Ausstellung

Als die Reformation nach Südosteuropa kam

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Das vergangene Jahr war vom Gedenken an die Reformation Martin Luthers geprägt. Jetzt ist Gelegenheit, über den deutschen Tellerrand hinauszuschauen, denn in der Erlöserkirche ist die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“ zu sehen.

Schon kurz nach dem Thesenanschlag Martin Luthers im Jahr 1517 kam die Reformation im Osten Europas an. Kaufleute und aus Wittenberg zurückkehrende oberungarische Studenten brachten seine Ideen mit, die ihre nachhaltige Wirkung entfalteten. Es begann ein Aufbruch nicht nur für den Glauben, sondern auch für Kultur und Bildung. Diese Entwicklung des protestantischen Glaubens zeigt die Wanderausstellung „Reformation und Südosteuropa“, die sich mit der Situation der Lutheraner in der Slowakei, dem früheren Oberungarn, beschäftigt und nun in der Homburger Erlöserkirche zu sehen ist.

Bei der Vernissage gab Tanja Krombach vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, die für die Schau mitverantwortlich ist, Informationen zu den zehn Bannern. Die Ausstellung beginnt mit dem 16. Jahrhundert, als das Königreich Ungarn dreigeteilt und die heutige Slowakei Oberungarn zugeschlagen war.

Bereits 1544 nahmen zahlreiche Städte in der heute nördlichen Slowakei die Reformation nach dem Augsburger Bekenntnis an. Einher damit ging der Bau von Kirchen wie dem Elisabethdom in Kaschau. Dem setzten die regierenden Habsburger mit Hilfe des Jesuitenordens eine Rekatholisierung entgegen. Als den Pressburger Lutheranern 1671 mit militärischer Gewalt alle Institutionen genommen wurden, war das nichtkatholische Europa entsetzt. Besonders als bekannt wurde, dass protestantische Geistliche und Lehrer als Galeerensklaven verkauft worden waren. Die Folge waren Aufstände in der Region. Nach und nach gab es Zugeständnisse wie eigene „Artikularkirchen“, also Kirchen, die nur aus Holz ohne Turm und außerhalb der Stadtmauern gebaut werden durften. Den Protestanten sei es in der Artikularzeit nicht gut gegangen, so Krombach. Erst die Toleranzpatente von Kaiser Joseph II. von Habsburg-Lothringen brachten schließlich Religionsfreiheit nicht nur für die Lutheraner.

Unter kommunistischer Herrschaft konnten sich die Protestanten behaupten, denn anders als im tschechischen gab es im slowakischen Landesteil keine radikale Entkirchlichung. Heute gehören der evangelischen Kirche knapp sechs Prozent der Bevölkerung der Slowakei an, zwei Prozent sind calvinistisch.

Wie sich das Gemeindeleben im 21. Jahrhundert gestaltet, ist in der Ausstellung auch zu sehen. Maria Quadbeck, die mit Ehemann Otto aus Luxemburg zur Ausstellungseröffnung angereist war, beschäftigt besonders diese Frage. Denn ihr Bruder sei gerade dabei, dort eine evangelische Gemeinde aufzubauen. Aber sie hat noch eine tiefere familiäre Verbindung, denn sie wurde während des Zweiten Weltkriegs in der heutigen Slowakei geboren. Als Baby musste sie 1945 mit den Angehörigen gen Westen fliehen. Später lernte sie in Bad Homburg ihren Ehemann Otto kennen, beide heirateten vor fast 50 Jahren in der Erlöserkirche.

Für Pfarrerin Astrid Bender von der Erlöserkirche ist die Ausstellung ein guter Anschluss an das Reformations-Jubiläumsjahr. Sie passe zum interreligiösen Dialog, der in der Kurstadt gepflegt werde, dem Austausch über das eine Wort Gottes in der Vielfalt der unterschiedlichen Religionen. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gefällt es, dass seine Stadt in prominenter Reihe mit Karlsruhe, Berlin und der Nikolaikirche in Leipzig, dem nächsten Standort der Wanderausstellung, steht. Sie zeige, mit welcher Wucht Luthers Thesen sich ausgebreitet hätten. Die Ausstellung ist dem Bad Homburger Imrich Donath zu verdanken. Der slowakische Honorarkonsul sieht keinen Widerspruch darin, dass er sich als Jude für die Reformation einsetzt. Toleranz reicht ihm nicht, er setzt vielmehr auf eine gegenseitige Akzeptanz. Toleranz stehe für Duldung, Akzeptanz setze auf Anerkennung der Verschiedenheit.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung in der Erlöserkirche ist bis einschließlich 11. Februar täglich von 12 bis 16 Uhr zu sehen.

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