Für Fahrradfahrer ist die Treppe, die von der Bahnhofstraße zur Alfred-Herrhausen-Brücke hinaufführt, ein Hindernis. Der Aufzug ist klein, die Fahrrad-Schienen zum Schieben steil. Foto: hko
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Für Fahrradfahrer ist die Treppe, die von der Bahnhofstraße zur Alfred-Herrhausen-Brücke hinaufführt, ein Hindernis. Der Aufzug ist klein, die Fahrrad-Schienen zum Schieben steil.

Ausbau der Rad-Infrastruktur in Bad Homburg

Rampe an der Alfred-Herrhausen-Brücke ist mit viel Aufwand verbunden

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Eine Machbarkeitsstudie sollte Möglichkeiten aufzeigen, wie Radfahrer künftig schneller und sicherer vom Bahnhof in die Innenstadt kommen. Jetzt stehen drei Optionen zur Diskussion. Selbst die preiswerteste ist mit Baukosten von 1,5 Millionen Euro verbunden.

Das Ziel der Stadt ist klar: Der Radverkehr soll eine bessere Infrastruktur bekommen. Auf der Nord-Süd-Achse sind zwei Verbesserungen geplant. Horex-Brücke und die Schleußnerstraße sollen fahrradfreundlicher werden - die Beschlüsse sind getroffen, 2023 wird gebaut. Und, noch wichtiger, auch vom Bahnhof soll es künftig sicherer in die Innenstadt gehen. Bahnhofstraße und Rathausplatz sind schon radelfreundlich, dafür stellt die Alfred-Herrhausen-Brücke mit ihren steilen Stufen auf der Südseite eine echte Herausforderung dar.

Um das zu ändern hatte die Stadt nach einem entsprechenden Parlamentsbeschluss eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Der Auftrag war klar: Dem Radverkehr durch eine Fahrradrampe eine barrierefreie Überquerung des Hessenrings zu ermöglichen.

Die Machbarkeitsstudie liegt vor, in der konstituierenden Sitzung des Ortsbeirats Gonzenheim am kommenden Mittwoch wird sie vorgestellt, die Eckpunkte sind aber schon jetzt im Gremieninformationssystem einsehbar.

Drei Varianten hat das Planungsbüro ausgearbeitet. Alle drei mögen "machbar" sein, die Frage wird eher sein: Sind sie angesichts der finanziellen Folgen der Corona-Krise auch finanzierbar, beziehungsweise stehen die Kosten im Verhältnis zum Nutzen?

Zumindest die "Option 3" ist ambitioniert. Statt einer kurvigen Rampe, die eine Verbindung von der Bahnhofstraße zur Brücke schafft, haben die Planer etwas größer gedacht: Die Radfahrer sollen demnach eine eigene Brücke bekommen. Der 130 Meter lange Neubau, "klar abgelöst von Bestandsbrücke und Haupteingang", käme nach ersten Schätzungen auf Baukosten in Höhe von 2,33 Millionen Euro plus rund 340 000 Euro Planungskosten.

Und die Option 3 ist, so geht es aus den Sitzungsunterlagen hervor, auch diejenige, die von der Verwaltung präferiert wird. Der Magistrat hatte das Thema bei seiner Sitzung am 26. April auf dem Tisch. "Die Entscheidung, müssen die Gremien treffen", sagt Stadtsprecher Marc Kolbe auf Nachfrage. Ausschlaggebend für die Präferenz der Verwaltung sei die dadurch mögliche komplette Trennung von Fuß- und Radverkehr gewesen.

Darauf weisen auch der Fachbereich Straßenverkehr und die Radverkehrsbeauftragte in ihren Stellungnahmen hin. Denn der Radverkehr werde in Zukunft weiter zunehmen und damit auch mögliche Konfliktsituationen bei einer gemeinsamen Brücken-Nutzung. "Vor diesem Hintergrund ist eine wie in der Option 3 dargestellte klare Trennung von Fuß- und Radverkehren und eine damit einhergehende Trennung der Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden zu favorisieren", gibt die Radverkehrsbeauftragte zu bedenken. Eine gemeinsame Nutzung der bestehenden Brücke "erfordert von allen Nutzergruppen ein erhöhtes Maß an gegenseitiger Rücksichtnahme", heißt es vom Fachbereich Straßenverkehr.

