1763 Meter in den Fels führt der 1888 begonnene Braumannstollen bei Dornholzhausen. Über 600 000 Kubikmeter Wasser bringt er pro Jahr zutage - rund zehn Prozent dessen, was in Bad Homburg verbraucht wird.
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1763 Meter in den Fels führt der 1888 begonnene Braumannstollen bei Dornholzhausen. Über 600 000 Kubikmeter Wasser bringt er pro Jahr zutage - rund zehn Prozent dessen, was in Bad Homburg verbraucht wird.

Wassernotstand droht

Privater Wasserverbrauch in Bad Homburg deutlich gestiegen

  • Harald Konopatzki
    VonHarald Konopatzki
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Tendenz zeigte sich schon vor Corona und den Hitzesommern

Bad Homburg -Die Stadtwerke Bad Homburg stehen dafür gerade, dass die rund 55 600 Bürger sowie etliche Institutionen, Einrichtungen und Unternehmen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Wie das bewerkstelligt wird, wie viel Wasser wo gefördert und eingekauft wird, das wollte sich der Klimaschutz- und Umweltausschuss berichten lassen. Die wichtigste Botschaft: Egal, wie trocken oder heiß ein Jahr sein mag: Die Befürchtung, dass deswegen kein Wasser aus dem Hahn komme, müsse man nicht haben, betonte Annegrit Zirkel-Biener, bei den Stadtwerken Abteilungsleiterin für die Wassergewinnung.

Doch sie musste auch berichten, dass die Bad Homburger zuletzt wieder mehr Wasser pro Kopf verbrauchten, nämlich rechnerisch 125 Liter pro Person und Tag. Lange lag die Kurstadt unter dem Bundesdurchschnitt, pendelte zwischen 2008 und 2014 um die 110 Liter pro Tag. Der durchschnittliche deutsche Pro-Kopf-Verbrauch lag da bei rund 123 Litern.

In zehn Tagen ein Zeppelin-Volumen

Nun erscheinen 15 Liter nicht viel, selbst wenn es sich um einen täglichen Mehrverbrauch handelt. Multipliziert man die Zahl mit der Einwohnerschaft, sieht es jedoch anders aus: 825 000 Liter mehr - und das täglich. Um die Größenordnung deutlich zu machen: Der Mehrverbrauch von zehn Tagen entspricht ungefähr dem Volumen der Hülle eines Zeppelin NT, wie er regelmäßig einmal im Jahr am Kronenhof Station macht.

Zur Einordnung betonte Zirkel-Biener, dass für diese Verbrauchszahlen nur Privathaushalte berücksichtigt würden. Großabnehmer wie Landwirtschaft oder Gewerbe fließen in diese Statistik nicht ein. Dennoch: Der sogenannte Haushaltswasserverbrauch macht im Mittel rund 70 Prozent der abgerechneten Trinkwassermenge aus. "Basis für den personenbezogenen Verbrauch in Einwohner pro Liter und Tag ist die an die Haushalte abgegebene Trinkwassermenge, das heißt, an Gewerbe und Industrie abgegebene Mengen sind herausgerechnet."

So gibt es auch mögliche Ansatzpunkte, den gestiegenen Verbrauch zu erklären. "In den zurückliegenden Jahren fallen drei Jahre auf, in denen der Trinkwasserverbrauch überdurchschnittlich gestiegen ist", fasst Zirkel-Biener gegenüber dieser Zeitung zusammen. 2015 sei es in Hessen viel zu trocken und das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Damals stieg der Pro-Kopf-Verbrauch von 111 auf 117 Liter pro Tag. 2018 herrschte dann Trockenheit von Februar bis November, das Jahr war das wärmste und sonnigste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Ergebnis: Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg von 117 auf 123 Liter pro Tag.

Dabei steht zu vermuten, dass nicht nur mehr Pools gefüllt oder der Rasen häufiger gesprengt wurden. Auch für die Körperhygiene dürfte mehr Wasser verbraucht worden sein. 2020 stieg der Pro-Kopf-Verbrauch dann auf 125 Liter pro Tag. "Es war wieder ein zu trockenes und zu warmes Jahr, zusätzlich halten sich die Menschen durch die Coronamaßnahmen vermehrt zu Hause auf", erklärt Zirkel-Biener. Die 125 Liter entsprechen übrigens dem durchschnittlichen Verbrauch in der Bundesrepublik pro Einwohner und Tag im Jahr 2019.

