Der Umgang mit solchen Pfeilkatapulten mussten von den Soldaten immer wieder geübt werden.
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Der Umgang mit solchen Pfeilkatapulten mussten von den Soldaten immer wieder geübt werden.

Antike Geschütze

Der Tod aus dem Nichts

Mit einer im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagkräftigen Waffe beschäftigt sich die neue überaus sehenswerte Ausstellung im Römermuseum Saalburg: die Katapulte der römischen Armee.

Dass der Titel der neuen Ausstellung ein wenig martialisch klingt, gibt Saalburgdirektor Dr. Carsten Amrhein gerne zu. Nichtsdestoweniger sei er aber zutreffend: „Der Tod aus dem Nichts – Antike Geschütze“. „Diese Waffen hatten eine Reichweite von 300 Metern, die Geschosse flogen mit einer enormen Geschwindigkeit und nahezu lautlos“, erklärt er. Durch die hohe Geschwindigkeit und die metallenen Spitzen hatten die Pfeile eine enorme Durchschlagskraft. Mithilfe von riesigen Katapulten konnten bis zu 80 Kilo schwere Steine geschleudert werden, die schwere Schäden anrichteten. Bis zum 1. November zeigt die Saalburg in Zusammenarbeit mit der Vexillatio Legionis Octaviae Augustae, eine Interessengemeinschaft, die seit mehr als 20 Jahren sich mit dem Thema beschäftigt, rund 20 Rekonstruktionen solcher Katapulte. Ergänzt wird die Schau durch Exponate von Fundstücken und Hintergrundinformationen.

„Die Katapulte waren keine römischen Erfindung“, sagt Alexander Zimmermann von der Interessengemeinschaft. Vielmehr habe es sie schon 500 Jahre vor den Römern gegeben. Dabei sei das Prinzip über die Jahrhunderte stets gleich geblieben. Mittels Torsion, also durch das Verdrehen von Seilen aus Rosshaar oder Hirschsehnen, entsteht eine enorme Zugkraft – die dann freigesetzt wird. „Vorbilder waren wohl Armbrüste, sogenannte Bauchspanner“, sagt Zimmermann und deutet auf zwei dieser Waffen, die in der Fabrica, dem Ausstellungsgebäude der Saalburg, von der Decke hängen. Soldaten spannten die Waffe, indem sie sie senkrecht auf den Boden stellten, sich über sie beugten, so dass die Armbrust am Bauch fixiert war und dann die Sehne nach hinten gezogen werden konnte.

Im Gegensatz zur Armbrust wurden Geschütze von mehreren Personen bedient. „Eine eingespielte Mannschaft schafft an einem Geschütz, bis zu 13 Pfeile in der Minute abzufeuern“, sagt Zimmermann. „Mehrere solcher Geschütze nebeneinander konnten daher dem Feind schwere Verluste beifügen, noch bevor es zu einem Nahkampf kam“, erläutert Amrhein.

Die riesigen Steinkatapulte seien vor allem als Mauerbrecher im Einsatz gewesen. „So lange es keine Explosionswaffen gab, wurden die Steine gezielt auf Objekte geschleudert. Ein Stein, der nur auf dem Marktplatz aufschlägt, hat keine große Wirkung. Aber Ein schwerer Stein, der mit Wucht auf eine Mauerzinne trifft, reißt diese Zinne einfach nieder“, so Zimmermann.

Die Saalburg selbst verfügt über eine Sammlung von Geschützrekonstruktionen. Gefertigt wurden sie von dem Artillerieoffizier Erwin Schramm, der 1904 Kaiser Wilhelm II. seine Rekonstruktionen vorführte und die dieser als Schenkung annahm. Das Besondere: Zu dieser Zeit gab es kaum archäologische Funde davon. So baute er die Geschütze nach den Beschreibungen antiker Schriftsteller oder nach Abbildungen nach. Der frühere Saalburgdirektor Prof. Dr. Dietwulf Baatz gilt zudem als einer der führenden Geschützexperten in Europa. Bei dieser Forschungstradition ist es bemerkenswert, dass wahrscheinlich auf der Saalburg keine Geschütze standen. Diese wurden nämlich im Regelfalle von der Legion bedient, auf der Saalburg waren aber Hilfstruppen stationiert. Allerdings wurden im Kastell Pfeilspitzen gefunden, die durchaus von Katapulten stammen könnten. „Da gibt es noch Forschungsbedarf“, so Amrhein.

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