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Rainer Hunold zeigt mit Kupfernägeln versehene Holzskulpturen im Horexmuseum. Die Werke korrespondieren mit den Kaltnadelradierungen von Michael Herrendorff, die Szenen aus einer Londoner Kettenschlosserei zeigen.

Horexmuseum

Rainer Hunold: Der schauspielende Bildhauer

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Bekannt ist er vor allem als Schauspieler. Doch Rainer Hunold ist auch ein hervorragender Bildhauer. Zusammen mit Michael Heindorff eröffnet er im Horexmuseum die neue Reihe „Inspiration Technik“. Dabei stellen sie unter Beweis, dass Industrietechnik und Kunst sich kongenial ergänzen.

Technik und Kunst sind eng miteinander verbunden. Technik kann zweckmäßig sein, wie jeder unschwer erkennen kann, der durch die Ausstellung des Horexmuseums in Bad Homburg schlendert. Und wer dort den Horex-Fans zuhört, die vom eleganten Schwung des Tanks der Regina, dem Kultmotorrad, schwärmen, für den wird spätestens dann klar, dass Technik und Kunst so ohne Weiteres nicht zu trennen sind. Um diesen Aspekt noch zu unterstreichen, wird im Horexmuseum eine neue Kunstreihe „Inspiration Technik“ gezeigt, die der jeweiligen Jahresausstellung zur Bad Homburger Industriegeschichte gegenübergestellt wird. Den Anfang macht nun eine gemeinsame Ausstellung von Rainer Hunold und Michael Heindorff.

Rainer Hunold dürfte den meisten kein Unbekanter sein, allerdings nicht als Bildhauer, sondern als Schauspieler, unter anderem aus der Serie „Ein Fall für Zwei“. Was aber weit weniger bekannt ist: Rainer Hunold hat einige Semester Bildhauerei studiert, bevor er sich der Schauspielerei hauptberuflich widmete. Doch die bildhauerische Arbeit hat er nie aufgegeben.

Eine, die seinen Werdegang schon lange verfolgt, ist Ursula Grzechca-Mohr, die Leiterin des städtischen Museums. Im Zuge ihrer früheren Tätigkeit am Frankfurter Städel hatte sie die Arbeiten Hunolds kennengelernt und Kontakt zu dem Künstler gehalten, und so war dieser gerne bereit, an der neuen Ausstellung mitzuwirken.

Denn Hunolds Werke zeigen deutlich, wie Kunst aus Technik entstehen kann. Ausgangspunkt für seine bildhauerischen Arbeiten, die im Museum gezeigt werden, ist eine altertümliche Kupfernagelmaschine, für die sich Hunold interessierte. Denn diese Art von Nägeln rosten nicht. Daher besorgte er sich Kupfernägel und verwendete sie für seine Skulpturen, die er aus Material fertigte, die er auf Spaziergängen durch Wälder entdeckte. Dabei handelt es sich um Fragmente gefällter oder abgestorbener Bäume, deren Form ihn inspirierte. Das gefundene Stück wurde durch Schleifen oder Fräsen bearbeitet. Dadurch erhielt das Bauteil, das Teil einer absterbenden Natur war, eine neue Qualität, die durch die mitverarbeiteten, nichtrostenden Kupfernägel eine dauerhafte, technische Komponente enthält.

Hunold selbst war von der Idee, im Horexmuseum auszustellen, begeistert. Was auch daran lag, dass der 68-Jährige ein passionierter Biker ist, der einst selbst eine 400-ccm-Regina fuhr. Über 300 000 Kilometer habe er mit ihr zurückgelegt, berichtete er am Abend der Vernissage.

Dass auch Michael Heindorff im Horex-Museum ausstellt, war Rainer Hunolds Idee. Heindorff ist ein Meisterschüler von Alfred Winter-Rust. In den 1980er Jahren unterrichtete er am Royal College of Art in London. In dieser Zeit entstanden die Arbeiten, die nun im Horexmuseum gezeigt werden. Denn Heindorff besuchte dort eine Kettenschlosserei, und hielt das, was er dort sah in Form von Kaltnadelradierungen fest. „Heute stehen dort an dieser Stelle Bürogebäude“, sagt Ursula Grzechca-Mohr. „Es sind sozusagen letzte Einblicke in eine zu Ende gehende industrielle Epoche.“ Die Bilder wirken gerade so, als seien die Arbeitsplätze nur für kurze Zeit verlassen worden. Einem Stillleben gleich werden Raum, Material und Werkzeuge gezeigt. So oder so ähnlich habe es wohl auch in den Horex-Werkshallen in Bad Homburg früher ausgesehen, glaubt die Museumsleiterin. Die Bilder seien Zeugnisse, wie aus einem schöpferischen Chaos präzise gearbeitete Technik entstehen kann.

„Wir wollen mit dieser neuen Reihe zeigen, dass Design, auch gerade technisches Design, eine schöpferische Arbeit ist“, sagt Grzechca-Mohr. Gerade dann, wenn sich Ästhetik und Technik auf Augenhöhe begegnen.

Die Werke der beiden Künstler werden bis zum 8. April gezeigt. Sie begleiten die Jahresausstellung „Modellwechsel“ mit Exponaten der Sammlung Richard Berger, die bis August läuft. Vom 27.

April an werden Bilder von Tim Hölscher zum Thema „Historische Tankstellen und Zapfsäulen“ gezeigt.

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