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Gunter Demnig verlegt vor der Wallstraße vier Stolpersteine, die an Margot Frieda Adler, Helene Adler, Ludwig Gutmann und Franziska Gutmann erinnern.

Gunter Demnig verlegt erste Stolpersteine

Namen vergisst man nicht

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In Bad Homburger verlegt der Künstler Gunter Demnig die ersten Stolpersteine. Ein Versuch, Menschen 75 Jahre nach ihrer Deportation ihre Würde zurückzugeben und dem unfassbaren Grauen ein Gesicht zu verleihen

Melancholisch wehen die Klarinettenklänge über den kleinen Platz vor der Volkshochschule. Dort, wo einst die Bad Homburger Synagoge stand und wo ein Denkmal an die Opfer des nationalsozialistischen Wahns erinnert. Traurig und dennoch würdevoll hat ein unbekannter Komponist das Leben, Warten und Sterben im Ghetto in Töne verwandelt und so dazu beigetragen, dass das Grauen, das die Menschen dort erlebt haben, auch heute noch spürbar ist. Auch in Bad Homburg, auch bei Menschen, die jene dunklen Jahre nicht erlebt haben. Und dieses Erfahren ist heute wichtig, vielleicht wichtiger denn je.

Seit gestern gibt es außer dem Denkmal an der VHS und der Gedenkplatte am Bahnhof, die an die Deportationen 1942 mahnt, weitere Erinnerungen an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Künstler Gunter Demnig verlegte in der Wallstraße (ehemalige Homburger Judengasse), Obergasse und Kaiser-Friedrich-Promenade 12 Stolpersteine vor Häusern, in denen einst Mitbürger wohnten, die 1942 aus Bad Homburg deportiert und in Vernichtungslager transportiert wurden. Möglich gemacht hat dies die Initiative Stolpersteine, die auch die gestrige Veranstaltung in einem würdevollen Rahmen organisiert hat sowie die Lebensläufe der Ermordeten, recherchiert hat.

„Mit zerbrochenem Glas fängt es an“, sagte der Vorsitzende der Initiative, Wolfram Juretzek, in Anspielung auf das Denkmal in der Elisabethenstraße, das Fenstern nachempfunden ist, die von Nazi-Schergen im Zuge der Judenverfolgung eingeschlagen wurden. Was daraus wird, wenn man nicht Einhalt gebietet, zeigen in erschreckender Konsequenz die Stolpersteine auf: „Hier wohnte Margot Frieda Adler, Jg. 1921 Deportiert 1942 Ermordet in Sobibor“, steht auf einem der vier Stolpersteine, die Demnig in der Wallstraße vor Haus Nummer 11 verlegt hat.

Den Opfern des Grauens ein Gesicht und einen Namen geben – das ist die Idee der Stolpersteine. Einen Namen und ein Gesicht kann man nicht so leicht vergessen oder abtun. Er ist Mahnung und Erinnerung zugleich. Und noch einen weiteren Aspekt führte Imrich Donath, Mitbegründer der Initiative, an: „Diese Menschen haben kein Grab. Diese Stolpersteine sollen für sie eine Art Grab sein.“ Er selbst und seine Frau haben die Patenschaft für einen der Steine übernommen. „Wir verpflichten uns damit, den Stolperstein zu pflegen, ihn regelmäßig zu säubern“, sagt er, denn die Steine sollen nachhaltig sein und jeder, der sich über den Stein beuge, um seine Inschrift zu lesen, verbeuge sich damit auch vor den Toten. Er verhindere damit, dass dessen Name in Vergessenheit gerate – ein im jüdischen Glauben wichtiger Gedanke.

Stadtverordnetenvorsteher Dr. Alfred Etzrodt (CDU) sprach von einem „historischen Tag für Bad Homburg“ und lobte vor allem das bürgerliche Engagement, das die Verlegung überhaupt erst möglich gemacht habe. Dr. Wolfgang Kater, ebenfalls Pate eines Stolpersteins, sprach von einem „Gebot der Menschlichkeit“, den Menschen die Würde zurückzugeben, die man ihnen versucht habe zu nehmen.

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