Die Option 3 biete, führt die Radverkehrsbeauftragte weiter aus, zudem die größte Leistungsfähigkeit und sei "somit auch mit Blick auf eine nachhaltige Verkehrsplanung zu bevorzugen".

Diese Trennung käme die Stadtkasse allerdings teuer. Dazu heißt es in der Vorlage: "Das Bauwerk soll unabhängig von der Bewilligung der in Aussicht gestellten Fördermittel aus dem Landesprogramm "Nahmobilität" erfolgen." Die benötigten finanziellen Mittel sollen in den Haushalt 2022 eingestellt werden, für die Planung stehen 450 000 Euro im aktuellen Doppelhaushalt.

Die beiden ausgearbeiteten Alternativen sind auch keine Schnäppchen. Die mittlere Variante, Option 2, eine bogenförmige Zufahrt auf die Bestandsbrücke, käme demnach auf 1,95 Millionen Euro Baukosten plus Planungskosten. Und die "Option 1" wäre mit avisierten Kosten von 1,5 Millionen Euro (Plus Planung) die vergleichsweise günstigste. Dafür würde sich der Anblick des denkmalgeschützten Technischen Rathauses verändern. Denn um den Höhenunterschied zu überwinden, müsste die Rampe ungefähr auf Höhe des Glas-pavillons beginnen und dann, allerdings mit einigen Kurven, parallel zum Verwaltungsbau stetig in die Höhe wachsen, so dass sie auf Höhe des Haupteingangs zum Technischen Rathaus eine Überführung bildet. Danach würde die Trasse mit einem weiteren Schwenk zur Herrhausen-Brücke geführt, den eigentlichen Anschluss gäbe es auf Höhe des Treppenabsatzes - der obere Teil der Treppe wäre halbseitig verbaut.

Das Denkmalamt weist denn auch darauf hin, dass "das Kulturdenkmal ,Bundesschuldenverwaltung' durch alle drei Brückenvarianten optisch in seiner Wirkung beeinträchtigt" wird. Allerdings stellten die Varianten 2 und 3 für die Fernsicht des Kulturdenkmals eine geringere Beeinträchtigung dar. "Die Linienführung der Option 3 rückt am weitesten vom Kulturdenkmal ab und ist daher diesbezüglich als die günstigste Option zu benennen."

Mittlere Variante und Brückenneubau begännen jeweils ungefähr am Fuß der Treppe zur Brücke. Vorgesehen ist ein weiter Bogen - in etwa vergleichbar mit der Fußgängerbrücke auf Höhe der Hölderlinschule, nur mit einem größeren Radius. So wäre der Scheitelpunkt des Bogens ungefähr auf Höhe der Rückseite des Technischen Rathauses.

Bei der mittleren Variante würde die neue Rampe zur bestehenden Treppe zurückgeführt, so dass diese fast zur Hälfte überbaut wäre.

Die Steigungen lägen zwischen vier (Variante 2) und sechs Prozent (Variante 3). Eine maximale Steigung von sechs Prozent war eines der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung, die die Stadt online als Videokonferenz angeboten hatte.

Die Vorlage ist nun auf dem Gang durch die Gremien. Nach Ortsbeirat und Fachausschüssen soll das Parlament bei seiner Sitzung am 27. Mai darüber befinden.

Laut eines ungefähren Rahmenterminplans soll mit dem Anfang 2023 begonnen werden. Ausgehend von einer Bauzeit von 14 Monaten wäre Rad-Verbindung über den Hessenring Mitte 2024 fertig.

Die Treppe der Brücke zu einer (sehr viel längeren) Rampe umzubauen, geht übrigens nicht. Die Bahnhofstraße ist auf der kompletten Länge und beinahe der kompletten Breite als Feuerwehr-Aufstellfläche vorgesehen.

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