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Gebäude aus den drei Städten Frankfurt, Tel Aviv und Palm Springs im Bauhausstil werden bei der Ausstellung gezeigt.

Fotoausstellung

Polaroids eines Fotokünstlers zeigen Gebäude aus Frankfurt, Tel Aviv und Palm Springs

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Der Leiter des Bauhausarchivs in Tel Aviv, Dr. Micha Gross, hat im Forschungskolleg Humanwissenschaften eine neue Fotoausstellung eröffnet. Der Fokus liegt auf Gebäuden im Bauhaus-Stil berühmter Architekten. Zu sehen sind sie auf Polaroids des Fotokünstlers Rainer Raczinski – 27 Aufnahmen voller Details.

Man braucht fast eine Lupe. Die Fotos im Forschungskolleg sind winzig. Mit ein wenig Anstrengung aber eröffnen sich großzügige Perspektiven eines Baustils: Herrlich geschwungene, das Gebäude umschmiegende Balkons, kühne Vordächer und gliedernde Rasterelemente in der Fassade, aber auch Öffnungen an Brüstungen und kleine oder große Fenster, welche die Brise vom Meer aufnehmen und frische Luft ins Haus strömen lassen.

Das Bauhaus, 1919 von Walter Gropius in Weimar begründet, dann nach Dessau ausgewichen, bis die Nazis im Jahr 1933 den Architekten und der Universität die Arbeit verboten, begeht ihm kommenden Jahr das 100. Jubiläum. Der Frankfurter Fotokünstler Rainer Raczinski hat sich auf Gebäude aus drei Städten kapriziert – Frankfurt, Tel Aviv und Palm Springs.

Der Baustil, auch „International Style“ genannt, hat viele erbauliche Zeugnisse, etwa in Frankfurt, 1929 von Ernst May an der Saalburgallee gebaut, strahlendes Weiß, klare Gliederung, der Schatten einer winterlichen Platane auf dem feinen Putz. Frankfurt ist Partnerstadt Tel Avivs, auch die Universitäten arbeiten eng zusammen. Im Jahr 2003 wurden die 4000 Bauhaus-Gebäude in der nach der ursprünglichen Farbe dieses Baustils benannten „Weißen“ Stadt Tel Aviv zum Weltkulturerbe erklärt.

Auf vielen Fotos lässt sich nicht sofort ausmachen, wo sie nun stehen. Palmen, aber auch die Bildlegende klären den Betrachter auf. Ein Glanzstück ist etwa das „Schiff“, ein einem Ozeandampfer nachgebildetes Haus in Tel Aviv, das selbst mit seinen Mauern eine ungemeine Dynamik ausdrückt. 27 Aufnahmen, die, so klein sie auch sein mögen, viele herrliche Details dessen zeigen, was das Bauhaus ausmacht und berühmt gemacht hat.

Dr. Micha Gross, Psychologe und heute Leiter des „Bauhaus Center Tel Aviv“, wo die Ausstellung anschließend gezeigt werden wird, macht anhand der biblischen Stadt Jaffa klar, wie sich die „Weiße Stadt“ Tel Aviv schließlich entwickelte. Ende des 19. Jahrhunderts gewinnt Jaffa wegen des Hafens und des damit verbundenen Handels an Bedeutung. 1902 wird eine „Garden City“ entwickelt, die schon britischen Arbeitern Licht, Luft und bessere Lebensbedingungen verschaffen sollte. Als Jaffa wegen schwerer Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern geteilt werden musste in Jaffa und eben Tel Aviv, wurde die neue Stadt als Garden City geplant, mit ausreichend Grün und Achsen für Frischluftzufuhr.

Wie zuvor Jaffa wuchs auch Tel Aviv rasant. 1933 kamen deutsche Juden, von 2000 Einwohnern im Jahr 1920 war die Stadt 1948 auf fast eine halbe Million Menschen gewachsen.

Der Bauhausstil kam zunächst mit Erich Mendelsohn in den 20er Jahren, aber auch mit Le Corbusier, der kein Jude war, aber jüdische Studenten unterrichtete, die dann in Tel Aviv verwirklichten, was sie bei ihm gelernt hatten.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) hatte als Veranstalter dieser Ausstellung dem Wissenschaftskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und der Werner Reimers Stiftung eingangs für die Kooperation gedankt.

Der Eintritt ist frei

Die Schau läuft bis zum 27. September und ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Am Wingertsberg 4.

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