Abendveranstaltung am KFG

14 neue Stolpersteine

Die Stolperstein-Initiative setzt gemeinsam mit dem Künstler Gunther Demnig Messingplatten vor den ehemaligen Häusern von jüdischen Mitbürgern.

Als Wolfram Juretzek von dem Gedanken hörte, Stolpersteine zur Erinnerung an die von den Nazis deportierten und ermordeten Bad Homburger jüdischen Glaubens zu verlegen, reifte in ihm die Überzeugung, dass er auch selbst seinen Teil dazu beitragen müsse. „Ich bin in Bad Homburg geboren“, sagt er. Und damit sei er, wenn auch unverschuldet, ein Täternachkomme. Und er ist überzeugt: An diesem Personenkreis liegt es, ein Zeichen zu setzen, dass Deportation und Ermordung von Menschen aufgrund ihrer Ethnie und Religion sich niemals wieder ereignen dürfe.

Von diesem Ausgangspunkt war es aber noch ein langer Weg, bis im vergangenen Mai die ersten elf Stolpersteine verlegt werden konnten. Am morgigen Freitag sollen nun 14 weitere folgen. Der Künstler Gunther Demnig wird auf Einladung des Vereins „Initiative Stolpersteine“ gravierte Messingplatten in die Bürgersteige vor den Häusern einlassen, in denen einst die ermordeten Menschen lebten. Darunter sind Steine, die an Persönlichkeiten wie Moses Herz, Kantor der Homburger jüdischen Gemeinde, oder die Bad Homburger Bankiersfamilie Rothschild erinnern.

Alle Bad Homburger sind eingeladen, am Morgen um 9 Uhr zum Auftakt zum Agnon-Denkmal in den Kurpark (zwischen Golfhaus und Russischer Kirche) zu kommen. Stolpersteine werden anschließend in der Kaiser-Friedrich-Promenade, Kisseleffstraße, Louisenstraße, Schöne Aussicht, Georg-Speyer-Straße und Schwedenpfad verlegt. Die goldfarbenen Messingquader tragen eine Gravur mit dem Namen, dem Geburts-, Deportations- und Todesjahr. Die Lebensläufe und Schicksale der Ermordeten werden bei der Verlegung verlesen.

Bei der Aktion geht es um sehr viel mehr als „nur“ um Erinnerungskultur. Es geht darum, dass das Unfassbare, das sich auch in Bad Homburg ereignete, niemals in Vergessenheit geraten darf. Daher hat die Initiative stets auch den Kontakt zu den Schulen gesucht – und ihn auch gefunden. So ist für den heutigen Donnerstagabend von 19 Uhr an in der Aula des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums eine Abendveranstaltung organisiert, die von der Schule und den Schülern organisiert wurde. Der Gründer der Bad Homburger Stolperstein-Initiative, Wolfram Juretzek, wird in die Thematik einführen.

Nachfahren der ermordeten Bad Homburger werden sich an diesem Abend den Fragen der Schüler stellen. Die Moderation übernimmt Angelika Rieber, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Taunus, die selbst lange Jahre zum Thema geforscht hat. Anschließend werden die KFG-Schüler Felix Hanau, Jeremy Miller die von ihnen entwickelte Stolperstein-App vorstellen, mit deren Hilfe Smartphone-Nutzer Wissenswertes über die auf den Steinen genannten Menschen erfahren können.

Am Dienstag, 21. März, ist von 10 Uhr an eine Führung zu den Homburger Stolpersteinen geplant. Sie beginnt am Denkmal an der Volkshochschule, Elisabethenstraße 4–8. Nähere Informationen gibt es bei Wolfram Juretzek, Telefon (0 61 72) 8 25 90.

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