Ein Radfahrer mit langen Fingern

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Dieser Mann hat Nerven: Erst fährt er eine Frau mit dem Fahrrad um und beklaut sie, dann entzieht er sich Justiz und Polizei. Jetzt ist er zur Fahndung ausgeschrieben.

Was für eine üble Nummer: Eine 53 Jahre alte Bad Homburgerin stand an einem Julitag 2016 völlig arglos an der Fußgängerampel in der Nähe des Bahnhofs, als sie plötzlich von hinten von einem Radfahrer angerempelt wurde. Die Frau stürzte zu Boden und zog sich Verletzungen an den Händen zu. Auch ihre Handtasche sowie eine Plastiktüte, in der sich eine kurz zuvor gekaufte Armbanduhr im Wert von über 700 Euro befand, lagen auf dem Boden. Während zwei Zeugen der Frau wieder auf die Beine halfen, hatte sich der Radfahrer abgesetzt.

Als die 53-Jährige ihre Wertsachen einsammelte, stellte sie fest, dass die zuvor als Geschenk gekaufte Uhr nicht mehr in der Plastiktüte war. Die hatte sich offenbar der Radfahrer unter den Nagel gerissen.

Doch der Radler mit den langen Fingern hatte wohl nicht mit der Aufmerksamkeit eines Zeugen gerechnet. Der hatte nämlich beobachtet wie sich der Radfahrer nicht weit vom Unfallort am Rathaus auf einer Bank niedergelassen hatte. Der führte die 53-jährige Frau dorthin. Mit dem Handy der Geschädigten machte der fremde Helfer ein Foto des Radfahrers. Als die Polizei eintraf, hatte sich der Radfahrer jedoch erneut abgesetzt – so blieb dem Beamten nur das Handy-Foto. Leider blieben die beiden Helfer und Zeugen unbekannt. Auch ein Aufruf in der TZ, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen, verlief ohne Erfolg.

Im Zuge der Ermittlungen erkannte dann jedoch eine Kriminalbeamtin das Bild des Radfahrers. Sie hatte mit dem Mann wegen kriminellen Taten schon zu tun gehabt. Es handelte sich um einen seinerzeit 47 Jahre alten Mann aus Oberursel. Es kam zu einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes, wobei man vor allem nach der verschwundenen Uhr Ausschau hielt. Zwar blieb die Suche erfolglos, dennoch war für die Kriminalisten – und auch für die Staatsanwaltschaft – der Fall klar. Nun sollte die über zwei Jahre zurückliegende Tat beim Schöffengericht in Frankfurt verhandelt werden. Aber die Verhandlung fiel aus – der Angeklagte erschien nicht bei Gericht. In solchen Fällen wird ein neuer Termin angesetzt, zuvor wird jedoch die Festnahme des Angeklagten angeordnet wird. So war es denn auch für den Folgetermin vorgesehen. Pflichtverteidiger und drei Zeugen waren geladen, doch die Hauptperson ward wieder nicht gesehen. Die Polizei konnte den Mann nicht in seiner Wohnung festnehmen, sein Aufenthalt ist unbekannt.

Jetzt wurde der inzwischen 49-Jährige zur Festnahme ausgeschrieben. Nach seiner Inhaftierung wird dann wieder ein neuer Verhandlungstermin festgesetzt. Hierzu muss die Geschädigte nicht mehr erscheinen. Sie wurde mit Einverständnis des Verteidigers unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Gericht vernommen. Ihre Aussage wird beim nächsten Termin verlesen.

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