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In den 1990er Jahren kam in Homburg die Idee auf, unter Thomasbrücke (waagerecht im Bild,

Reise in die Vergangenheit

Bad Homburg: Ein Teil der Thomasstraße sollte früher in eine Großgarage umgewandelt werden

„Bad Homburg 2030“ – viel wird im Moment darüber nachgedacht, wie die Stadt in ein paar Jahren aussehen soll. Pläne wurden jedoch auch früher schon gemacht – das Gotische Haus zeigt gerade eine Ausstellung über historische Modelle zur Stadtplanung. Über manche wurde gestritten und prozessiert. In einer kleinen Serie stellen wir einige Ideen der Vergangenheit vor. Heute geht es um ein Parkhaus unter der Thomasbrücke.

Das eigene Häuschen aus der Vogelperspektive suchen – das können Bewohner der Innenstadt bei einem Helikopter-Rundflug oder einfacher mit dem Blick auf eines der Stadtmodelle, die das städtische historische Museum im Gotischen Haus derzeit zeigt. Dort gibt es auch Modelle, die die Sehgewohnheiten aufrütteln. Sie zeigen gravierende Veränderungen des Stadtbilds: politische Ideen, die nie verwirklicht wurden.

Info: Abrisse und Neubauten

Die Schau „Modelle einer Stadt – Bad Homburg in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ zeigt das städtische historische Museum im Gotischen Haus (Tannenwaldweg 102) noch bis 24.Februar. Zu sehen ist die Sammlung höchst unterschiedlicher Stadtplanungs- und Architekturmodelle. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, jeweils von 14 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Eine Sonderführung durch die Ausstellung wird am Sonntag, 20. Januar, angeboten. Von 16 Uhr an spricht der Bad Homburger Eric Leonhardt über „Erinnerungen an die Auseinandersetzungen bei Abrissen und Neubauten in den 1960er bis 1980er Jahren“. Eine Anmeldung zu dieser Führung ist obligatorisch – unter Telefon (0 61 72) 3 76 18 oder per Mail an museum@bad-homburg.de. ahi

Bei einem hölzernen Modell sticht ein mastenbewehrter Kreisverkehr ins Auge. Es ist nicht der Europa-Kreisel, sondern ein angedachtes neues Rondell anstelle der Kreuzung Hessenring / Schleußner-/Thomasstraße. Die Gerade linker Hand (siehe Foto) ist die Thomasbrücke, an deren Seite ein kleines Halbrund auffällt. Es soll die Abfahrt in mehrere Ebenen unter der Brücke darstellen, in denen geparkt werden sollte. Durch eine in die Fahrbahn integrierte Öffnung hätte es hinabgehen sollen.

Der Planung des Architekturbüros Albert Speer und Partner vorausgegangen war eine heftige politische Debatte Ende der 1990er Jahre, wie der Verkehr in der City neu sortiert und minimiert werden kann. Die Wohnhäuser hinter der Stadtbibliothek waren noch nicht gebaut; an ihrer Stelle stand ein hässliches, mehrstöckiges Parkhaus („Dorotheengarage“).

1999 verhinderte Homburgs erster Bürgerentscheid den Abriss des Parkhauses. Das Viertel sollte nach Willen von SPD, Grünen, einzelnen CDU’lern und Anwohnern erst neu gestaltet werden dürfen, wenn es Ersatzparkplätze unter der Thomasbrücke gäbe.

Ein Rechtsstreit mit der Tanzschule Karabey bahnte sich an. Im städtischen Haushalt schob man eine Verpflichtungsermächtigung von knapp 13 Millionen Euro für den Bau des Parkhauses mit 400 Plätzen unter der Brücke vor sich her. Das Geld sollte nie gebraucht werden. 2004 legte der Magistrat unter Oberbürgermeisterin Dr. Ursula Jungherr (CDU) die Idee auf Eis.

Die Dorotheengarage, deren Abriss der Bürgerentscheid für fünf Jahre verhinderte, blieb noch etwas länger stehen, dann wurde das Quartier neu entwickelt. Die Parkplatzfrage entspannte sich durch den Bau diverser anderer Parkhäuser in der Innenstadt.

(red)

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