Auch die Tiere kämpfen in den Überschwemmungsgebieten ums Überleben.
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Auch die Tiere kämpfen in den Überschwemmungsgebieten ums Überleben.

Hilfe in der Not

Tiere im Hochwassergebiet leiden: „Es ist eine Katastrophe“

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Tiere leider unter dem Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz genauso wie die Menschen. Auch ihnen muss geholfen werden.

Hochtaunus – Viele Menschen leiden in den Überschwemmungsgebieten. Doch nicht nur die: Auch Tiere dort sind vom Hochwasser betroffen. „Nun geht es darum, schnell zu helfen“, berichtet Klaudia Skodnik, Erste Vorsitzende der „Fortuna helping hearts Foundation“, einem Bad Homburger Hilfsverein (siehe auch Box). Vergangene Woche war sie im Hochwassergebiet in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um vor allem den Tieren dort zu helfen. Heute startet ein weiterer Transport Richtung Ahrweiler.

„Es ist wirklich eine Katastrophe“, sagt sie. Fast sämtliche Pferdekoppeln seien während der Überflutungen überschwemmt worden. Auf Weiden, auf denen einst üppiges Gras stand, findet sich heute nur kontaminierter Schlamm. „Es herrscht ein enormer Gestank, denn der Schlamm besteht ja auch aus Fäkalien und Giftstoffen, die sich überall abgelagert haben“, sagt Skodnik. Wann und in welcher Form diese beseitigt werden können, sei noch absolut unklar.

Die Huftiere und ihre Halter sind im Ausnahmezustand. „Manche Pferde wurden auf Höfe im Umland gebracht, andere sind nun in Metallboxen untergebracht und bekommen kaum Auslauf“, berichtet sie. Beim Gut Waldsee, einem Hof in Erftstadt, konnten viele Tiere auf eine höher gelegene Koppel gebracht werden.

Tote Tiere nach dem Hochwasser in NRW: „Es ist ein trostloser Anblick“

Viele Pferde sind verletzt. „Auf den wenigen Koppeln drängen sich die Tiere, in dieser Extremsituation suchen sie den Schutz der Herde, schließlich sind Pferde Herdentiere“, sagt Skodnik. „Selbst solche, die sich zuvor gar nicht kannten oder sich nicht leiden konnten, drängen sich nun dicht aneinander.“

Und diese Pferde hatten das Glück, zu überleben. Viele Vierbeiner sind in den Fluten ums Leben gekommen, sie wurden von den Wassermassen einfach mitgerissen. „Vielerorts liegen auf den Feldern aufgeblähte Kadavern, auch von Kühen und Schafen - es ist ein trostloser Anblick“, klagt Skodnik.

Ihr sei ein Fall einer Pferdefreundin bekannt, die sich in letzter Sekunde auf einen Baum retten konnte. Von dort aus musste diese miterleben, wie ihre Pferde und eine Freundin vom Wasser mitgerissen wurden - auch die Frau ertrank. „Diese Leute sind psychologisch total am Ende, genauso wie die überlebenden Tiere.“ Auch die psychologische Betreuung der Tiere spiele durchaus eine Rolle. „Manche sind in den Hängern fast ertrunken, nun muss man sie wieder daran gewöhnen, dort eingesperrt zu sein. Das Vertrauen muss langsam wieder aufgebaut werden.“

Enge Zusammenarbeit unter Tierbesitzern nach Hochwasserkatastrophe in NRW

Skodnik steht in engem Austausch mit Hofbesitzern im Hochwassergebiet. „Wenn man dort hinkommt, geht es nur ums Helfen“, weiß sie. „Die Leute dort funktionieren wie Roboter. Wenn man all das, was man da an Leid sieht, auf sich einwirken lassen würde, man würde zerbrechen“, erklärt die Vorsitzende. Die Menschen versuchen ihren Tieren zu helfen, doch irgendwann, so die Befürchtung, sind auch die menschlichen Grenzen erreicht. „Viele haben Angst, was wird, wenn sie nicht mehr können.“

Zwar wurden dort auch Verteilerstellen eingerichtet, aufgrund der schwierigen Verhältnisse und der Erschöpfung der Menschen sei es jedoch nur in wenigen Fällen möglich, diese anzufahren. Mit Hilfsmaterial war Skodnik daher dort im Einsatz, um die benötigen Stoffe direkt dort vorbeizubringen.

Um den Leuten dort zu helfen, hat Skodnik begonnen, über den Verein Spenden einzusammeln. „Die oberste Priorität derzeit sind Medikamente und Futter“, sagt sie. Denn durch die Kontaminierung der Koppeln gibt es dort kein Gras mehr, und die Tiere müssten irgendwie gefüttert werden.

Viele Höfe wurden komplett zerstört.

Hilfe für Tiere nach Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland Pfalz

Aber auch Baumaterial ist essenziell, um zumindest Teile der zerstörten Koppeln wieder aufbauen zu können und den Tieren Freilauf zu ermöglichen. Oft fehlt es dabei aber bereits an den Grundvoraussetzungen. „Viele der Menschen dort haben nicht mal mehr Stiefel und setzen sich damit im Schlamm Infektionen aus.“ Tiere und Menschen litten deswegen oft unter Durchfall.

Viele Menschen haben schon geholfen und gespendet. Darunter etwa der Tierschutzverein mit Lebensmittelspenden für Hunde und Katzen. Die Autovermietung Sixt stellte kostenlos einen Transporter bereit, die Gonzenheimer Stern-Apotheke spendete ein Paket mit medizinischen Versorgungsmitteln, und die Bad Homburger Tierärztin Beate Zimmermann brachte ein Paket für die Tiere vorbei. Vieles davon ist bereits bei den Tieren angekommen.

Über Nacht werden sich die Schäden jedoch nicht beheben lassen. „Die Leute dort gehen davon aus, dass es mehr als ein halbes Jahr dauern wird, bis die rudimentärsten Schäden beseitigt sind“, sagt Skodnik. Doch bis alles wieder so sein wird wie vor den Überschwemmungen, bis dahin wird es wohl Jahre dauern. (Alexander Seipp)

So können sie helfen

Informationen, wie man die Tier-Retter unterstützen kann, sind unter www.fortuna-foundation.de zu finden, Infos gibt es auch per Mail an klaudia.skodnik@fortuna-foundation.de oder telefonisch unter 01 63-2 89 18 88.

Seit der Unwetter-Katastrophe kommt Hilfe von allen Seiten. Unter anderem bietet Opel Ersatzfahrzeuge in Hochwassergebieten.

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