkonsum. Positiv anzurechnen ist den Grapschern, dass sie ihr Fehlverhalten einsahen und – mit etwas Nachdruck der Richterin – zu einer Entschuldigung bei ihrem Opfer bereit waren.

In der Verhandlung wurde bekannt, dass der älteste Angeklagte vor drei Jahren als „unbegleiteter Jugendlicher“ über den Iran nach Deutschland eingereist war. Er hat inzwischen eine Lehrstelle und wohnt in einer von der Stadt Bad Homburg zugewiesenen Wohnung. Bisher war er einmal wegen einer „nicht schwerwiegenden Körperverletzung“ aktenkundig geworden. Auch die beiden anderen Angeklagten waren über den Iran eingereist. Der Jüngste wohnt mit seinen Eltern zusammen. Der junge Mann aus Friedrichsdorf lebt mit Mutter und zwei Geschwistern in einer Asylunterkunft.

Alle drei haben offenbar Probleme, sich einzugewöhnen. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes nannte es „kulturelle Zerrissenheit“, in der sich verstärkt Respektlosigkeit zeige. Ein Aspekt, der sich auch in den folgenden Urteilen bemerkbar machte. Alle drei wurden gemäß Jugendstrafrecht verwarnt. Dem Ältesten – jetzt 19 – wurde von der Jugendrichterin auferlegt, am Seminar „Ehre und Respekt“ teilzunehmen. Außerdem muss er 40 Arbeitsstunden leisten. Der Jüngste soll ebenfalls dieses Seminar besuchen oder als Alternative an Therapie-Einzelgesprächen teilnehmen. Er muss zudem 30 gemeinnützige Arbeitsstunden verrichten.

Etwas härter traf es den in Friedrichsdorf wohnenden 17-Jährigen, da bei ihm noch eine Bedrohung in der Asyl-Unterkunft hinzukam. Er hatte einem Mitbewohner mit „Abstechen“ gedroht“ und muss nun einen Wochenendarrest verbüßen und 30 Arbeitsstunden leisten.

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