Drei bis vier Wochen im Jahr sitzt der Bad Homburger auf seinem Traktor Hano und reist mit 25 PS durch Deutschland.
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Drei bis vier Wochen im Jahr sitzt der Bad Homburger auf seinem Traktor Hano und reist mit 25 PS durch Deutschland.

Bad Homburg

Globetrotter auf dem Traktor: Ohne Navi, ohne Stress und mit 25 PS

Horst Heinrich Dörr aus Bad Homburg reist mit Traktor und Schäferwagen durchs Land. Seine Erlebnisse hat er jetzt als Buch herausgegeben - erzählt von seinem Traktor.

Bad Homburg -Schon im Alter von sieben Jahren hatte Horst Heinrich Dörr, Jahrgang 1943, einen großen Lebenstraum: Wenn ich mal groß bin, kaufe ich mir einen Traktor. „Mit 65 Jahren war ich dann groß“, sagt der Bad Homburger. Dörr erfüllte sich seinen großen Traum und hat sich einen Trecker Baujahr 1950 gekauft. Doch damit ist Dörr nicht nur stolzer Besitzer eines blauen Hanomag: „Mein Ziel war, mit meinem Traktor zu reisen“, erzählt der 77-Jährige. Dabei war ihm eins wichtig: nicht in die Ferne schweifen. „Mein Anliegen ist, unsere schöne Heimat zu erkunden“, betont er.

Um mit seinem Hanomag durch die Lande zu ziehen, hat sich der Wirtschaftsingenieur, der 43 Jahre lang am Frankfurter Flughafen gearbeitet hat, einen Schäferwagen gekauft. Dörr, der gerne plant und tüftelt, hat einen genauen Konstruktionsplan für den Innenausbau seines neuen mobilen Heims entworfen. „Ein Schreiner hat mir meinen Wagen dann nach meinen Vorstellung innen ausgebaut“, führt Dörr aus.

Ein bisschen eng, aber dafür gemütlich hat es Horst Heinrich Dörr. Immer mit dabei: Das gelbe Kissen, das ihm seine Frau bestickt hat.

Zur Ausstattung des Schäferwagens gehören vier kleine Fenster, ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und die Anhängerkupplung. Mit seiner mobilen Schlaf- und Wohnstätte, die er an seinen Traktor hängt, hat er in den vergangenen Jahren zahlreiche Touren unternommen - ohne Navi und mit 25 PS. „Das Reisen auf diese Weise entstresst total“, sagt Dörr, der seit 1956 in Bad Homburg lebt. So lautet sein Motto bei seinen Abenteuerfahrten „Entstressen statt Kilometer fressen“.

Jetzt hat Horst Heinrich Dörr seine Erlebnisse mit seinem Traktor, den er liebevoll „Hano“ nennt, aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. „Traktor Hano erzählt... - von gemeinsamen Schäferwagenreisen“ heißt das 338 Seiten starke Werk.

Sein höchstes Glück: Im Klappstuhl in der Natur

In der Rhön, im Sauerland, im Thüringer Wald, in Nordhessen und auch an der Mosel war Dörr mit seinem Hano auf Achse. Ein Haupt-Reise-Antrieb für den 77-Jährigen ist philosphischer, ja fast schon kontemplativer Natur: "Ich wollte in mich schauen; herausfinden, wer bin ich; wo will ich noch hin, was ist meine Aufgabe auf der Welt", verrät der Homburger.

Sein höchstes Glück auf Erden war, am Ende des Tages auf einem Klappstuhl vor seinem Schäferwagen irgendwo in der Natur zu sitzen und in den Sternenhimmel zu schauen. „Ich habe aber immer auch bei meiner Reise Menschen beobachtet, ihre Handlungen studiert, ihnen sozusagen aufs Maul geguckt“, verrät der Homburger. „Darüber habe ich in meinem Buch auch viel geschrieben.“

Mehrmals, erzählt Dörr, habe er seine Erlebnisse mit dem Hano umgeschrieben. „Ich hatte dann alles fertig, doch irgendwie fehlte mir der Pepp“, berichtet er. „Mein Reisebericht kam mir zu langweilig vor“, meint er. „Ich kam dann auf die Idee, meine Erlebnisse einfach aus Sicht meines Traktors erzählen zu lassen.“

Hano berichtet auch von früher, als er noch auf dem Dorf seine Pflicht auf dem Acker erfüllt hat. Und dann nimmt Hano den Leser mit zu den Abenteuern, auch dem großen Abenteuer, einen „echten“ Schäfer zu treffen. „Insgesamt sind es nachdenkliche, spannende, besinnliche, dramatische, auch lustige und enttäuschende Erlebnisse, von denen Hano berichtet“, verrät Dörr, der jedes Jahr drei bis vier Wochen unterwegs ist.

Den Schäferwagen hat Horst Heinrich Dörr von einem Schreiner nach seinen Wünschen ausbauen lassen.

Und ab und zu beschwert sich Erzähler Hano auch über seinen Fahrer Heinrich und dessen immer akribische Vorbereitungen. „Kann Heinrich nicht simpler planen“, heißt es im Vorbericht zur ersten Reise, die Richtung Rhön und Rennsteig führte. „Wohin wollte er fahren? Beruflich sah er viel von der Welt. Was fehlte da noch? Ach ja, Heimatkunde“, fällt Hano wieder ein. Bei allen Erlebnissen ist der rote Faden der gemeinsamen Schäferwagenreisen die Sinnsuche des Autors, die Suche nach der Antwort auf seine Frage, was seine Rolle im „grenzenlosen Universum“ ist.

Ein Traktor erzählt

„Traktor Hano erzählt...- von gemeinsamen Schäferwagenreisen“ ist im Verlag Book On Demand (ISBN 9783750460041) erschienen. Es ist in allen Buchhandlungen und online erhältlich und kostet 15 Euro.

Ob Horst Heinrich Dörr Antworten gefunden hat, erfährt der Leser am Ende der Geschichte. Im Anhang liefert Dörr als Extraservice zudem noch eine technische Checkliste sowie eine sorgfältige Auflistung aller wichtigen Ausrüstungsgegenstände - falls einer der Leser sich ebenfalls irgendwann auf eine besondere Fahrt im Stil der Schäferwagenreise aufmachen will.

Früher mit Frau in 13 Ländern Afrikas

Unterwegs ist Dörr übrigens immer allein. „Meine Frau hat dafür ein Glück großes Verständnis.“ Davon zeugt auch ein besonderes Geschenk, das Ursel Dörr ihrem Mann bereits vor vielen Jahren gemacht hat: Sie hat ihm ein Kissen mit den Worten „Liebe ist... ihn reisen zu lassen“ gestickt. „Das Kissen war schon vor meinen Touren mit dem Traktor immer bei mir und ist mit mir durch 13 verschiedene afrikanische Länder gereist“, berichtet er.

Denn das Gefühl der Rastlosigkeit hatte Dörr schon während seiner Zeit als Einkaufsleiter beim Flughafenbetreiber Fraport gepackt. „Ich habe meine Urlaube oft in Afrika verbracht“, erzählt er. „Ich habe mich ehrenamtlich in der Entwicklungshilfe im Kongo engagiert.“ Viele Jahre war er dann in Afrika für die Steyler Missionare tätig, hat Wasserleitungen repariert, beim Bau von Brücken oder eines Buschkrankenhauses mitgeholfen. Über diese Erlebnisse hat Dörr 1987 sein erstes Buch geschrieben („Entwicklungshilfe in Zentralafrika“). (Katja Schuricht)

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