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Wunderschön, aber sanierungsbedürftig: die Sauer-Orgel in der Erlöserkirche.

Geknickte Pfeifenfüße, veraltete Setzeranlage

Bad Homburg: Orgeln der Erlöserkirche müssen saniert werden - Hohe Investitionen

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Es ist eine Bereicherung für eine Kirchengemeinde, ein herausragendes Gotteshaus und zwei exzellente Orgeln zu besitzen. Aber es bedeutet Verantwortung und kostet Geld. Vor allem, wenn wie jetzt neben dem Dach auch noch beide Orgeln renoviert werden müssen.

Die Erlöserkirche hat mehr als 5000 Pfeifen. Sie verteilen sich auf zwei Orgeln: die 1908 mit der Kirche eingeweihte und vom „königlich-preußischen Hoforgelbaumeister Wilhelm Sauer“ gebaute, mit knapp 3790 Pfeifen in 62 Manualen auf vier Registern, und das 1990 von Gerhard Woehl aus Marburg nach der Disposition einer Bach-Orgel gebaute Instrument, das 31 Register auf zwei Manualen und etwa 1500 Pfeifen hat. Normalerweise klingen sie gut und ergänzen sich so perfekt, dass der Orgelsachverständige Dr. Hans Martin Balz in der Festschrift zur letzten Erneuerung der Sauer-Orgel 1993 schrieb: „Die Erlöserkirche verfügt mit ihren beiden Orgeln jetzt über optimale Voraussetzungen für die stilistisch einwandfreie Wiedergabe der Bach’schen und vorbach’schen Orgelmusik einerseits, und andererseits der deutschen und französischen Orgelmusik der Romantik.“

Für Organisten sind das paradiesische Verhältnisse, aber jetzt, mehr als 25 Jahre nach der Erneuerung der alten, und dem Bau der Bach-Orgel 1990, hat die Erlöserkirchengemeinde dafür gleich drei Probleme: Zusätzlich zur Dacherneuerung sind gleich beide Orgeln in höchstem Maß sanierungsbedürftig, und die Arbeiten sollen im Herbst mit der Bach-Orgel beginnen, denn das ist die dringendere Aufgabe, erklärt Kantorin Susanne Rohn.

Fachmann aus Frankreich

Orgelbauer Jean-Christian Guerrier aus dem Elsass, ein Fachmann in Sachen Restaurierung historisch wertvoller Instrumente, sei damit betraut und wohne während der etwa drei Monate andauernden Arbeit in Bad Homburg. Während dieser Zeit könnte dann mal wieder die Truhenorgel in Betrieb genommen werden, denn die Sauer-Orgel ist für die Begleitung des Gemeindegesangs weniger geeignet.

Denn was die Besonderheit der beiden Instrumente ausmacht, dass die Bach-Orgel im Sinne des Denkmalschutzes und aus optisch-architektonischen und akustischen Gründen auf die Brüstung der Orgel-Empore gesetzt wurde, ist jetzt das Problem: Einige Pfeifenfüße sind geknickt, mehrere Pfeifen spielen bereits nicht mehr. Grund dafür sei die dem Platzmangel geschuldete Schlankheit des Gehäuses, die den Klang und Anblick der Sauer-Orgel nicht stören sollte. „Die großartige Idee, die Gerald Woehl in den späten 80er Jahren hatte, ist an Kreativität, Genialität und Mut kaum zu überbieten.“

Jetzt müssen die eingeknickten Pfeifenfüße stabilisiert oder ersetzt werden und einige oben angehängt, um das Gewicht zu reduzieren, das auf dem Fuß lastet. Außerdem sei nach 28 Jahren eine „große Ausreinigung“ nötig. „Dabei wird jedes kleinste Teil der Orgel in die Hand genommen, überprüft und gegebenenfalls bearbeitet“, so die Kantorin. Kosten soll das alles rund 30 000 Euro.

Dach wird auch repariert

Die spätromantische Sauer-Orgel, bei ihrem Bau genau richtig, wurde 1940 in der Zeit der Orgelreformen umgebaut und war danach eine typische „Kompromissorgel“, so Rohn.

Unter Leitung ihres Vorgängers Hayko Siemens wurde das Instrument 1993 im Sinne Sauers zurückgebaut, erweitert und mit Computertechnik versehen. Die ist heute jedoch überaltert und soll bei der Renovierung dem heutigen Stand angepasst werden, berichtet die Kantorin. „Die Orgel braucht eine neue Setzeranlage zum Speichern der verschiedenen Registrierungen.“ Der Computer arbeite auch nicht mehr zuverlässig. Die Arbeiten hierzu sollen 2020 beginnen und werden voraussichtlich 50 000 Euro kosten.

Die Kirchengemeinde kann in diesem Jahr Veranstaltungen wie Konzerte nur begrenzt planen, denn neben der Instandsetzung der beiden Orgeln steht auch noch eine Dachsanierung an. Sie soll rund 240000 Euro kosten, und auch hierfür sind Spenden willkommen. Wer sich an der Finanzierung beteiligen möchte, kann Spenden unter dem Stichwort „Orgelsanierung“ oder „Dachsanierung“ auf das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Homburg, IBAN: DE59512500000001088580, überweisen.

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