Brauchwasser stärker nutzen

Für die Zukunft stellte Philipp zudem die Möglichkeit heraus, nach dem Neubau der Kläranlage in Ober-Eschbach von dort aus sauberes Brauchwasser, etwa zur Bewässerung der Parks, zu entnehmen. Überhaupt soll Brauchwasser stärker in den Blick rücken, etwa durch die Zisternenpflicht bei neuen Bebauungsplänen wie am Hühnerstein. Ein zweites Brauchwassernetz wird es jedoch nicht geben - dazu müsste zu viel gebaut werden.

Eine Ausweitung der Förderung ist laut Zirkel-Biener kaum möglich. "Wir haben nicht die Wasserrechte für mehr." Zwar prüfe man auch neue Gewinnungsanlagen im Stadtgebiet. "Aber der Naturraum macht es uns nicht einfach, etwas Neues zu erschließen, ohne dass wir damit anderen das Wasser abgraben." Für die Zukunft bedeute dies: "Ohne Zukauf können wir den Auftrag der Daseinsvorsorge nicht erfüllen", bilanzierte Zirkel-Biener. Eine wie auch immer geartete Sanktionierung bei einem zu hohen Wasserverbrauch in Trockenzeiten - etwa eine Drosselung des Durchflusses oder eine gestaffelte Gebührenerhebung - sei seitens der Stadtwerke nicht möglich. "Die Daseinsvorsorge ist unser gesetzlicher Auftrag - da können wir es nicht eskalieren lassen!", betonte Zirkel Biener auf Nachfrage der Politik.

Einig war man sich, dass sich das Bewusstsein ändern müsse, "das in die Köpfe zu bringen ist ein gesellschaftliches Problem", sagte Philipp. Beate Denfeld (SPD) fasste es wie folgt zusammen: "Trinkwasser ist ein Lebensmittel und eigentlich nicht dazu da, um Pools zu füllen."

2020 flossen 4,252 Milliarden Liter Wasser durch das Leitungsnetz

Das Trinkwasser, das durch das insgesamt 250 Kilometer lange Leitungsnetz der Stadt fließt, ist sämtlich Grundwasser und stammt zum größten Teil aus den vier Stollen bei Dornholzhausen. 2020 waren es 61 Prozent beziehungsweise 2,59 Millionen Kubikmeter - das entspricht genau dem Volumen der Cheopspyramide. Quasi"Herzstück" der Homburger Wasserversorgung ist der Elisabethenstollen. Er allein bringt rund 30 Prozent des in der Kurstadt verbrauchten Wassers in die Leitungen.

20,5 Prozent (875 000 Kubikmeter) wurden im vergangenen Jahr über die sechs Tiefbrunnen gefördert, die restlichen 18,5 Prozent (787 000 Kubikmeter) wurden eingekauft und vom Hochbehälter Hardtwald (passenderweise ist es auch das "harte" Wasser) in die Stadtteile Gonzenheim, Ober-Eschbach und Ober-Erlenbach abgegeben. Noch, denn wie Markus Philipp auf Nachfrage im Ausschuss erklärte, bereite man derzeit die lange erwartete Änderung vor, mit der die teils sehr unterschiedlichen Wasserhärten im Stadtgebiet angeglichen werden sollen. Derzeit reicht das Spektrum von 4-6 Grad Deutscher Härte (Hochzone/Dornholzhausen) bis 18 Grad (Tiefstzone/Ober-Eschbach und Ober-Erlenbach). "Das müssen wir erst noch intern abklären, dann werden wir es präsentieren", stellte Philipp in Aussicht. Dabei sind die 18 Grad schon eine Mischung - das Brunnenwasser hat eine Härte von 11 Grad, das zugekaufte eine Härte von 20.

Mit 149 Metern tiefster und mit Abstand produktivster Brunnen ist der an der Langen Meile, erklärte Annegrit Zirkel-Biener. "Der Brunnen ist in einen starken Grundwasserleiter gebohrt - aber auch auf die kleinen Brunnen würde ich nicht verzichten wollen." Insgesamt wurden 2020 4,252 Millionen Liter Wasser verbraucht.

Die sechs Hochbehälter, in denen das Wasser quasi zwischengespeichert wird, haben mit 13 600 Kubikmeter eine Gesamtkapazität, die etwas über einem durchschnittlichen Tagesverbrauch (11 300 Kubikmeter) liegt.

Während die beiden großen Stollen das ganze Jahr über kräftig sprudeln, sind, so erklärte Zirkel-Biener, die kurzen Saalburg- und Lutherstollen "sehr volatil im Jahreslauf"

Auch wenn das Wasser, das aus dem Grund an die Oberfläche kommt, rein ist, wird es noch bearbeitet, bevor es ins Netz geht. Vier Aufbereitungsanlagen stehen dafür zur Verfügung, in denen verschiedene Filter- und Aufbereitungsmöglichkeiten angewendet werden. von Harald konopatzki

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