In den vergangenen anderthalb Jahren sind vielerorts Einbahnstraßen für Radler gegen die Fahrtrichtung geöffnet worden, Aufstellflächen an den Ampeln wurden markiert. An der Kreuzung Schwedenpfad/Promenade gibt es seit wenigen Wochen die zweite reine Fahrradampel.
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In den vergangenen anderthalb Jahren sind vielerorts Einbahnstraßen für Radler gegen die Fahrtrichtung geöffnet worden, Aufstellflächen an den Ampeln wurden markiert. An der Kreuzung Schwedenpfad/Promenade gibt es seit wenigen Wochen die zweite reine Fahrradampel.

Verbesserungen für Radfahrer

Reicht's schon für den "Klimawandel" in Homburg?

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Der ADFC ruft zur Teilnahme am nächsten Fahrradklimatest auf. Für die Stadt gibt es von den Radlern Lob und Kritik - und so manchen Vorschlag, was man besser machen könnte.

Bad Homburg -Die Diskussion über die Aufteilung des Verkehrsraums hatte in Bad Homburg vor anderthalb Jahren ordentlich Schub bekommen. Dass die Kreisstadt im alle zwei Jahre anstehenden Fahrradklima-Test des ADFC hessenweit den letzten Platz belegt hatte und bundesweit in ihrer Kategorie auf Rang 102 von 106 landete, brachte Bad Homburg überregional in die Schlagzeilen - und beschäftigte auch die Politik. Auch im Kreis tut sich dem Vernehmen nach einiges. Dort gibt es, wie in Bad Homburg, eine Radverkehrsbeauftragte, und es gab im Mai eine Zuwendung des Landes über 54 000 Euro zur Entwicklung eines Radwegekonzepts; das Ziel ist die Entwicklung eines kreisweiten Radverkehrsnetzes, das alle "Orte mit mehr als 500 Einwohnern und nicht mehr als 10 Kilometer Abstand voneinander direkt verbindet" - viel mehr über die ambitionierten Pläne ist bislang nicht bekannt.

Jetzt geht der Fahrradklima-Test in die nächste Runde - bis 30. November können sich Radfahrer daran beteiligen - und zwar im Internet unter www.fahrradklima-test.adfc.de.

Der ADFC Hochtaunus ermutigt die Bürger zur Teilnahme. Die hohe Beteiligung am gerade gestarteten Stadtradeln zeige, dass Fahrradfahren im Hochtaunuskreis "in" sei. "Doch wie erleben Radfahrer unsere Städte und Gemeinden, wenn sie auf dem Rad unterwegs sind? Was wurde in den letzten zwei Jahren getan, um das Miteinander im Verkehr zu erleichtern? Was stört und nervt immer noch?" - dies alles wolle man von den Radfahrern wissen. "Der Fahrradklima-Test ist das Stimmungsbarometer der Radfahrer", fasst es der ADFC zusammen.

Direkte Rückmeldung an Planer und Politik

Die Ergebnisse werden, so sind sich die Organisatoren sicher, gehört: Sie geben Planern und politisch Verantwortlichen direkte Rückmeldungen zum Erfolg oder Misserfolg ihrer Maßnahmen und nützliche Hinweise für Verbesserungen.

Ralf Gandenberger, Vorsitzender des ADFC Bad Homburg, erinnert an die Aussagen von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), der im April 2019 gesagt hatte, dass man zwar ein Radverkehrskonzept beschlossen habe, man aber die Versäumnisse von 20 Jahren nicht in drei Monaten aufholen könne. "Vor dem Fahrradklima-Test 2020 lohnt sich ein Blick darauf, was seitdem passiert ist. Und da gebe es trotz der umgesetzten Maßnahmen und der neuen Radverkehrsbeauftragten einigen Anlass zur Kritik. So vertritt der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf die Ansicht, dass es mehr Personal im Rathaus brauche, das sich um die Rad-Infrastruktur kümmert.

"Einige Maßnahmen zu halbherzig"

Lobenswert sei die Öffnung zahlreicher Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung für Radfahrer, dies habe der ADFC lange gefordert. Auch dass Markierungen auf entgegenkommende Radler aufmerksam machen, werde sicher beim Fahrradklima-Test positiv berücksichtigt. "Gleiches gilt für die zahlreichen neuen Fahrradabstellmöglichkeiten im gesamten Stadtgebiet", so Gandenberger. Die Einrichtung der Fahrradstraße im Weinbergsweg ("viel zu kurz, außer an der Farbe hat sich nichts geändert") sieht er ebenso wie in der Einrichtung einer Tempo-30-Zone in der Kaiser-Friedrich-Promenade und die Freigabe der Einbahnstraße dort für Radfahrende in Gegenrichtung als "halbherzig umgesetzte" Maßnahme. "Eigentlich sollten dort Parkplätze wegfallen. So kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen im Begegnungsverkehr, weil die Straße noch zu eng ist und die Autos zu schnell sind."

Besonders ärgerlich sei für die Radfahrer in der Innenstadt von Bad Homburg, dass der Umbau und die danach geplante Freigabe des Schulbergs für den Radverkehr in Gegenrichtung von der Stadtpolitik erneut vorschoben wurde. "Auch die von der Stadtverordnetenversammlung schon Mitte 2019 beschlossene Prüfung der Verkehrsberuhigung des Bereichs Schulberg und Haingasse wurde nicht vorgenommen und wieder verschoben. Fehlt hier der politische Wille? Oder hat man Angst vor der Reaktion der Wähler bei der Kommunal- und Oberbürgermeisterwahl?", fragt sich Gandenberger. Dabei wünsche sich die Mehrheit der Bürger eine deutlich bessere Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad.

Gandenberger bilanziert: "Die Maßnahmen zeigen, dass sich die Stadt teilweise bemüht, dass aber sehr vieles noch in der Planungs- und Prüfungsphase steckt, was sicherlich auch auf die unzureichende Personalausstattung zurückzuführen ist." Hinzu komme, dass das RVK insgesamt den Anforderungen an eine moderne Rad-Infrastruktur nicht gerecht werde. Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf habe der Politik und Verwaltung umfangreiche Vorschläge gemacht, die leider ignoriert wurden.

Ob die umgesetzten Maßnahmen reichen, dass sich Bad Homburg im Fahrradklima-Test signifikant verbessern kann, bezweifelt Gandenberger, der lediglich mit einer leichten Verbesserung rechnet. "Vor Bad Homburg hielt Wiesbaden mehrere Jahre diese Position. Die Landeshauptstadt konnte ihre Note beim letzten Test zwar deutlich verbessern, belegt aber noch immer den vorletzten Platz vor Bad Homburg." Ein Blick in die anderen Kommunen, die beim vergangenen Test im Keller gelandet waren, zeige, dass dort mehr geschehen ist als in Bad Homburg.

"Die Versäumnisse von 20 Jahren lassen sich nicht in drei Monaten und auch nicht in zwei Jahren aufholen. Aber mehrfach haben wir der Stadt und den politischen Entscheidungsträgern gesagt, dass es in der Lage von Bad Homburg nicht hilft, der Entwicklung mit Trippelschritten hinter zu humpeln, sondern dass nun die Siebenmeilenstiefel angezogen werden müssen." Davon sei nichts zu erkennen.

von Harald konopatzki

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