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Restauratorin Angelika Ulbrich, Minister Boris Rhein und Saalburgdirektor Dr. Carsten Amrhein (r.) verfrachten den 14 Kilo schweren Pferdekopf für die Reise nach Berlin in die Transportkiste.

Pferdekopf

Archäologischer Sensationsfund reist mit bewaffneter Eskorte nach Berlin

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Das Pferd wechselt seinen Stall – allerdings nur vorübergehend. Der Pferdekopf von Waldgirmes wird vom morgigen Mittwoch an bis Mitte Dezember in Berlin gezeigt, dann kehrt er zur Saalburg zurück. Es soll ein einmaliger Ausritt bleiben.

Bereits 42 000 Besucher haben in den vergangenen fünf Wochen die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Gropius Bau in Berlin gesehen. Hier werden in Zusammenarbeit mit dem Verband der Landesarchäologen im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres die bedeutendsten archäologischen Funde der vergangenen 20 Jahre aus allen 16 Bundesländern gezeigt. Dazu zählen die Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt) oder die früheste figürliche Kunst der Menschheit, die 35 000 Jahre alte Venus vom Hohle Fels (Baden-Württemberg). Auch Hessen ist in Berlin vertreten: mit dem Pferdekopf von Waldgirmes, der auf der Saalburg gezeigt wird. 

Einziges Mal, dass der Pferdekopf die Saalburg verlässt

Und so musste der „Botschafter Hessens“ gestern seinen „Stall“ auf der Saalburg wieder räumen, den er erst im August diesen Jahres nach jahrelangem juristischen Hickhack bezogen hatte. Es bleibe eine große Ausnahme, dass der Pferdekopf, der in Waldgirmes gefunden wurde, noch einmal die Saalburg verlasse, versicherte Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein (CDU), der für die Verabschiedung des Pferdekopfs eigens zur Saalburg gekommen war. Vom morgigen Mittwoch an bis zum 17. Dezember wird das Exponat in Berlin zu sehen sein. Rechtzeitig vor Weihnachten wird er dann wieder an die Saalburg zurückkehren. 

Der Ausritt nach Berlin soll die Ausnahme bleiben, weil so eine Reise ein höchst aufwendiges Unterfangen ist und die Saalburg zu einer Art Hochsicherheitszone wird. Schon unter „normalen“ Umständen ist der Pferdekopf bestens geschützt. Ein Öffnen der Vitrine, ohne dass ein Alarm losgeht, ist so ohne Weiteres nicht möglich. 

Der Pferdekopf wurde 2009 bei Ausgrabungen in Waldgirmes in einem Brunnenschacht gefunden.

Nun aber sind die Ausstellungsräume mit den Funden aus Waldgirmes gesperrt. Eine eigens gefertigte Kiste steht bereit, um den 59 Zentimeter langen und immerhin 14 Kilo schweren Bronzekopf aufzunehmen. Sie ist dick mit Schaumstoff und Noppenfolie gepolstert, so dass er beim Transport nicht verrutschen kann. Minister Boris Rhein, Saalburgdirektor Dr. Carsten Amrhein und Restauratorin Angelika Ulbrich hieven mit Handschuhen bewaffnet den Bronzekopf vorsichtig in die bereitstehende Kiste. Dann kommt die Kiste in eine weitere Kiste – mit Klimaanlage, damit das wertvolle Material beim Transport aufgrund der Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen keinen Schaden nimmt. Und zum Schutz gegen Räuber bekommt der Pferdekopf sogar noch eine bewaffnete Eskorte zur Seite gestellt. 

Kopie des Pferdekopfes auf der Saalburg

Anschließend wird eine Kopie des Pferdekopfes in die Vitrine gestellt, damit Saalburgbesucher auch weiterhin die Ausstellung besuchen können und einen Eindruck von dem Sensationsfund bekommen, der 2009 in Waldgirmes entdeckt wurde und der die provinzialrömische Geschichtsforschung in Hessen umkrempelte. 

Dass der Pferdekopf ein echter Charakterkopf ist, davon haben sich mittlerweile auch viele Besucher auf der Saalburg überzeugt. „Gerade im August hatten wir sehr viele konkret nach dem Kopf gefragt“, berichtet Saalburg-Chef Amrhein. Er glaubt aber, dass noch weitaus mehr gekommen wären, wenn denn das Wetter mitgespielt hätte. „Der Sommer war zu heiß“, sagt er. Die hohen Temperaturen hätten viele abgeschreckt, auf die Saalburg zu kommen. Aber der Hochsommer ist ja jetzt vorbei, und so kann der bisher versäumte Besuch auf der Saalburg jetzt nachgeholt werden.

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