Parteiinterner Ärger

Nach dem Facebook-Post brodelt es in der AfD

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Der widerliche Post auf Facebook erweist sich für die AfD mehr und mehr zum Bumerang. Nachdem es harsche Kritik von außen gegeben hatte, macht sich nun auch parteiintern Ärger breit.

Ist erst einmal der Wurm drin, dann ist der Wurm auch wirklich drin. Was es bedeutet, einen negativen Lauf zu haben, muss derzeit die AfD im Hochtaunuskreis schmerzhaft erfahren. Zunächst löste sich die Fraktion im Bad Homburger Stadtparlament in seine Einzelteile auf, dann setzte es bundesweit Kritik an einem Hass-Post auf der Facebook-Seite der AfD-Fraktion im Kreistag. Letzterer hat noch ein innerparteiliches Nachspiel, das jedoch öffentlich zelebriert wird.

Jetzt hat sich Peter Münch, Mitglied der AfD-Kreistagsfraktion und stellvertretender Kreistagsvorsitzender, beim Ältestenrat schriftlich für die „in der Tat unverzeihliche Entgleisung, die auf der FB-Seite der AfD-Kreistagsfraktion verbreitet wurde“, entschuldigt. Und das wohl ohne Wissen oder Placet seiner Fraktion.

Münch bezieht sich damit auf einen Facebook-Post, der nach den Vorkommnissen in Chemnitz auf der Seite der AfD-Kreistagsfraktion erschienen war. Darin hieß es unter anderem: „Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten sich Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken, denn wenn die Stimmung endgültig kippt ist es zu spät“. Dies, so der Homburger Rechtsanwalt, sei ohne Wissen der Fraktion geschehen. Deren Mitglieder seien über den Inhalt des Posts inhaltlich entsetzt. Den schwarzen Peter schiebt er dem Fraktionsvorsitzenden Thomas Langnickel zu. Der sei für die Inhalte auf der Facebookseite verantwortlich, aber dennoch nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Und daher fordert Münch, selbst eine streitbare Figur innerhalb der AfD, gegenüber der TZ nicht nur, dass Langnickel die Verantwortung für Facebook abgibt, sondern auch, dass er von seinem Amt als Fraktionschef zurücktritt. „Es ist besser, er tut das freiwillig, bevor er irgendwann abgewählt wird.“ Ein Rücktritt würde sowohl für Langnickel als auch für die AfD besser aussehen.

Mit seiner öffentlichkeitswirksamen Entschuldigung beim Ältestenrat und seiner Rücktrittsforderung gegenüber Langnickel hat Münch nun seinen Kreisvorsitzenden Peter Lutz in die Bredouille gebracht. Der hatte nach Veröffentlichung des Posts – der, als der Sturm der Entrüstung losbrach, von der Seite gelöscht wurde – dafür plädiert, die Problematik parteiintern zu klären. Das ist jetzt erst mal Makulatur, da Münch „aus einer internen Sitzung zitiert hat“. Allerdings fordert Lutz nicht den Rücktritt Langnickels als Fraktionschef, will aber dennoch wissen, wie es zum Facebook-Gate der AfD gekommen ist.

„Wir wollen schon wissen, wer diesen unglückseligen Post veröffentlich hat“, so Lutz, der weiter sagt: „Es ist nun an Langnickel, in dieser Affäre Konsequenzen zu ziehen, ansonsten machen das andere. Einer muss Verantwortung übernehmen.“ Der Kreisvorsitzende bezieht sich damit aber rein auf Langnickels Aktivitäten als Facebook-Verantwortlicher. Ein Amt, dass der Kronberger nicht mehr lange inne haben dürfte. Die weitere Vorgehensweise soll auf der Fraktionssitzung am Mittwoch kommender Woche besprochen werden.

Am Fraktionsvorsitzenden Langnickel, der gestern telefonisch nicht zu erreichen war, will Lutz jedoch festhalten: „Er macht ansonsten eine vernünftige Arbeit, an der nichts auszusetzen sei.“ Ohnehin werde das Thema zu hoch aufgehängt – woran die Medien nicht ganz unschuldig seien. Und schwups sind wir wieder in Chemnitz. Was sich die Presse da geleistet habe, sei im Wesentlichen „Lug und Betrug“, von einer vierten Gewalt im Staate könne da nicht mehr die Rede sein.

Die Zufriedenheit von Lutz mit der Arbeit des Fraktionsvorsitzenden teilt Münch definitiv nicht – im Gegenteil: Langnickel treffe regelmäßig Fehlentscheidungen, die er im Nachhinein nicht eingestehe. Unter anderem den Fehler, dass er ihn – Münch – zwischenzeitlich aus der Fraktion geworfen habe. Eine Entscheidung, die später vor Gericht kassiert wurde und Münch den Weg zurück in die AfD-Fraktion im Kreistag ebnete.

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