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Patrick Berschick, der kickende Missionar

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Auf dem Platz gibt Stürmer Patrick Berschick für den TSV Vatanspor Bad Homburg immer Vollgas. Seine Beharrlichkeit und sein sportliches Know-how hat er aber auch schon für einen ganz anderen Zweck eingesetzt, für einen guten: Er trainierte Kinder in Tansania.

Auf dem Fußballplatz muss ihm niemand sagen, wo es langgeht, denn auf dem Rasen kennt sich Patrick Berschick aus. So war es in der Gruppenliga, wo er für TuS Merzhausen spielte, und so ist es auch aktuell beim Verbandsligisten TSV Vatanspor Bad Homburg. Abseits des Platzes allerdings, da musste sich der bullige Angreifer in der ersten Jahreshälfte neu orientieren. „Ich war auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung und auch schon immer am Ausland interessiert“, erklärt der 27-Jährige, der zu dieser Zeit in Frankfurt als Aufbautechniker jobbte, nachdem er sein duales Studium der Informatik und Wirtschaftswissenschaften aufgegeben hatte. Eher zufällig war er dann auf eine Tätigkeit gestoßen, die alle Kriterien erfüllte und ihn sozusagen zu einem kickenden Missionar machte.

Die Wohltätigkeitsorganisation „Sports Charity Mwanza“ betreibt Projekte zur Stärkung des Sportangebotes in Mwanza, einer Metropolregion am Viktoriasee in Tansania. Ziel der Organisation ist es, durch den Ausbau der Infrastruktur und der Weitergabe von Wissen das Sportangebot zu stärken, um der hohen Arbeits- und Perspektivlosigkeit bei jungen Einheimischen entgegenzuwirken. „Die Menschen dort haben viel weniger, als wir es uns in Europa vorstellen können“, berichtet Berschick, „es herrscht eine Arbeitslosenquote von fast 90 Prozent“. Er war bereit, drei Monate zu investieren, um mitzuhelfen.

Doch bevor es galt, sich auf andere Umgebung, anderes Klima, anderes Essen und andere Menschen einzustellen, war das Abschied nehmen für den Hochtaunus-Fußballer gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht von seiner Freundin Nadja, die ihn zwar auf die Ausschreibung im Internet selbst aufmerksam gemacht hatte, von der er aber eben drei Monate räumlich getrennt war.

Vom Trainer umarmt

Ebenfalls damals nicht einfach für Patrick Berschick: Er musste sich von seiner Mannschaft, zu dieser Zeit TuS Merzhausen, noch während der Saison verabschieden. Das Schlimmste habe er schon befürchtet, gibt der Stürmer zu, bis dahin mit sieben Toren treffsicherster Angreifer des Gruppenligisten. Doch als er seine Pläne dem damaligen TuS-Coach Daniel Dylong erklärte, wurde er positiv überrascht. „Als er gehört hat, was ich in Tansania machen werde, da war er super happy, hat mich sogar vor Freude umarmt“, erinnert sich Berschick mit einem Lächeln.

Mit reinem Gewissen und voller Tatendrang ging es los in „ein riesiges Abenteuer“. Viel Vorbereitungszeit hatte er nämlich nicht, es gab keine Seminare oder ähnliches, dafür bereiteten ihn ehemalige Helfer des Projektes in Gesprächen so gut es ging vor.

Einen Kulturschock ob der großen Armut hatte Patrick Berschick, natürlich. Er war zuvor noch nie in Afrika. Er habe sich aber schnell an die Menschen in Mwanza gewöhnt, die er als offen und freundlich kennenlernte. „Viele sitzen den ganzen Tag auf der Straße, haben nicht mal vernünftige Kleidung am Leib“, schildert der Fußballer, „trotzdem lachen sie viel und reden mit uns Europäern, so oft es geht“.

Plastikflaschen als Ball

Gerade die Jugendlichen, die auf der Straße mit Plastikflaschen statt Fußbällen kickten, hätten großes Interesse gezeigt. „Immer wieder kommen sie auf dich zu, wollen, dass du ihnen was beibringst“, sagt Berschick, „die Charity wird dort als großer Segen erachtet.“ Mit Material- und Geldspenden, aber auch der Ausbildung von Trainern und der Expertise für eine Vereinsführung hat sich die Organisation bei der Bevölkerung ein sehr gutes Standing erarbeitet. Nicht immer trugen jedoch seine von ihm trainierten Nachwuchskicker Schuhe am Fuß. Dafür staubte es auf roter Erde immer mächtig.

Berschick hatte sich daran schnell gewöhnt. Er war ganz besonders von der Nachhaltigkeit des Engagements begeistert. „Es ist der Wahnsinn“, sagt er, „sie haben mir beim Kennenlernen schon detaillierte 50-Jahres-Pläne gezeigt.“ Gerne würde er in dieser Zeit nochmals mit anpacken. Oder in einem anderen afrikanischen Land als "kickender Missionar" unterwegs sein.

Den Schwung, den Berschick für sich aus der Tätigkeit in Afrika zog, nahm der 27-Jährige mit nach Deutschland. Gleich nach seiner Rückkehr vereinbarte er mit Jörg Loutchan, einst sein Trainer in Merzhausen, inzwischen bei Vatanspor, seinen Wechsel. Neben der neuen sportlichen Herausforderung in der Verbandsliga begann der Wahl-Frankfurter ein Studium der Sportökonomie.

Dass seine Arbeit für Sports Charity Mwanza für ihn ein „absoluter Glücksfall“ war, glaubt Patrick Berschick bis heute. Er könne diese Erfahrung jedem nur empfehlen.

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